Seismogramm: Was ist das? Definition, Messung & Bedeutung für Erdbeben
Seismogramm erklärt: Definition, Messung, digitale Aufzeichnung und Bedeutung für die Erdbebenanalyse. Erfahren Sie, wie Seismometer Erschütterungen messen und interpretiert werden.
Seismogramm bezeichnet die zeitliche Aufzeichnung der Bodenbewegung, die durch seismische Quellen (z. B. Erdbeben, Explosionen, Vulkanausbrüche oder auch Menschen verursachte Schwingungen) an einer Messstation verursacht wird. Seismogramme werden normalerweise von Seismometern aufgenommen. Seisometer zeichnen Bewegungen in drei kartesischen Achsen (x, y und z) auf, wobei die z-Achse senkrecht zur Erdoberfläche und die x- und y-Achsen parallel zur Oberfläche verlaufen.
Aufbau und Messgröße
Ein Seismogramm zeigt in der Regel eine der folgenden Größen als Funktion der Zeit:
- Auslenkung (Displacement)
- Geschwindigkeit (Velocity)
- Beschleunigung (Acceleration)
Welche Größe aufgezeichnet wird, hängt vom Instrumententyp ab: Breitband-Seismometer liefern häufig Geschwindigkeit oder Displacement, während starke Erdbeben mit speziellen Beschleunigungsmessern (Strong‑motion‑Accelerometern) erfasst werden.
Historische und moderne Aufzeichnung
Historisch wurden Seismogramme mechanisch aufgezeichnet: Papier war an rotierenden Trommeln befestigt, und ein Stift oder ein Lichtstrahl übertrug die Schwingungen auf das Papier oder lichtempfindliches Material. Heute werden fast alle Seismogramme digital aufgezeichnet. Analoge Signale werden von A/D‑Wandlern in digitale Werte umgewandelt und in standardisierten Dateiformaten (z. B. SEED/miniSEED, SAC) gespeichert. Die digitale Aufzeichnung erleichtert Filterung, automatische Ereigniserkennung, Bestimmung der Ankunftszeiten und vernetzte Analysen.
Interpretation von Seismogrammen
Seismogramme enthalten charakteristische Wellenpakete:
- P‑Wellen (Primärwellen): Schnellste Volumenwellen, enthalten früh die erste Spitzenamplitude.
- S‑Wellen (Sekundärwellen): Langsamer als P‑Wellen, aber meist stärker in horizontaler Bewegung.
- Oberflächenwellen (z. B. Rayleigh‑ und Love‑Wellen): Diese erreichen die Station zuletzt und können lange anhaltende, große Amplituden zeigen.
Analytiker markieren die Ankunftszeiten von P‑ und S‑Wellen, um über Laufzeitdifferenzen Entfernung und Lage des Bebens zu bestimmen (Triangulation mehrerer Stationen). Die Amplitude und Form des Seismogramms sind außerdem entscheidend für die Bestimmung der Erdbebenstärke.
Bedeutung für die Erdbebenmessung
Seismogramme sind die Grundlage für:
- Lokalisierung von Erdbebenherden (Epizentrum und Hypozentrum)
- Bestimmung der Magnitude (historisch mit der Richterskala, heute überwiegend mit der Moment‑Magnituden‑Skala Mw)
- Untersuchung der seismischen Quellenmechanismen und des tektonischen Kontextes
- Frühwarnsysteme: schnelle Auswertung von P‑Wellen kann rechtzeitig vor den langsameren, zerstörerischen Wellen warnen
- Ingenieurgeologie und seismischer Gefährdungsabschätzung (Baugrunduntersuchungen, Erdbebenresistenz von Bauwerken)
Verarbeitung und Qualität
Bevor aus Seismogrammen physikalische Informationen gewonnen werden, sind typische Verarbeitungsschritte erforderlich:
- Entfernen des Instrumentenfrequenzgangs (Instrument Response) zur Umrechnung in physikalische Einheiten
- Filterung (z. B. Bandpass), um Störanteile zu reduzieren
- Detrending und Baseline‑Korrektur bei langsamen Driftphänomenen
- Automatische und manuelle Picking‑Algorithmen zur Bestimmung von Ankunftszeiten
Rauschquellen können Umgebungsrauschen, Wettereffekte, Verkehr oder technische Störquellen sein. Daher ist die Kenntnis der Messsituation und der Instrumentencharakteristik wichtig.
Typen von seismischen Messgeräten
- Breitband‑Seismometer: Erfassen ein breites Frequenzspektrum, geeignet für tiefere und fernere Erdbeben sowie natürliche Erdbebenforschung.
- Geophone: Kompaktere Sensoren, oft in Exploration und in dichter Netzstruktur verwendet.
- Beschleunigungsmesser (Accelerometer): Speziell für starke Erdbeben und Ingenieuraufgaben, messen hohe Beschleunigungen ohne Sättigung.
Anwendungsbeispiele
- Wissenschaftliche Erforschung von Erdinnerem und Plattentektonik
- Vulkanüberwachung (Signale von Magmenbewegungen)
- Erdbebenfrühwarnsysteme
- Überwachung von Sprengungen und Kernwaffenproben (seismische Signaturen)
- Bauwerksüberwachung (Schwingungsmessungen zur Sicherheitsbewertung)
Seismogramme sind damit ein zentrales Werkzeug in Geophysik, Katastrophenvorsorge und Ingenieurwesen: Sie liefern quantitative Informationen über die Zeit, Amplitude und Frequenz seismischer Ereignisse und sind die Basis für fast alle Analysen rund um Erdbeben und seismische Aktivitäten.

Seismogramm des Erdbebens Sylmar085 in Bruchteilen der Erdbeschleunigung, UCSD.
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