Della Rovere: Adelsfamilie aus Urbino, Päpste Sixtus IV. & Julius II
Della Rovere: Geschichte der einflussreichen Adelsfamilie aus Urbino — Päpste Sixtus IV. & Julius II., Machtpolitik, Sixtinische Kapelle und Renaissance-Erbe.
Die Familie Della Rovere (ausgesprochen [della ˈroːvere]; wörtlich "von der Eiche") war eine Adelsfamilie aus Urbino in Mittelitalien. Sie stammte ursprünglich aus Savona in Ligurien. Die Familie stieg durch Vetternwirtschaft und ehrgeizige Heiraten in den Adelsstand auf. Diese Ehen wurden von zwei Päpsten der Della Rovere arrangiert, Francesco della Rovere (Papst Sixtus IV., 1471-1484) und seinem Neffen Giuliano (Papst Julius II., 1503-1513). Papst Sixtus IV. ist dafür bekannt, dass er die nach ihm benannte Sixtinische Kapelle gebaut hat. Die Basilika San Pietro in Vincoli in Rom ist die Familienkirche der della Rovere. Vittoria della Rovere gehörte zur Familie und war eine der letzten Großherzoginnen der Toskana.
Herkunft und Name
Der Familienname bedeutet wörtlich "von der Eiche" und ist im Wappen und in verschiedenen Figuren der Familie als Eichenmotiv sichtbar. Ursprünglich stammt die Familie aus Savona in Ligurien, setzte sich aber in Urbino durch politische Verbindungen und Heiraten fest, so dass sie dort zu einer der einflussreichsten Dynastien der Renaissance aufstieg.
Aufstieg zur Macht: Nepotismus und Heiraten
Der Aufstieg der Della Rovere beruht vor allem auf gezielter Förderung durch zwei prominente Familienmitglieder, die das Papsttum erreichten. Beide Päpste nutzten ihr Amt, um Verwandte und Verbündete mit Ämtern, Ländereien und einträglichen Pfründen zu versorgen. Durch diese Form von Nepotismus (Vetternwirtschaft) und durch strategische Heiraten sicherte sich die Familie Besitz, Titel und Bündnisse, die ihre Stellung in der italienischen Politik stärkten.
Die Päpste Sixtus IV. und Julius II.
Sixtus IV. (Francesco della Rovere) förderte sowohl die Kirche als auch das kulturelle Leben Roms: Er ließ die Sixtinische Kapelle errichten und gründete die Bibliotheca Apostolica Vaticana, die heutige Vatikanische Bibliothek. Politisch war seine Amtszeit von Machtkonflikten geprägt; interne Ränkespiele und Bündnisse mit verschiedenen Adelsfamilien führten zu Spannungen, etwa im Machtkampf mit Florenz.
Julius II. (Giuliano della Rovere) gilt als "Kriegspapst": Er führte militärische Feldzüge zur Wiedererlangung und Sicherung der päpstlichen Territorien, stärkte die weltliche Macht der Päpste und schuf durch Bündnisse europäische Koalitionen gegen fremde Mächte. Zugleich war Julius II. ein bedeutender Kunstförderer: Unter seiner Schirmherrschaft wirkten Künstler wie Michelangelo und Raffael; Bramante erhielt den Auftrag für den Neubau von San Pietro. Berühmt ist insbesondere die Bestellung von Michelangelo zur Ausgestaltung der Decke der Sixtinischen Kapelle (Beginn 1508).
Das Herzogtum Urbino
Durch die Unterstützung von Julius II. gelang es einem Zweig der Della Rovere, die Herrschaft über das Herzogtum Urbino zu erlangen: Francesco Maria I. della Rovere wurde Herzog von Urbino und begründete damit eine ducalen Linie, die das Gebiet für mehrere Generationen regierte. Urbino entwickelte sich unter den Della Rovere zu einem Zentrum der Künste und der humanistischen Bildung.
Kunstförderung und kulturelles Erbe
Die Della Rovere zählen zu den wichtigsten Mäzenen der italienischen Renaissance. Unter ihrer Förderung entstanden bedeutende Bauwerke, Gemälde und Sammlungen. In der Sixtinischen Kapelle fanden mehrere Generationen von Künstlern Beschäftigung; darüber hinaus förderten Mitglieder der Familie Künstler, Baumeister und Gelehrte an ihren Höfen in Rom und Urbino. Das kulturelle Erbe der Familie – Gemälde, Teppiche, Handschriften und Kunsthandwerk – gelangte später teilweise in die Sammlungen der Medici und anderer florentinischer Institutionen.
Niedergang und Erbe
Im 17. Jahrhundert verlor die Familie allmählich ihre politische Bedeutung. Der letzte regierende Herzog von Urbino, Francesco Maria II, starb Anfang des 17. Jahrhunderts ohne einen männlichen Erben; sein Sohn starb jung, die Tochter Vittoria della Rovere (1622–1694) heiratete den Großherzog der Toskana, Ferdinando II. de’ Medici. Mit dem Tod des letzten Herzogs ging das Herzogtum Urbino an den Kirchenstaat über (Integration in die päpstlichen Territorien in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts). Viele Kunstwerke und Sammlungen der Della Rovere gelangten durch diese Heirat in die Medici-Bestände und sind heute in Museen wie den Uffizien zu sehen.
Bilanz
Die Della Rovere hinterließen ein zwiespältiges Erbe: politisch und militärisch prägten sie die Geschichte des Papsttums und Mittelitaliens im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert; kulturell trugen sie entscheidend zur Blüte der Renaissance bei. Ihre Wappen mit dem Eichenmotiv, die Bauwerke in Rom und Urbino sowie die Kunstsammlungen zeugen bis heute von ihrem Einfluss.
Herzöge von Urbino
- Francesco Maria I. della Rovere (1490-1538)
- Guidobaldo II della Rovere (1514-1574)
- Francesco Maria II della Rovere (1549-1631)
- Federico Ubaldo della Rovere (1605-1623)
Fragen und Antworten
F: Wer war die Familie Della Rovere?
A: Die Familie Della Rovere war eine Adelsfamilie aus Urbino in Mittelitalien, die ursprünglich aus Savona in Ligurien stammte.
F: Wie gelangte die Familie in den Adelsstand?
A: Die Familie Della Rovere stieg durch Vetternwirtschaft und ehrgeizige Ehen, die von zwei Päpsten der Della Rovere, Francesco della Rovere (Papst Sixtus IV) und seinem Neffen Giuliano (Papst Julius II), arrangiert wurden, in den Adel auf.
F: Wofür ist Papst Sixtus IV. bekannt?
A: Papst Sixtus IV. ist bekannt für den Bau der Sixtinischen Kapelle, die nach ihm benannt ist.
F: Was ist die Familienkirche der Familie Della Rovere?
A: Die Familienkirche der Familie Della Rovere ist die Basilika San Pietro in Vincoli in Rom.
F: Wer war Vittoria della Rovere?
A: Vittoria della Rovere war ein Mitglied der Familie Della Rovere und war eine der letzten Großherzoginnen der Toskana.
F: Wie lautet die Aussprache von Della Rovere?
A: Della Rovere wird wie [della ˈroːvere] ausgesprochen.
F: Woher stammte die Familie Della Rovere ursprünglich?
A: Die Familie Della Rovere stammte ursprünglich aus Savona, Ligurien.
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