Hierbei handelt es sich um ein Punktesystem für die Formel-1-Weltmeisterschaft, das von der Fédération Internationale de l'Automobile (FIA) verwendet wird. Die FIA nutzt dieses System, um die FIA-Weltmeisterschaften der Fahrer und Konstrukteure seit der Saison 1950 zu entscheiden. Die Meisterschaften werden an den Fahrer bzw. Konstrukteur vergeben, der am Ende der Saison die meisten Punkte gesammelt hat. Bei Punktgleichheit entscheidet die höhere Anzahl an Siegen; ist auch diese gleich, werden die Plätze zwei, drei usw. herangezogen (sogenannte Countback-Regel).

Frühe Jahre (1950–1959)

In den ersten Formel-1-Saisons wurden Punkte nur an die besten Platzierungen vergeben. Von 1950 bis 1959 erhielten die schnellsten Piloten Punkte für die Platzierungen sowie zusätzlich ein Meisterschaftspunkt für die schnellste Runde. Dieses Extra für die schnellste Runde wurde nach 1959 wieder abgeschafft.

Das System mit „nur den besten Ergebnissen“

Über Jahrzehnte war es üblich, dass nicht alle Rennergebnisse in voller Länge in die Meisterschaftswertung eingingen. Stattdessen zählte nur eine bestimmte Anzahl der besten Ergebnisse jedes Fahrers; schlechtere Resultate wurden gestrichen. Diese Regel sollte Unzufriedenheit über Ausfälle oder technische Probleme abschwächen, führte aber zu teils überraschenden Gesamtergebnissen.

Ein berühmtes Beispiel ist die Saison 1988: Alain Prost und Ayrton Senna fuhren beide für McLaren und dominierten das Jahr. Es gab 16 Rennen, aber nur die besten 11 Ergebnisse zählten. Prost gewann sieben Rennen und wurde siebenmal Zweiter; er sammelte insgesamt 105 Punkte, für die Meisterschaftswertung zählten jedoch nur 87. Senna gewann acht Rennen und wurde dreimal Zweiter; er erreichte 94 Punkte in der Saisonwertung, von denen 90 in die Meisterschaft einflossen. Dadurch gewann Senna den WM-Titel, obwohl Prost in der Saisonwertung insgesamt mehr Punkte erzielt hatte.

Neuregelung: Alle Ergebnisse zählen (ab 1991)

Im Zuge der Modernisierung der Sportregeln wurde 1991 auf die Praxis verzichtet, nur eine Auswahl von Ergebnissen zu zählen. Ab diesem Zeitpunkt wurden üblicherweise alle erzielten Rennergebnisse in die Meisterschaftswertung übernommen. Damit wurden die Championate noch geradliniger: Konstanz über die gesamte Saison wurde wichtiger als einzelne Spitzenresultate.

Weitere Entwicklung bis 2010

Zwischen den frühen Jahren und 2010 wurde das Punkteschema mehrfach angepasst: die Zahl der punktberechtigten Platzierungen wurde schrittweise erhöht, um mehr Fahrer und Teams in die Punktewertung einzubeziehen, und die genaue Verteilung der Punkte für die einzelnen Plätze wurde mehrfach verändert. Solche Anpassungen sollten das Kräfteverhältnis in der Meisterschaft realistischer abbilden und Anreize für mehr Wettbewerb schaffen.

Das aktuelle System (seit 2010) und neuere Ergänzungen

Das derzeit verwendete Hauptpunktesystem gilt seit der Saison 2010 und verteilt Punkte auf die besten zehn Fahrer eines Rennens (25, 18, 15, 12, 10, 8, 6, 4, 2, 1). Dieses System wurde eingeführt, um die Punktverteilung großzügiger zu gestalten und mehr Teams und Fahrer an der Vergabe von WM-Punkten zu beteiligen.

Wichtige ergänzende Regelungen:

  • Bei vorzeitig abgebrochenen Rennen werden, abhängig vom zurückgelegten Rennanteil, halbe oder volle Punkte vergeben (volle Punkte, wenn ein bestimmter Mindestanteil der Distanz erreicht wurde).
  • Seit 2021 wurden Sprint-Formate experimentell eingeführt: 2021 erhielten die drei besten Sprintrennen-Fahrer Punkte (3–2–1), ab 2022 wurde das Sprint-Punkte-System erweitert und Punkte an die besten acht Fahrer in Sprint-Rennen vergeben (8–7–6–5–4–3–2–1). Diese Sprint-Punkte gehen ebenfalls in die Fahrer- und Konstrukteurswertung ein.

Besondere sportliche Leistungen in Bezug auf Punkte

Einige historische Zahlen zur Einordnung:

  • Der dominanteste Fahrer-Champion in Bezug auf die damals erreichbare Punkteausbeute war Jim Clark. Clark erzielte sowohl 1963 als auch 1965 das Maximum von 54 Punkten (sechs Siege in der jeweiligen Saison unter dem damals geltenden System).
  • In der neueren Ära zeigte Michael Schumacher außergewöhnliche Konstanz: In der Saison 2002 stand er bei jedem Rennen auf dem Podium. Schumacher erzielte 144 von maximal 170 möglichen Punkten nach dem damals gültigen System.
  • Als dominante Konstrukteursleistung gelten vor allem die McLaren-Saisons der späten 1980er Jahre; McLaren war 1988 überlegen und sammelte einen sehr großen Anteil der möglichen Punkte. Auch Ferrari war 2002 äußerst erfolgreich und erreichte eine sehr hohe Punkteausbeute.

Zusammenfassung

Das Punktesystem der Formel 1 hat sich seit 1950 mehrfach verändert: von einfachen Vergaben an die besten Plätze und einem Punkt für die schnellste Runde über die Praxis, nur bestimmte Ergebnisse zu zählen, bis hin zum modernen, breiter angelegten System seit 2010. Neben dem Hauptsystem kamen in den letzten Jahren Ergänzungen wie Sprint-Punkte hinzu. Ziel aller Anpassungen war es, den sportlichen Wettbewerb fair abzubilden, die Bedeutung von Konstanz zu würdigen und für mehr Spannung in der Meisterschaft zu sorgen.