Der Mormonismus ist eine christliche restaurationistische religiöse Bewegung, die von Joseph Smith gegründet wurde. Viele Jahre lang wurden die Mitglieder der Kirche von denjenigen, die keine Mitglieder waren, als "Mormonen" bezeichnet. Der Name "Mormonen" ist für sie einfach kein Name mehr. Sie werden jetzt als "Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" bezeichnet. Ihre religiöse Bewegung heißt "Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage". Ihre Lehren ähneln denen vieler christlicher Kirchen, und sie betrachten sich selbst als christlich, auch wenn einige Nichtmitglieder sie nicht für christlich halten. Eine Umfrage aus dem Jahr 2007 ergab, dass 31% der Befragten nicht damit einverstanden sind, dass Mormonen Christen sind. Mormonen haben Überzeugungen, die sich von den Überzeugungen der etablierten christlichen Kirchen unterscheiden. Die mormonische Kirche betrachtet sich selbst als Restaurationskirche. Das bedeutet, dass die Mitglieder der Kirche glauben, dass es sich um die ursprüngliche christliche Kirche handelt, die von Jesus Christus gegründet und 1830 von Joseph Smith Jr. zurückgebracht ("wiederhergestellt") wurde. Mormonismus und Bahaismus werden manchmal als die "vierte abrahamitische Religion" bezeichnet.

Heute gibt es etwa 70 Gruppen, die sich selbst als "Mormonen" bezeichnen, wobei die größte und bekannteste von ihnen die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist. Sie glauben an die Taufe, bei der die Person vollständig unter Wasser getauft wird (Taufe durch Untertauchen), wie es in den Glaubensartikeln erklärt wird, die in einem Brief von Joseph Smith durch Offenbarung vom Vater im Himmel geschrieben wurden.

Ursprung und frühe Geschichte

Die Bewegung begann Anfang des 19. Jahrhunderts im Bundesstaat New York. Joseph Smith berichtete, er habe 1820 eine Vision gehabt, in der ihm Gott der Vater und Jesus Christus erschienen seien. Später sagte Smith, ein Engel namens Moroni habe ihm gezeigt, wo eingravierte "Goldplatten" vergraben lagen; diese Platten habe er ins Englische übersetzt und 1830 als Book of Mormon veröffentlicht. In jenem Jahr wurde offiziell die Kirche gegründet.

In den folgenden Jahren wuchs die junge Kirche, wurde aber auch heftig verfolgt. Die Mitglieder zogen zunächst nach Ohio, dann nach Missouri und später nach Illinois. Nach dem Tod Joseph Smiths 1844 führte Brigham Young die Mehrheit der Mitglieder nach dem Westen und gründete schließlich das Zentrum der Kirche in Salt Lake City (Utah).

Zentrale Glaubensinhalte

  • Schriften: Neben der Bibel sind das Book of Mormon, die Lehre und Bündnisse (Doctrine and Covenants) und die Perle von großem Preis (Pearl of Great Price) wichtige heilige Texte.
  • Gott und Jesus: Die Kirche lehrt einen dreiteiligen Gott – Gott der Vater, Jesus Christus und der Heilige Geist – die als getrennte, persönliche Wesen verstanden werden (Unterschied zum traditionellen trinitarischen Verständnis vieler anderer Kirchen).
  • Offenbarung und Prophetie: Gleichwertig zur Bibel gilt die fortdauernde Offenbarung durch einen lebenden Propheten und die Führung durch Apostel.
  • Plan der Erlösung: Lehre von Präexistenz der Seelen, Leben auf Erden als Prüfung, Auferstehung und Möglichkeit der Exaltation (höchste Stufe des Heils, oft als "Gottähnlichkeit" in der Zukunft beschrieben).
  • Ordinanzen: Taufe durch Untertauchen, Konfirmation (Auflegen der Hände), regelmäßiges Abendmahl, Tempelrituale wie Endowment, Siegelungen (Ehe für die Ewigkeit) sowie stellvertretende Taufen für Verstorbene.
  • Alltagsgebote: Das Gesundheitsgebot "Wort der Weisheit" fordert den Verzicht auf Alkohol, Tabak, Kaffee und Tee; außerdem wird Zehnte (10% Einkommen) als Wohltätigkeit und Gemeindefinanzierung praktiziert.

