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Sir John Gurdon – Nobelpreisträger und Pionier der Kerntransplantation

Sir John Gurdon – Nobelpreisträger und Pionier der Kerntransplantation: Wegbereiter von Klonen und Stammzellforschung mit bahnbrechenden Entdeckungen in der Entwicklungsbiologie.

Sir John Bertrand Gurdon (JBG) FRS (geboren am 2. Oktober 1933) ist ein britischer Entwicklungsbiologe, der durch wegweisende Experimente zur Kerntransplantation weltweit bekannt wurde. Für seine Arbeiten zur Reprogrammierung differenzierter Zellen wurde er 2012 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet (gemeinsam mit Shinya Yamanaka). Seine Forschung hat das Verständnis von Zellidentität, Entwicklungsbiologie und Stammzellbiologie grundlegend verändert.

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Forschung und wichtigste Experimente

Gurdon zeigte bereits in den frühen 1960er Jahren durch Experimente an Froschembryonen (Xenopus), dass der Kern einer ausdifferenzierten Körperzelle die vollständige Erbinformation besitzt, um die Entwicklung eines ganzen Organismus zu steuern. In seinen Experimenten entfernte er den Kern aus einer Eizelle und ersetzte ihn durch den Kern einer spezialisierten Darmzellen eines Froschs — die so behandelten Eizellen entwickelten sich zu normalen Kaulquappen. Dieses Ergebnis widerlegte die damals weit verbreitete Annahme, dass Differenzierung mit einem irreversiblen Verlust genetischer Information einhergehe, und führte zur Formulierung des Prinzips der nuklearen Äquivalenz.

Kerntransplantation bedeutet allgemein, den Zellkern aus Zellen in Gewebekultur oder aus einzelnen Zellen herauszunehmen und in andere Zellen einzusetzen, deren Kern entfernt wurde. Diese Technik wird als somatischer Zellkerntransfer bezeichnet. Bei diesem Verfahren übernimmt das Zytoplasma der Empfänger-Eizelle bzw. des Oocytens die Aufgabe, den übertragenen Kern so zu umprogrammieren, dass er wieder pluripotent wird und die Fähigkeit zur Steuerung einer vollständigen Entwicklung erlangt. Auf diese Weise können spezialisierte Zellen so "umprogrammiert" werden, dass sie wie Stammzellen werden und verschiedene Zelltypen hervorbringen können.

Bedeutung und Anwendungen

Gurdons Experimente legten das theoretische und methodische Fundament für spätere Erfolge in der Reproduktions- und Stammzellbiologie. Das Verfahren des somatischen Zellkerntransfers wurde unter anderem für das Klonen von Tieren (z. B. das Schaf Dolly) angewandt und bildete die Grundlage für Forschungsschritte hin zu therapeutischem Klonen und zur Gewinnung patientenspezifischer Stammzellen. Außerdem inspirierte seine Arbeit die Suche nach molekularen Mechanismen der Reprogrammierung — ein Feld, das schließlich zur Entdeckung der induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) durch Shinya Yamanaka führte.

Wissenschaftliche und gesellschaftliche Folgen

  • Wissenschaftlich: Gurdons Arbeit trug wesentlich zum Verständnis der Rolle von Chromatin, epigenetischen Markierungen und zytoplasmatischen Faktoren bei der Regulation der Genaktivität bei.
  • Medizinisch: Konzepte und Techniken aus seiner Forschung haben langfristig das Potenzial für Zelltherapien, personalisierte Medizin und die Erforschung von Entwicklungs- und Erbkrankheiten erhöht.
  • Gesellschaftlich/ethisch: Die Möglichkeit, Zellen zu klonen oder zu reprogrammieren, löste intensive ethische Debatten über den Umgang mit Embryonen, die Grenzen reproduktiver Technologien und die Folgen für Gesellschaft und Recht aus.

