Ein kontrollierter Geländeflug (CFIT, üblicherweise als cee-fit bezeichnet) ist ein Unfall, bei dem ein flugfähiges Flugzeug unter Kontrolle des Piloten unbeabsichtigt gegen den Boden, einen Berg, ein Gewässer oder ein Hindernis geflogen wird. In einem typischen CFIT‑Szenario bemerkt die Besatzung die gefährliche Lage oft erst, wenn es zu spät ist, noch rechtzeitig auszusteigen oder das Fluggerät zu retten. Der Begriff wurde von Ingenieuren bei Boeing in den späten 1970er Jahren geprägt.
Unfälle, bei denen das Flugzeug zum Zeitpunkt des Aufpralls aufgrund eines mechanischen Versagens oder eines Pilotenfehlers außer Kontrolle geraten ist, gelten nicht als CFIT (sie sind bekannt als unkontrollierter Flug ins Gelände). Ebenso werden Unfälle, die auf eine absichtliche Handlung der das Flugzeug steuernden Person zurückzuführen sind, wie z. B. Terrorakte oder Selbstmord des Piloten, nicht als CFIT eingestuft.
Ursachen und beitragende Faktoren
- Verlust der Situationswahrnehmung (Situational Awareness): Piloten unterschätzen Lage, Höhe oder Position gegenüber dem Gelände.
- Navigations- und Eingabefehler: falsche Höhe, fehlerhafte Voreinstellungen (z. B. Barometer), Verwechslung von Wegpunkten oder falsch interpretierte Instrumentenanzeigen.
- Sicht- und Wetterbedingungen: Nachtflüge, Wolken, Nebel oder Schneefall, die visuelle Referenzen verdecken.
- Fehler in Flugverfahren: Unzulängliche Briefings, Nichteinhalten von Anflugminima, unstabile Anflüge oder frühes Absetzen der Sinkrate.
- Menschliche Faktoren: Müdigkeit, Ablenkung, mangelnde CRM (Crew Resource Management), Überlastung oder Fehlkommunikation mit der Flugsicherung.
- Automationsprobleme: Missverständnisse über den Autopiloten‑ oder FMS‑Modus, falsche Automationsnutzung beim Sinkflug.
- Unzureichende Karten/Informationen: veraltete oder falsche Geländedaten, fehlende oder missverstandene NOTAMs.
Warnsysteme und technische Gegenmaßnahmen
- GPWS/EGPWS/TAWS: Bodennahwarnsysteme (Ground Proximity Warning System) und deren Weiterentwicklung (Enhanced GPWS bzw. Terrain Awareness and Warning System) geben akustische und visuelle Warnungen, wenn ein Kollisionsrisiko mit dem Gelände besteht. Moderne Systeme nutzen eine Geländedatenbank und Flugpfadinformationen zur frühzeitigen Warnung.
- Radar‑ und Funkhilfen: Radiohöhenmesser, Wetterradar und ATC‑Unterstützung können zusätzliche Informationen liefern.
- Avionik‑Verbesserungen: Darstellung des Geländes auf Multifunktionsdisplays, synthetische Sicht und genaue GNSS‑Positionierung reduzieren Risiken.
Operative Maßnahmen zur Prävention
- Standardverfahren und Briefings: klare SOPs für Anflüge, Missed‑Approach‑Prozeduren und verbindliche Anflugbriefings.
- Stabilisierter Anflug: Einhaltung von Stabilitätskriterien, sofortiges Durchstarten bei Abweichungen.
- CRM und Ausbildung: regelmäßiges Training, Simulatorübungen für CFIT‑Szenarien und konsequente Nutzung von Sterile‑Cockpit‑Phasen.
- Minimaleinsatz von Automation: bewusstes Management von Autopilot/FMS‑Modi und Überwachungsverfahren.
- Regulatorische Vorgaben: In vielen Staaten sind moderne Geländewarnsysteme für Transportflugzeuge verpflichtend; Airlines verfolgen zusätzliche Sicherheitsprogramme zur Risikominimierung.
Fakten und Bedeutung
Boeing zufolge ist CFIT eine der Hauptursachen für Flugzeugunfälle mit Todesfolge. Seit Beginn des Zeitalters der Verkehrsflugzeuge hat CFIT über 9.000 Todesopfer gefordert. CFIT wurde zwischen 1993 und 2002 als Ursache für 25 % der Unfälle der USAF‑Klasse A identifiziert. Trotz technischer Fortschritte bleibt CFIT besonders in anspruchsvollen Anflug‑ und Geländesituationen, bei Nacht oder bei schlechter Sicht ein relevantes Risiko — vor allem in der Allgemeinen Luftfahrt und bei bemannten Flügen in Gebirgsregionen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Kombination aus moderner Avionik (z. B. TAWS/EGPWS), strengen Betriebsverfahren, guter Ausbildung und konsequenter Crew‑Kommunikation hat die Zahl der CFIT‑Unfälle deutlich gesenkt. Vollständige Eliminierung erfordert jedoch weiterhin Aufmerksamkeit für Mensch‑Maschine‑Schnittstellen, Wetter‑und Geländeaufklärung sowie die Einhaltung bewährter flugbetrieblicher Praktiken.