Organisation und Praxis

Die Kirche ist hierarchisch organisiert. Auf Leitungsebene stehen die Erste Präsidentschaft (Präsident/Prophet und zwei Ratgeber) und das Quorum der Zwölf Apostel. Darunter gibt es weitere Verantwortliche für Regionen (Stakes), Gemeinden (Wards) und verschiedene Hilfsorganisationen, wie die Relief Society für Frauen.

Wichtig sind außerdem:

  • gemeinsame Gottesdienste (Sonntagsschule, Priestertumsversammlung, Abendmahl in Gemeindehäusern),
  • Temples, die für bestimmte sakrale Handlungen reserviert sind und nicht für allgemeine Gottesdienste genutzt werden,
  • ein umfangreiches Missionsprogramm: viele junge Mitglieder (männlich wie weiblich) leisten freiwillig zwei Jahre bzw. anderthalb Jahre Mission,
  • Fokus auf Familie und Ahnenforschung: Genealogische Arbeit (FamilySearch) und Ehen, die "für Zeit und alle Ewigkeit" geschlossen werden.

Historische Kontroversen und Änderungen

  • Vielehe (Polygamie): Im 19. Jahrhundert praktizierten einige Mitglieder, darunter führende Persönlichkeiten, Polygamie. Die Hauptkirche gab 1890 und später weitere Erklärungen heraus, die das öffentliche Praktizieren von Polygamie beendeten; einige fundamentalistische Gruppen trennten sich und praktizieren weiterhin Vielweiberei.
  • Priestertumsbeschränkung: Bis 1978 durften Männer afrikanischer Abstammung in der Hauptkirche nicht zum Priestertum ordiniert werden. Diese Praxis wurde 1978 durch eine allgemeine Offenbarung aufgehoben.
  • Anerkennung als christliche Kirche: Wegen theologischer Unterschiede (z. B. zusätzliche Schriften, Gottesverständnis, Lehre von Exaltation) sehen einige christliche Gemeinschaften die Heiligen der Letzten Tage nicht als Teil des traditionellen Christentums; Mitglieder selbst bezeichnen sich jedoch klar als Christen.

Kultur, Wohlfahrt und öffentliche Arbeit

Die Kirche legt großen Wert auf gegenseitige Hilfe: ein organisiertes Wohlfahrtsprogramm unterstützt bedürftige Mitglieder und Nichtmitglieder durch Lebensmittelversorgung, Arbeitsförderung und Katastrophenhilfe. Außerdem engagiert sich die Kirche in internationalen Hilfsprojekten, Bildungsprojekten und betreibt u. a. die Brigham Young University als eine ihrer Bildungsinstitutionen.

Gegenwart und Verbreitung

Die größte Organisation innerhalb des Mormonismus ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die weltweit Millionen von Mitgliedern hat und in vielen Ländern aktiv ist. Die Kirche ist besonders stark in Nord- und Südamerika, im Pazifikraum sowie in Teilen Afrikas und Asiens vertreten. Neben der Hauptkirche existieren zahlreiche kleinere, unabhängige Gruppen und fundamentalistische Gemeinschaften.

Begriff und Namensgebrauch

Die Bezeichnung "Mormonen" ist historisch gebräuchlich, wird von vielen aber heute weniger bevorzugt. Offiziell wird von den Mitgliedern und der Leitung Wert darauf gelegt, den vollen Namen Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu verwenden oder kurz "Heilige der Letzten Tage" bzw. "Mitglieder der Kirche Jesu Christi".

Zusammenfassend: Der Mormonismus ist eine eigenständige religiöse Bewegung mit Wurzeln im frühen 19. Jahrhundert. Er verbindet traditionelle christliche Elemente mit eigenen Schriften, einer Betonung fortdauernder Offenbarung und spezifischen Ritualen und Organisationsformen. Wie jede größere Religion ist er vielfältig, historisch gewachsen und Gegenstand interner Reformen sowie externer Debatten.