Eine Bloomery ist ein Ofentyp, der einst für das Schmelzen von Oxiden weit verbreitet war. Bloomeries waren die ersten Schmelzöfen, die Eisen schmelzen konnten. Das Ergebnis der Verwendung einer Bloomerie ist eine Masse aus Eisen und Schlacke, die als Bloomery bezeichnet wird. Diese wird Eisenschwamm genannt, weil sie porös wie ein Schwamm ist. Eisenschwamm wird in der Regel zu Schmiedeeisen veredelt. Bloomeries werden in der Verhüttung nicht mehr verwendet, weil Hochöfen besser sind.
Aufbau und Funktionsweise
Im Deutschen ist dieser Ofentyp oft als Rennofen bekannt. Typischerweise besteht eine Bloomery aus einem zylindrischen oder trichterförmigen Schacht aus Lehm, Stein oder Ziegeln. In der unteren Seite des Schachts befindet sich eine oder mehrere Luftzuführungen (Tuyèren), durch die mit Blasebälgen oder später mit Gebläse Luft eingebracht wird. Durch die zugeführte Luft wird der Brennstoff (meist Holzkohle) zum Glühen gebracht und es bildet sich ein starkes Reduktionsmilieu.
Die wichtigsten chemischen Vorgänge sind Reduktionsreaktionen, bei denen Kohlenmonoxid (CO) die Eisenoxide reduziert. Vereinfachend lässt sich das so darstellen:
Fe2O3 + 3 CO → 2 Fe + 3 CO2
Die Temperaturen in einer Bloomery liegen typischerweise im Bereich von etwa 1100–1300 °C. Das reicht nicht aus, um reines Eisen vollständig zu schmelzen (Schmelzpunkt ≈ 1538 °C). Stattdessen entsteht ein fester, poröser Klumpen aus Metall und eingeschlossener Schlacke — der Eisenschwamm (Bloom).
Rohstoffe und Brennstoff
- Eisenerz: Hämatit, Magnetit, Limonit oder andere lokal verfügbare Eisenerze; oft als Erzknollen oder Sandstein geführt.
- Brennstoff: Traditionell Holzkohle, weil sie hohe Temperaturen und eine relativ „saubere“ Verbrennung liefert. Holzkohle fördert auch die Reduktionsbedingungen; der Ersatz durch Koks war in vielen Regionen erst mit dem Übergang zum Hochofen möglich.
- Flussmittel: Manchmal wurden Zuschlagstoffe verwendet, um die Schlacke leichter vom Metall zu trennen.
Produkte und Weiterverarbeitung
Das direkte Produkt der Bloomery ist der Eisenschwamm (Bloom) — ein poröser Klumpen mit viel Schlacke. Um brauchbares Schmiedeeisen oder Stahl zu erhalten, muss der Bloom weiter verarbeitet werden:
- Ramm- oder Schmiedeverfahren: Der Bloom wird gehämmert (geshinkelt bzw. geschmiedet), um die Schlackenporen zu schließen und die Metallschichten zu verschweißen.
- Entschlackung: Durch wiederholtes Erhitzen und Schmieden wird Schlacke herausgeschlagen und das Material homogenisiert.
- Ergebnis: Meist entsteht Schmiedeeisen/Schmiedeeisen mit sehr geringem Kohlenstoffanteil; bei bestimmten Betriebsbedingungen können Bereiche mit höherem Kohlenstoff entstehen, die als Stahl nutzbar sind.
Historische Bedeutung und Verbreitung
Bloomeries gehören zu den frühesten Eisenverhüttungsanlagen und sind seit der Eisenzeit (in vielen Regionen ab ca. 1200 v. Chr.) belegt. Sie waren in Europa, Asien und Teilen Afrikas und Amerikas verbreitet. In Europa und anderen Regionen wurden sie bis zur breiten Einführung des Hochofens und der industriellen Verhüttung (frühe Neuzeit bis 18.–19. Jahrhundert) genutzt. Der Hochofen verdrängte die Bloomery, weil er höhere Temperaturen, größere Schmelzmengen und effizientere Schlacke/Metalltrennung erlaubte.
Archäologie und experimentelle Archäologie
Archäologische Funde von Rennöfen, Schlackenhalden und Resten von Tuyèren liefern wichtige Hinweise auf alte Metallurgie. Experimentelle Archäologie hat durch den Wiederaufbau von Bloomeries wertvolle Einsichten in Betriebsbedingungen, Ausbeuten und praktische Arbeitsabläufe geliefert. Solche Versuche zeigen, wie variabel die Ofenformen waren und wie stark lokale Rohstoffe und Technik die Qualität des Endprodukts beeinflussten.
Vor- und Nachteile gegenüber dem Hochofen
- Vorteile: Einfache Bauweise, nutzbar in kleinem Maßstab, geringe Anfangsinvestition, geeignet für lokale Produktion.
- Nachteile: Niedrigere Ausbeute pro Brennstoffmenge, begrenzte Schmelztemperatur (kein flüssiges Roheisen), arbeitsintensive Nachbearbeitung des Blooms, schlechter für Großproduktion.
Heute werden Bloomeries nicht mehr industriell eingesetzt, sie bleiben jedoch ein wichtiger Bestandteil des historischen Verständnisses der Eisenherstellung und werden in der experimentellen Archäologie sowie in der traditionellen Schmiedekunst gelegentlich rekonstruiert und betrieben.