Die Seeschlacht um die Insel Valcour fand am 11. Oktober 1776 auf dem Champlain-See statt und ist auch als Schlacht in der Bucht von Valcour bekannt. Der Kampf ereignete sich in der Valcour Bay, einer engen Meerenge zwischen dem New Yorker Festland und Valcour Island, stattgefunden. Die Schlacht zählt zu den frühen Seeschlachten des amerikanischen Revolutionskrieges und hatte große strategische Bedeutung: durch den Widerstand der Amerikaner wurde der britische Vormarsch über den See hinaus verzögert.
Hintergrund
Im Sommer 1776 hatten sich Truppen der Kontinentalarmee nach der gescheiterten Invasion in Quebec nach Fort Ticonderoga und Fort Crown Point zurückgezogen. Dort verbrachten die Amerikaner den Sommer mit Reparaturen an den Forts und dem Bau einer kleinen Flotte, um den Champlain-See zu kontrollieren. Die Kontrolle über den See war strategisch wichtig, weil er als Verkehrsweg zwischen Kanada und dem Hudson River-Tal diente.
Die britische Führung in Kanada unter General Guy Carleton plante im Herbst 1776 einen Vormarsch entlang des Sees, um in das Hudson-Tal vorzustoßen. Carleton verfügte über größere Kräfte in Fort Saint-Jean und weitete eine kombinierte Land- und Seestreitmacht aus, um die amerikanischen Stellungen zu überrollen.
Vorgehen und Beteiligte
Benedict Arnold (Benedict Arnold) kommandierte die amerikanische Seeflotte, die aus einer Reihe kleinerer Kanonenboote, Schuten und kleineren Segelschiffen bestand. Die Amerikaner standen einem überlegenen britischen Geschwader gegenüber, das von Landtruppen unterstützt wurde. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit suchte Arnold eine günstige Position in der engen Bucht von Valcour, um den britischen Vorteil in Feuerkraft und Manövrierraum zu begrenzen.
Die Schlacht
Am 11. Oktober kam es zu den schweren Gefechten. Die Amerikaner nutzten die enge Meerenge und formierten ihre Schiffe in einer Linie innerhalb der Bucht, um die britischen Schiffe zu kanalisieren. Obwohl die Briten schließlich die Führung übernahmen und mehrere amerikanische Schiffe schwer beschädigten oder erbeuteten, gelang es Arnold in der Nacht, mit einem Teil seiner Flotte unbemerkt an den britischen Schiffen vorbeizuschleusen und südwärts in Richtung Crown Point und Ticonderoga zu entkommen.
Die Flucht war jedoch verlustreich: schlechtes Wetter, ständige Verfolgung und die Überlegenheit der britischen Kräfte führten dazu, dass weitere amerikanische Schiffe gekapert oder gezielt verbrannt werden mussten, bevor sie sichere Häfen erreichten. Die Amerikaner zündeten zudem Teile von Crown Point, um dem Feind keine Nutzungsmöglichkeiten zu überlassen, und zogen sich anschließend nach Ticonderoga zurück.
Folgen und Bedeutung
- Militärisch war die Schlacht ein taktischer Sieg für die Briten: sie zerstörten oder erbeuteten einen großen Teil der amerikanischen Flotte auf dem Champlain-See.
- Strategisch aber gewann die Kontinentalarmee: der zähe Widerstand Arnolds verzögerte den britischen Vormarsch, sodass Carleton seine Operationen vor dem Winter einstellen musste. Diese Verzögerung trug indirekt dazu bei, dass die Briten ihren umfassenden Vorstoß ins Hudson-Tal erst im Folgejahr (1777) wieder aufnehmen konnten.
- Die Schlacht machte einige beteiligte Offiziere der Royal Navy – darunter Thomas Pringle, James Dacres, Edward Pellew und John Schank – in ihren weiteren Karrieren bekannt; viele von ihnen stiegen später in höhere Ränge auf.
Gedenken
Valcour Bay ist heute als historischer Ort ausgewiesen und gilt als wichtiges Denkmal der frühen Kriegshandlungen auf nordamerikanischen Binnengewässern; die Stelle ist ein nationales historisches Wahrzeichen. Wracks und Überreste von Schiffen aus der Schlacht wurden in späteren Jahrzehnten geborgen oder archäologisch untersucht. So wurden Wrackfunde und Relikte der Seegefechte im 20. Jahrhundert gehoben und konserviert; einige der beteiligten Schiffe — etwa die USS Philadelphia — sind wiederentdeckt und konserviert worden. Die USS Spitfire und andere Fundstücke stehen heute unter Schutz und sind im Nationalen Register historischer Stätten eingetragen bzw. öffentlich zugänglich. Weitere Informationen zu Fundorten und Ausstellungsexemplaren finden sich in musealen Sammlungen und bei historischen Diensten entlang des Sees.