Auszeichnungen und Vermächtnis

Gurdon wurde in zahlreiche wissenschaftliche Gesellschaften gewählt und erhielt eine Vielzahl von Preisen. Er trägt den Ehrentitel "Sir" und ist als FRS (Fellow of the Royal Society) ausgezeichnet. Die Verleihung des Nobelpreises 2012 machte seine lange und einflussreiche Karriere einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Sein wissenschaftliches Erbe lebt in der modernen Stammzellforschung, in der Entwicklung von Reprogramming-Technologien und in der Ausbildung vieler Forscherinnen und Forscher weiter.

Insgesamt steht Sir John Gurdon für die grundlegende Erkenntnis, dass Differenzierung kein unumkehrbarer Zustand sein muss, sondern durch geeignete Bedingungen und molekulare Eingriffe rückgängig gemacht werden kann — eine Einsicht, die die Biologie des 20. und 21. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat.

Ehrungen und Auszeichnungen

Gurdon wurde 1971 zum Fellow der Royal Society ernannt und 1995 zum Ritter geschlagen. Im Jahr 2004 wurde der Wellcome Trust/Cancer Research UK Institute for Cell Biology and Cancer zu seinen Ehren in Gurdon Institute umbenannt. Darüber hinaus hat er zahlreiche Auszeichnungen, Medaillen und Ehrentitel erhalten. Er wurde 2009 mit dem Albert Lasker-Preis für medizinische Grundlagenforschung ausgezeichnet.

Nobelpreis

2012 erhielt Gurdon gemeinsam mit Shinya Yamanaka den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin "für die Entdeckung, dass reife Zellen so umprogrammiert werden können, dass sie pluripotent werden". "Pluripotente" Zellen sind Stammzellen.

Forschung

Nuklearer Transfer

1958 klonierte Gurdon, damals an der Universität Oxford, erfolgreich einen Frosch mit intakten Kernen aus den Körperzellen einer Xenopus-Quappe. Dies war eine wichtige Erweiterung der Arbeiten von Briggs und King im Jahre 1952 über die Transplantation von Kernen aus embryonalen Blastulazellen.

Gurdons Experimente erregten die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft, und die Werkzeuge und Techniken, die er für den Nukleartransfer entwickelte, werden auch heute noch eingesetzt.

Damals konnte er nicht schlüssig zeigen, dass die transplantierten Kerne von einer voll differenzierten Zelle stammten. Dies wurde schliesslich 1975 von einer Gruppe am Basler Institut für Immunologie in der Schweiz gezeigt. Sie transplantierten einen Kern aus einem Antikörper-produzierenden Lymphozyten (Beweis, dass er vollständig differenziert war) in eine enukleierte Eizelle und erhielten lebende Kaulquappen.

Gurdons Experimente erregten die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft, und die Werkzeuge und Techniken, die er für den Nukleartransfer entwickelte, werden auch heute noch eingesetzt. Der Begriff "Klon" (vom altgriechischen Wort κλών klōn = "Zweig") wurde bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Bezug auf Pflanzen verwendet. Im Jahre 1963 war der britische Biologe J.B.S. Haldane einer der ersten, der bei der Beschreibung von Gurdons Ergebnissen das Wort "Klon" in Bezug auf Tiere verwendete.

Er wurde 2009 mit dem Lasker-Preis und 2012 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

Boten-RNA-Expression

Gurdon und Kollegen leisteten auch Pionierarbeit bei der Verwendung von Xenopus-Eiern zur Übersetzung mikroinjizierter Boten-RNA-Moleküle. Diese Technik wurde weithin verwendet, um die kodierten Proteine zu identifizieren und ihre Funktion zu untersuchen.

Neueste Forschung

Gurdons jüngste Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf die Analyse interzellulärer Signalfaktoren, die an der Zelldifferenzierung beteiligt sind, und auf die Aufklärung der Mechanismen, die bei der Reprogrammierung des Zellkerns in Transplantationsexperimenten eine Rolle spielen, einschließlich der Demethylierung der transplantierten DNA.

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Autor

AlegsaOnline.com Sir John Gurdon – Nobelpreisträger und Pionier der Kerntransplantation

URL: https://de.alegsaonline.com/art/122481

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