Anastasio "Tachito" Somoza DeBayle (5. Dezember 1925 – 17. September 1980) war offiziell der 73. und der 76. Präsident von Nicaragua. In der Praxis aber war er als Oberbefehlshaber der Nationalgarde und als Mitglied der mächtigen Somoza-Familie von 1967 bis 1979 der eigentliche Herrscher des Landes.

Somoza entstammte der Somoza-Dynastie, die Nicaragua von 1936 bis 1979 politisch und wirtschaftlich dominierte. Sein Regime war geprägt von enger Kontrolle staatlicher Institutionen, Vetternwirtschaft, der Einflussnahme auf die Wirtschaft durch Familienunternehmen und wiederholten Menschenrechtsverletzungen gegen politische Gegner. Kritiker bezeichneten seine Herrschaft als autoritär und korrupt.

Die Opposition gegen Somoza wuchs in den 1960er und 1970er Jahren. Besonders die von der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) angeführte Guerillabewegung war entschlossen, die Somoza-Herrschaft zu beenden. Die Bewegung erhielt Unterstützung aus dem Ausland; die Sowjetunion und Kuba unterstützten die Sandinisten materiell und politisch. Innenpolitisch trugen Ereignisse wie das verheerende Erdbeben von Managua 1972 und die umstrittene Verteilung von Hilfsgeldern sowie die Ermordung des einflussreichen Journalisten Pedro Joaquín Chamorro 1978 erheblich zur Radikalisierung der Opposition bei.

Die Vereinigten Staaten unterstützten Nicaragua und die Somoza-Familie lange Zeit aus antikommunistischen Gründen. Unter Präsident Jimmy Carter verschlechterte sich jedoch das Verhältnis, da die US-Regierung zunehmend Menschenrechtsfragen in der Außenpolitik betonte; die offene Unterstützung für Somoza endete 1979.

Nach zunehmendem Druck durch den Aufstand und sinkender internationaler Unterstützung trat Somoza am 17. Juli 1979 zurück und ging ins Exil. Zuerst suchte er Zuflucht in Miami, doch die US-Regierung verweigerte ihm die Einreise; schließlich nahm ihn das paraguayische Regime auf, und er ging nach Paraguay.

Am 17. September 1980 wurde Somoza DeBayle in Asunción bei einem Attentat getötet. Die Tat wurde von Gegnern seines Regimes verübt; Medien und Historiker verbinden die Tötung mit Exil-Gruppen, die mit der Sandinistischen Bewegung sympathisierten (ermordeten).

Vermächtnis: Somozas Sturz leitete das Ende der somozistischen Ära in Nicaragua ein und den Beginn einer Regierungsperiode unter der FSLN, die tiefgreifende politische und gesellschaftliche Veränderungen versuchte umzusetzen. Seine Herrschaft bleibt bis heute Gegenstand heftiger Debatten: Für viele steht sie für Unterdrückung, Korruption und soziale Ungleichheit; andere heben Stabilität oder wirtschaftliche Entwicklung in bestimmten Perioden hervor. Historiker betrachten die Somoza-Zeit als ein zentrales Kapitel in der modernen Geschichte Nicaraguas.