Breakdance (auch Breakdance, B-Boying oder B-Girling genannt) ist ein dynamischer und akrobatischer Tanzstil aus der Hip-Hop-Kultur. Der Begriff B-Boy steht ursprünglich für einen Jungen, der in den Pausen (Breakbeats) der DJs tanzt. Breakdance entstand Anfang der 1970er Jahre hauptsächlich bei afro- und lateinamerikanischen Jugendlichen in der South Bronx in New York City und verbreitete sich in den 1970er- und 1980er-Jahren in vielen Großstädten der USA und später weltweit.
Geschichte und kultureller Hintergrund
Breakdance ist eng mit den drei anderen Säulen der Hip-Hop-Kultur verbunden: DJing, MCing (Rap) und Graffiti. DJs wie Kool Herc und Afrika Bambaataa trugen wesentlich dazu bei, Breakbeats zu isolieren und so die musikalische Grundlage für Breakdancer zu schaffen. Gruppen wie die Rock Steady Crew prägten die frühe Szene, formten Crews als soziale Netzwerke und trugen zur Verbreitung der Kunstform in Filmen, im Fernsehen und auf Straßenbühnen bei. Seit 2020/2021 hat Breaking außerdem Einzug in die Olympischen Spiele gehalten und wurde erstmals bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio als Wettkampfdisziplin ausgetragen, was seine Anerkennung als Sport formell stärkte.
Grundlegende Elemente und Moves
Breakdance kombiniert akrobatische Kraft, Rhythmusgefühl, Kreativität und Bühnenpräsenz. Man unterscheidet grob mehrere Kategorien:
- Toprock – stehende Eröffnungsbewegungen, Schrittfolgen und Rhythmusarbeit zur Musik.
- Downrock / Footwork – Bewegungen am Boden mit komplexer Beinarbeit und Körperbalance.
- Power Moves – athletische, drehende und oft kraftintensive Elemente wie die Windmühle, Airflares oder Flares (in manchen Regionen auch Tomas, Airtrax genannt).
- Freezes – statische Positionen, die abrupt einen Move beenden und Pose, Kontrolle sowie Körperbeherrschung zeigen (z. B. Stuhl, Airchair).
Viele Bewegungen wurden von Formen wie Gymnastik und Kampfkünsten wie Kung-Fu inspiriert oder direkt übernommen, wobei Breakdance eigene, improvisatorische Ausprägungen entwickelt hat.
Stile, Individualität und Rollen
Binnen der Szene gibt es zahlreiche Stile — vom eher akrobatischen, powerorientierten Stil bis zu kreativem, musikalischem Footwork. Wichtig sind Originalität, Musikalität und Stage-Presence. Frauen sind als B-Girls selbstverständlicher Teil der Szene; heute wird zunehmend auf geschlechtergerechte Sprache und Anerkennung geachtet. Crews und einzelne B-Boys/B-Girls entwickeln eigene Signaturen, Moves und Choreografien, die ihren Stil definieren.
Wettkämpfe und Szene
Breakdance lebt von Battles — direkten Duellen, in denen Tänzer*innen abwechselnd zu Musik performen und sich gegenüberstehen. Zu den bekanntesten internationalen Wettbewerben gehören:
- Battle of the Year (BOTY) – ein seit Jahrzehnten wichtiges Crew-Event mit Show- und Battle-Formaten. Das Team Fusion MC aus Südkorea gewann 2013 die Meisterschaft, während Floorriorz aus Japan damals den Preis für die beste Show erhielt.
- Red Bull BC One – eines der prominentesten Einzelszenen-Battles.
- Weitere Wettbewerbe: R16, UK Championships und regionale bzw. nationale Events, die lokale Szenen stärken.
Wettkampfformen variieren: 1 vs 1, Crew Battles (z. B. 3 vs 3), Showcase-Formate und Jam-Sessions. B-Boy-/B-Girl-Battles finden oft auf „random music“ statt — DJs wechseln Musikstile und Beats, sodass Tänzer*innen ihre Musikalität unter Beweis stellen müssen.
Bewertungskriterien
Bei Battles und Wettbewerben werden typischerweise bewertet:
- Technik und Ausführung (Sauberkeit der Moves)
- Schwierigkeit (Power, Balance, Risiko)
- Musikalität (wie gut Bewegungen mit der Musik verschmelzen)
- Originalität und Kreativität
- Showmanship, Ausdruck und Publikumskontakt
Training, Verletzungsprävention und Entwicklung
Breakdance erfordert Kondition, Beweglichkeit, Kraft und Körperkontrolle. Ein sinnvolles Training kombiniert:
- Aufwärmen und Mobilität (Schutz für Handgelenke, Schultern und Rücken)
- Krafttraining (Rumpf- und Schulterstabilität)
- Progression: von einfachen Footwork-Patterns zu komplexen Power Moves
- Techniktraining und Üben von Übergängen sowie Freezes
Verletzungen, besonders an Handgelenken, Schultern und Nacken, lassen sich durch richtige Technik, Kräftigung und langsame Steigerung minimieren. Viele Schulen und Crews legen heute großen Wert auf gesundes Training und individuelle Betreuung.
Einfluss und Gegenwart
Breakdance hat sich von einer Straßenkultur zu einer globalen Jugendbewegung entwickelt: in Tanzschulen, Wettkämpfen, sozialen Medien und im kommerziellen Bereich (Musikvideos, Shows, Theater). Die Aufnahme als olympische Disziplin hat das Interesse weiter gesteigert, wodurch mehr Ressourcen, Trainingsangebote und offizielle Strukturen entstanden sind. Trotz Professionalisierung bleibt die Betonung auf Kreativität, persönlichem Stil und der sozialen Dimension von Crews ein zentraler Wert der Szene.
Breakdance ist damit sowohl kultureller Ausdruck als auch sportliche Disziplin — eine lebendige Kunstform, die sich ständig weiterentwickelt und Menschen weltweit verbindet.


