Die Circinus-Galaxie (ESO 97-G13) ist eine nahegelegene, sehr helle Seyfert-Galaxie, die große Mengen elektromagnetischer Strahlung von Radio bis Röntgen aussendet. Sie zählt zu den nächstgelegenen aktiven Galaxien und wird häufig als Beispiel für eine stark verdeckte, aber trotzdem energiereiche AGN (Active Galactic Nucleus) genannt. In vielen Wellenlängenbereichen zeigt Circinus typische Merkmale eines Seyfert-II-Kerns: enge und breite Emissionslinien werden durch dichten, staubverdeckten Materiewall um den Kern abgeschirmt, und die Quelle ist im Röntgenbereich stark absorbiert (Compton-dicht).
Lage und Sichtbarkeit
Circinus befindet sich im gleichnamigen Sternbild, Circinus (Sternbild), nur etwa 4 Grad unterhalb der galaktischen Ebene. Mit einer Entfernung von rund 13 Millionen Lichtjahren (≈ 4 Megaparsec) gehört sie zu den nächstgelegenen Galaxien außerhalb der Milchstraße. Sie ist wahrscheinlich etwas weiter entfernt als Centaurus A. Aufgrund ihrer Lage nahe der galaktischen Ebene ist Circinus teilweise durch interstellaren Staub der Milchstraße verdeckt, weshalb sie erst spät erkannt wurde.
Struktur und Besonderheiten
Im Zentrum der Circinus-Galaxie befindet sich ein aktives galaktisches Zentrum mit starken Ionisationskegeln und einer ausgeprägten schmalen Linienregion. Beobachtungen zeigen mehrere konzentrische Ringe mit intensiver Sternentstehung: ein innerer Ring in einer Entfernung von etwa 130 Lichtjahren und ein äußerer Ring in etwa 700 Lichtjahren Entfernung vom Zentrum. Diese Ringe sind Regionen erhöhter Sternentstehung und staubiger Materie (circumnukleare Ringe), die in Infrarot- und Hα-Bildern gut sichtbar sind.
Die Galaxie ist außerdem eine starke Quelle von Wasser-Maser-Emissionen. Die Maserbeobachtungen haben erlaubt, die Rotationsbewegung der Materiescheibe sehr nahe am Kern zu verfolgen und damit die Masse des zentralen supermassiven schwarzen Lochs abzuschätzen (Messungen ergeben eine Masse im Bereich einiger 10^6 Sonnenmassen). Solche Messungen sind wichtig, um die Dynamik des Kerns und die Verbindung zwischen schwarzem Loch und umgebender Sternentstehung zu verstehen.
Strahlung und Forschung
Circinus strahlt intensiv in optischen, infraroten und Röntgenwellenlängen und ist damit ein Schlüsselobjekt zur Untersuchung von verdeckten aktiven Kernen. Durch die starke Absorption im Röntgenbereich (Compton-Dichte Absorption) und die ausgeprägten Infrarot-Emissionen lässt sich die Zusammensetzung und Verteilung von Staub und Gas sowie die Wirkung der AGN-Strahlung auf die Umgebung gut studieren. Die Kombination aus Ionisationskegeln, maser-vermittelter BH-Messung und circumnuklearen Sternbildungsringen macht Circinus zu einem wichtigen Labor für die Erforschung des Zusammenspiels von Aktivität im Galaxienzentrum und Sternentstehung.
Entdeckung und Beobachtung
Die Galaxie wurde erst 1977 entdeckt, was vor allem daran liegt, dass sie nahe an der Ebene der Milchstraße liegt und durch galaktischen Staub stark abgeschwächt wird. Für Amateure ist Circinus mit einem kleinen Teleskop sichtbar, insbesondere von südlichen Breiten aus; durch den Staub erscheint sie jedoch als schwaches, diffuses Objekt. Professionelle Studien nutzen heute Beobachtungen über das gesamte elektromagnetische Spektrum (Radio, Infrarot, optisch, Röntgen) sowie interferometrische und maser-basierte Methoden, um die inneren Strukturen detailliert zu untersuchen.
Zusammenfassung: Die Circinus-Galaxie ist eine der nächstgelegenen und zugleich gut untersuchten Seyfert-Galaxien. Ihre Nähe, die ausgeprägten circumnuklearen Ringe, die Wasser-Maser-Emissionen und der verdeckte, aber energetische aktive Kern machen sie zu einem wichtigen Objekt für das Verständnis von aktiven Galaxien und der Wechselwirkung zwischen zentralem schwarzen Loch und seiner galaktischen Umgebung.