Benthos: die Flora und Fauna am Boden des Meeres oder Sees. Benthische Organismen leben entweder auf dem Substrat (epifaunisch/epifloristisch), im Substrat (infaunisch) oder sind mit dem Boden so verbunden, dass sie seine Strukturen maßgeblich prägen (z. B. Korallenriffe, Seegraswiesen). Schon Tiere in kleinen Gezeitentümpeln oder Felspools gelten als benthisch, wenn sie nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche leben.
Abgrenzung zu pelagischen Lebewesen
Im offenen Ozean wird Benthos häufig dem Plankton gegenübergestellt, das in der obersten, schwimmenden pelagischen Zone lebt. Bei großer Wassertiefe verschwimmen die Begrenzungen: man unterscheidet dann pelagische Zonen wie die epipelagische, mesopelagische, bathypelagische und abyssopelagische Zone, wobei die Begriffe je nach Kontext unterschiedlich verwendet werden. Entscheidend ist: benthische Organismen sind an den Meeres- oder Seeboden gebunden oder leben darin, pelagische schwimmen oder treiben im Wasserkörper.
Lebensräume und Zonierung
- Intertidal/Litorale Zone: Bereich zwischen Ebbe und Flut; geprägt von starken Umweltvariationen (z. B. Gezeitentümpel).
- Sublitoral/Benthische Küstenzone: bis zur Kontinentalscheide, oft reich an Makrophyten (Seegräser, Algen) und Benthos.
- Bathyal, Abyssal, Hadal: tiefere Zonen des Meeresbodens mit speziellen Benthos-Gemeinschaften (z. B. am Tiefseegrund, in Tiefseegräben).
Typische Benthos-Organismen (Beispiele)
- Mollusken: Muscheln, Schnecken
- Krustentiere: Krabben, Garnelen, Einsiedlerkrebse
- Wurmformen: Vielborster (Polychaeta), Röhrenwürmer
- Echinodermen: Seesterne, Seegurken, Seeigel
- Sessile Tiere: Schwämme, Korallen, Anemonen
- Makrophyten: Seegraswiesen, großaltrige Makroalgen
Ökologische Funktionen
- Primärproduktion: In küstennahen Bereichen leisten Seegräser und Algen als benthische Produzenten einen erheblichen Beitrag zur lokalen Produktion.
- Nährstoffkreislauf und Sedimentumbau: Benthos trägt durch Filtration, Zersetzung und Bioturbation (Umschichtung des Sediments) zur Umwandlung und Freisetzung von Nährstoffen bei.
- Habitatbildung: Strukturen wie Muschelbänke oder Korallenriffe bieten Lebensraum für viele Arten und erhöhen die Biodiversität.
- Benthisch-pelagische Kopplung: Austausch von Energie und Nährstoffen zwischen Wasser- und Bodenlebensgemeinschaften (z. B. Nahrung für Bodenfresser aus herabfallendem organischen Material).
Untersuchungsmethoden
- Beprobung mit Sedimentgreifern, Kernen und Schürfen (z. B. Van-Veen-, Ekman-Grabber)
- Visuelle Erfassung: Tauchen, Tauchroboter (ROV), Unterwasserkameras
- Laboranalysen: Taxonomie, Biomassebestimmung, DNA-Barcoding für Artenidentifikation
- Längsschnittbeobachtungen zur Erfassung von Saisonveränderungen und Störungen
Bedrohungen und Schutz
Benthos-Gemeinschaften sind durch vielfältige menschliche Einflüsse gefährdet: Fischereimethoden wie Grundschleppnetzfischerei zerstören Lebensräume; Schadstoffe und Nährstoffeinträge (Eutrophierung) verändern Artenzusammensetzung; Klimawandel und Versauerung der Ozeane beeinträchtigen empfindliche Kalkbildner (z. B. Muscheln, Korallen). Schutzmaßnahmen umfassen marine Schutzgebiete (MPAs), Schongebiete gegen Grundschleppnetze, Wiederherstellung von Seegrasflächen und Reduktion von Nährstoffeinträgen.
Zusammenfassend bezeichnet Benthos jene Lebensgemeinschaften, die an oder im Gewässerboden leben. Sie spielen eine zentrale Rolle für die Produktivität, die Stabilität von Ökosystemen und die biologische Vielfalt von Meeren und Seen.