Levon Ter-Petrosyan (Armenier: Լևոն Տեր-Պետրոսյան; Russe: Левон Тер-Петросян) (geboren am 9. Januar 1945), auch transliteriert Levon Ter-Petrossian, war von 1991 bis 1998 Präsident von Armenien. Aufgrund zahlreicher wirtschaftlicher und politischer Probleme, darunter anhaltende Instabilität nach der schweren Wirtschaftskrise und Spannungen im Zusammenhang mit dem Bergkarabach-Konflikt sowie umstrittene Wahlergebnisse, trat er am 3. Februar 1998 zurück. Er wurde durch Robert Kocharyan ersetzt.
Frühes Leben und Ausbildung
Ter-Petrosyan wurde in Aleppo, Syrien, als Sohn einer armenisch-syrischen Familie geboren, deren Angehörige Überlebende des Völkermords von 1915 waren. Die Familie emigrierte 1946 in die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik. Ter-Petrosyan absolvierte 1968 die Fakultät für Orientalistik der Staatlichen Universität Eriwan. Anschließend setzte er sein Studium als Postgraduierter an der Staatlichen Universität Leningrad fort und schloss dieses 1972 ab. Später erwarb er an derselben Universität 1987 seinen Doktortitel.
Wissenschaftliche Laufbahn
Nach seinem Studium arbeitete Ter-Petrosyan zunächst in der wissenschaftlichen Forschung. In den Jahren 1972–1978 war er als Nachwuchsforscher am nach Manouk Abeghian benannten Literaturinstitut Armeniens tätig. Von 1978 bis 1985 bekleidete er den Posten des Wissenschaftssekretärs in der Matenadaran, der berühmten Sammlung alter armenischer Handschriften, die nach dem Heiligen Mesrop Maschtot benannt ist. Seit 1985 war er als leitender Forscher in der Matenadaran tätig. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentrierte sich auf alte armenische Literatur und Philologie.
Politischer Aufstieg
Ende der 1980er Jahre engagierte sich Ter-Petrosyan politisch: Er war eine führende Persönlichkeit der Bewegung, die sich für die Vereinigung Bergkarabachs mit Armenien einsetzte, und gehörte zu den Gründungsfiguren der nationalen Unabhängigkeitsbewegung in Armenien. Als prominenter Vertreter des Übergangs von der Sowjetrepublik zur unabhängigen Republik Armenien spielte er eine zentrale Rolle beim Aufbau staatlicher Institutionen nach 1991.
Präsidentschaft (1991–1998)
Als erster Präsident des unabhängigen Armenien stand Ter-Petrosyan vor enormen Herausforderungen: die Transformation von Plan- zur Marktwirtschaft, Wiederaufbau nach dem Zerfall der Sowjetunion, eine schwere wirtschaftliche Krise, Energieengpässe sowie die Folgen des bewaffneten Konflikts um Bergkarabach. Seine Amtszeit war geprägt von wichtigen innenpolitischen und außenpolitischen Entscheidungen, aber auch von wachsender politischer Polarisierung. Die Präsidentschaftswahl von 1996 war international umstritten und führte zu großen Spannungen innerhalb des Landes. Angesichts innenpolitischer Proteste und wachsender Kritik gab Ter-Petrosyan Anfang Februar 1998 sein Amt auf.
Rücktritt, Nachwirkung und spätere politische Tätigkeit
Der Rücktritt 1998 markierte einen Wendepunkt in der armenischen Politik: Seine Nachfolge durch Robert Kocharyan leitete eine neue politische Phase ein. Trotz seines Rücktritts blieb Ter-Petrosyan in der politischen Landschaft präsent. Er kehrte später in die Politik zurück und erklärte erneut seine Kandidatur für das Präsidentenamt; er trat bei den Präsidentschaftswahlen 2008 an und blieb eine einflussreiche, wenngleich umstrittene Persönlichkeit der armenischen Opposition.
Bewertung und Vermächtnis
Levon Ter-Petrosyan wird sowohl für seine Rolle beim Staatwerden Armeniens nach dem Zerfall der Sowjetunion als auch für die schwierigen Entscheidungen während seiner Präsidentschaft erinnert. Befürworter heben seine Beiträge zum Aufbau staatlicher Strukturen und zur Hochschul- und Forschungspolitik hervor; Kritiker bemängeln wirtschaftliche Härten, Schwierigkeiten im Umgang mit inneren Spannungen und die umstrittene Wahlsituation Mitte der 1990er Jahre. Sein Wirken bleibt ein wichtiger Gegenstand der politischen Debatte in Armenien.
Privates
Ter-Petrosyan stammt aus einer armenisch-syrischen Familie und verbrachte seine Kindheit nach der Rückkehr der Familie nach Armenien. Er ist akademisch ausgebildet und hat als Forscher an bedeutenden armenischen Forschungseinrichtungen gearbeitet. Über sein Privatleben gibt es nur begrenzte öffentlich zugängliche Informationen, da sein öffentlicher Fokus lange Zeit auf Wissenschaft und Politik lag.