Mengistu Haile Mariam ist ein äthiopischer Politiker. Er war ein wichtiger Offizier in der kommunistischen Militärjunta, die Äthiopien von 1974 bis 1987 regierte. Von 1987 bis 1991 war er Präsident der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien. Mengistu stieg in der Folgejahre nach dem Sturz des Kaisers Haile Selassie 1974 innerhalb der Militärjunta — allgemein als „Derg“ bezeichnet — zur dominierenden Figur auf und übernahm 1977 faktisch die Führung des Regimes. Unter seiner Führung wurden umfangreiche staatliche Maßnahmen wie die Verstaatlichung von Land und Industrien, die Einführung zentralisierter Planwirtschaft und die Gründung der kommunistischen Partei (Workers' Party of Ethiopia) vorangetrieben. Außenpolitisch suchte das Regime enge Beziehungen zur Sowjetunion und zu anderen Staaten des Ostblocks, die politische und militärische Unterstützung leisteten.

Aufstieg und Machtergreifung

Mengistu gehörte zu einer Gruppe junger Offiziere, die sich nach der Regierungskrise und dem Sturz des Kaisers 1974 formierten. Binnen weniger Jahre gelang es ihm, seine Rivalen in der Derg auszuschalten und die Kontrolle über die Streitkräfte und die Verwaltung zu zentralisieren. Ab Mitte der 1970er Jahre prägte er die Politik Äthiopiens zunehmend persönlich.

Politik und Regierung

Die Politik Mengistus war geprägt von marxistisch‑leninistischen Konzepten, umfangreicher Zentralisierung und autoritären Methoden. Die Regierung verfolgte Landreformen, die das traditionelle Feudalsystem auflösen sollten, sowie groß angelegte Programme zur Umsiedlung von Bevölkerungsteilen (sogenannte Villagisierung) und zur wirtschaftlichen Umstrukturierung. Trotz dieser Maßnahmen verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Landes in den 1980er Jahren; hinzu kamen Naturkatastrophen, vor allem die Hungersnot 1983–1985, die zu einer humanitären Krise von internationalem Ausmaß führte.

Menschenrechtsverletzungen und Bürgerkrieg

Mariam war ein Diktator. Unter seiner Herrschaft kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Die harte Niederschlagung politischer Opposition — besonders bekannt als die sogenannte „Rote Terror“-Kampagne Ende der 1970er Jahre — führte zu weitreichenden Repressionen, Massenverhaftungen, Folter und Hinrichtungen. Schätzungen über die Zahl der Toten während des Bürgerkriegs und der Repressionen variieren; Menschenrechtsorganisationen und Historiker geben Zahlen von etwa 500.000 bis weit über 2.000.000 Toten an, abhängig von den betrachteten Zeiträumen und Ereignissen. Außerdem war das Regime in anhaltende bewaffnete Konflikte mit mehreren Rebellengruppen verwickelt, insbesondere mit der später siegreichen Koalition der äthiopischen Volksbefreiungsfronten.

Im Jahr 2006 wurde Mengistu in Abwesenheit in Äthiopien wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt; eine Auslieferung aus dem Land, in dem er sich aufhielt, wurde nicht vollzogen.

Sturz, Exil und spätere Jahre

Im Mai 1991 verließ Mariam das Land in Richtung Simbabwe. Der äthiopische Bürgerkrieg endete, als er das Land verließ; die von der äthiopischen Volksbefreiungsfront (EPRDF) angeführte Koalition übernahm die Macht. In Zimbabwe erhielt Mengistu politisches Asyl und lebte dort im Exil; die Regierung Zimbabwes verweigerte wiederholt eine Auslieferung an Äthiopien.

Im Exil begann Mengistu, seine Sicht der Ereignisse in Memoiren niederzulegen. Im Jahr 2010 kündigte Mengistu die Veröffentlichung seiner Memoiren an. Anfang 2012 wurde ein Manuskript der Memoiren mit dem Titel Tiglachin ("Unser Kampf" auf Amharisch) im Internet durchgesickert. Wenige Monate später wurde der erste Band, der durchgesickert war, in den Vereinigten Staaten veröffentlicht, und 2016 folgte der zweite Band. Diesmal wurde er in Äthiopien veröffentlicht. Mengistu warf den Überresten des ERP vor, den ersten Band veröffentlicht zu haben, um dessen Veröffentlichung zu sabotieren.

Bewertung und Vermächtnis

Mengistus Herrschaft bleibt in der äthiopischen und internationalen Erinnerung stark umstritten und überwiegend negativ bewertet: Viele betrachten seine Zeit als Periode massiver Menschenrechtsverletzungen, politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Fehlentwicklungen, während einige Anhänger seine Maßnahmen als notwendig zur Modernisierung und zur Sicherung des Staates darstellen. Die Folgen seiner Regierungszeit — gesellschaftliche Spaltung, Vertreibungen, die lange Nachwirkung des Bürgerkriegs und die juristischen Aufarbeitungen — prägen Äthiopien bis in die Gegenwart.