Deseret-Alphabet: Das mormonische Schriftsystem des 19. Jahrhunderts
Deseret-Alphabet – das mormonische Schriftsystem des 19. Jh.: Entstehung, Einsatz bei Einwanderern und Brigham Youngs Ziel, Lesen und Schreiben zu vereinfachen.
Das Deseret-Alphabet (/dɛzəˈrɛt/ ( hören)) ist ein Schriftsystem, das im 19. Jahrhundert in Amerika von Mitgliedern der Mormonenkirche entwickelt wurde. Auftraggeber und Förderer waren führende Persönlichkeiten der Gemeinde um Brigham Young; formal erarbeitet wurde das System durch das sogenannte Board of Regents der damals neu gegründeten University of Deseret.
Das Ziel des Alphabets war es, die englische Orthographie durch eine phonetische Schrift zu ersetzen, in der jeder Buchstabe einem Laut entspricht. Brigham Young wünschte sich, dass alle Buchstaben eine möglichst einheitliche Klangzuordnung haben sollten, um besonders Einwanderern das Lesen und Schreiben zu erleichtern und die Alphabetisierung in den Siedlungen des Utah-Territoriums zu fördern.
Das Ergebnis war ein neu gezeichneter Zeichensatz mit ungefähr 38 Zeichen, der die verschiedenen Laute des englischen Sprachsystems abbilden sollte. Die Formen einiger Zeichen wurden durch existierende Ideen der Lautschrift und durch Kurzschriftstile beeinflusst; ein wichtiger Beitrag kam von Anhängern, die als Stenographen und Lehrer arbeiteten. Für das Alphabet wurden Lehrbücher, Tafeln und erste Schulunterlagen angefertigt, und Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten das System in einigen Schulen der Siedlungen.
Zwischen etwa 1854 und 1869 wurde das Deseret-Alphabet praktisch erprobt: es erschien in Unterrichtsmaterialien, gelegentlich in Zeitungsartikeln und -überschriften, auf einigen Straßenschildern und in wenigen Postsendungen. Die Zeitung Deseret News und Druckereien in Salt Lake City veröffentlichten Broschüren, Spracharbeiten und ein paar gedruckte Lehrwerke in der neuen Schrift. Trotz des Engagements der Kirchenführung setzte sich das Alphabet jedoch nicht dauerhaft durch.
Gründe für das Scheitern lassen sich zusammenfassen:
- Hohe Kosten und technische Hürden: Die Umstellung erforderte besondere Drucktypen und erhöhte Druckkosten, was in der dünn besiedelten und wirtschaftlich noch jungen Kolonie schwer zu tragen war.
- Begrenzte Akzeptanz: Viele Siedler bevorzugten die vertraute lateinische Schrift; außerdem war eine breite, langwierige Umstellung des gesamten Druck- und Bildungssystems nötig.
- Praktische Nachteile: Handelsbeziehungen, föderale Dokumente und Kontakte zu anderen US-Gebieten erforderten die gebräuchliche Orthographie; eine Regionalreform war schwer durchsetzbar.
- Prioritätsverschiebungen: Nach einigen Jahren änderten sich die finanziellen und pädagogischen Prioritäten, sodass die Förderung des Alphabets zurückging.
Heute hat das Deseret-Alphabet vor allem historischen und linguistischen Wert. Es ist Gegenstand von Forschungsarbeiten zur Schriftreform, zur Bildungs- und Kulturgeschichte der Mormonen sowie zu Fragen der Sprachstandardisierung. Moderne Schriftarten und digitale Fonts stellen die Zeichen zur Verfügung; der Zeichensatz ist außerdem in Unicode codiert (Block "Deseret"), sodass die Schrift im Internet darstellbar ist. Sammler, Schriftinteressierte und Hobbyforscher rekonstruieren gelegentlich Texte und Lehrwerke in der Schriftform.
Der Name "Deseret" selbst stammt aus dem Buch Mormon und bedeutet dort in etwa "Biene" oder "Honigbiene" – ein Motiv, das in frühen Symbolen und Namen der Siedlungsideale aufgegriffen wurde.
Insgesamt bleibt das Deseret-Alphabet ein bemerkenswertes Beispiel für eine regional-politisch initiierte Schriftreform des 19. Jahrhunderts: ambitioniert in Zielsetzung und Ausführung, aber letztlich durch technische, ökonomische und gesamtgesellschaftliche Faktoren begrenzt.
Geschichte
Schöpfung (1847-1854)
Die Kirchenoberhäupter Brigham Young, Parley P. Pratt und Heber C. Kimball gehörten dem Board of Regents an, das das Deseret-Alphabet geschaffen hat. Andere wichtige Schöpfer waren George D. Watt und William W. Phelps.
Bevor sie sich für das Deseret-Alphabet entschieden, dachte das Board of Regents, sie würden Alphabete im Pitman-Stil verwenden. Am 29. November 1853 kamen sie zur Abstimmung zusammen. Dann sah Willard Richards, der krank war, als der Board of Regents darüber gesprochen hatte, welches Alphabet verwendet werden sollte, das Pitman-Alphabet. Er sagte, dass es dem englischen Alphabet zu sehr ähnelte und er wollte mit etwas Neuem beginnen. Seine Worte überzeugten Brigham Young und den Rest des Board of Regents, das Deseret-Alphabet herzustellen. Weniger als zwei Monate später genehmigte das Board of Regents das erste Deseret-Alphabet mit 38 Buchstaben.
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Frühe Deseret-Alphabettafel, gefunden in Jules Remys und Julius Brenchleys Eine Reise nach Great-Salt-Lake City (1855)

Ein 1860 $5-Goldstück mit der Aufschrift "Heiligkeit zum Herrn" ( "𐐐𐐄𐐢𐐆𐐤𐐝 𐐓𐐅 𐐜 𐐜 𐐢𐐃𐐡𐐔") im Deseret-Alphabet

Das Deseret-Alphabet basierte auf dem englischen Phonotypischen Alphabet von Isaac Pitman, und tatsächlich wählte das Board of Regents fast das Alphabet von Pitman als neues Alphabet.
Alphabet
Im Deseret-Alphabet sehen die Großbuchstaben ("Majuskel" oder Großbuchstaben) genauso aus wie die Kleinbuchstaben ("Minuskel"), nur dass die Großbuchstaben größer sind. In der untenstehenden Tabelle ist die "Glyphe" die Buchstabenform, und daneben steht der Name des Buchstabens, so wie er klingt.
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