Cordelia ist der dem Uranus nächstgelegene Mond und wurde auf Bildern der Raumsonde Voyager 2 vom 20. Januar 1986 entdeckt. Zunächst erhielt er die vorläufige Bezeichnung S/1986 U 7 und wurde später offiziell nach einer Gestalt aus der Literatur benannt. Cordelia hat ihren Namen von der jüngsten Tochter Lears aus William Shakespeares King Lear. Sie wird auch als Uranus VI bezeichnet.
Entdeckung und Beobachtung
Die Entdeckung gelang durch Auswertung der Aufnahmen von Voyager 2. Aufgrund der geringen Helligkeit und der Nähe zum Planeten war Cordelia lange Zeit schwer zu beobachten; erst 1997 konnten Daten des Hubble-Weltraumteleskops die Bahn und Lage des Mondes bestätigen und weitere Beobachtungen ermöglichen. Seither ist Cordelia nur spärlich beobachtet worden, deshalb bleiben viele Details über seine Oberfläche und Zusammensetzung unsicher.
Bahndaten und dynamische Rolle
Cordelia kreist sehr nah an Uranus und benötigt weniger als einen Tag für einen Umlauf um den Planeten. Er steht innerhalb des Ringsystems von Uranus und erfüllt zusammen mit dem etwas weiter außen gelegenen Mond Ophelia eine wichtige dynamische Funktion als sogenannter Schäfermond: Cordelia begrenzt den inneren Rand des Epsilon-Rings von Uranus, wobei seine Gravitationswechselwirkungen helfen, die schmalen Ringe zu stabilisieren.
Physikalische Eigenschaften
- Größe: Cordelia ist ein kleiner, unregelmäßig geformter Mond mit einem Durchmesser von nur etwa 40 Kilometern (rund 25 mi) und einer ungefähren mittleren Radius von ~20 km.
- Form und Rotation: Wie viele kleine innere Monde ist Cordelia unregelmäßig geformt und rotiert wahrscheinlich synchron (gebundene Rotation), so dass stets dieselbe Seite dem Planeten zugewandt ist.
- Oberfläche und Zusammensetzung: Die Oberfläche ist sehr dunkel und stark verkratert; die Zusammensetzung wird als Mischung aus Wasser-Eis und dunklem, karbonhaltigem Material vermutet. Detaillierte Spektren fehlen jedoch, sodass genaue Aussagen bisher nicht möglich sind.
- Vergleich mit anderen Monden: Mit einem Durchmesser von nur etwa 40 km ist Cordelia deutlich größer als der kleinere Marsmond Deimos, bleibt aber ein sehr kleiner Körper verglichen mit vielen anderen großen Monden im Sonnensystem.
Bedeutung und Forschungsperspektiven
Als innerster bekannter Mond und als Schäfermond eines der auffälligsten Ringsysteme von Uranus ist Cordelia für das Verständnis der Wechselwirkung zwischen Monden und Ringsystemen von besonderem Interesse. Künftige Beobachtungen mit leistungsfähigen Teleskopen oder Raumsonden könnten Aufschluss über seine genaue Gestalt, Zusammensetzung und die Mechanik der Ring-Schäfer-Prozesse geben.