Abbasiden-Kalifat: Aufstieg, Blütezeit in Bagdad und Niedergang (750–1258)
Abbasiden-Kalifat (750–1258): Aufstieg, kulturelle Blüte in Bagdad, Machtpolitik und Niedergang bis zur Plünderung 1258 — kompakter, fundierter Überblick.
Das Abbasidenkalifat war das dritte der vier großen muslimischen Kalifate des arabischen Reiches. Es stürzte die umayyadischen Kalifen von der Macht auf dem Kernland des Reiches (die Umayyaden behielten jedoch die Herrschaft über Al-Andalus). Gegründet wurde die Dynastie von Nachkommen des Propheten: sie leitete ihre Legitimität von Abbas ibn Abd al‑Muttalib, einem Bruder des Großvaters Mohammeds, ab und beanspruchte damit Nähe zu Mohammeds Familie. Das Abbasiden‑Kalifat entstand 750 n. Chr. nach der erfolgreichen Revolte gegen die Umayyaden; der Aufstand hatte wichtige Stützpunkte in der Provinz Chorasan und begann unter anderem in und um Harran. 762 verlegte die Dynastie ihre Hauptstadt von Harran nach Bagdad, das sich in den folgenden zwei Jahrhunderten zu einem der wichtigsten politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentren der islamischen Welt entwickelte.
Aufstieg und Verwaltung
Die frühen Abbasiden reformierten die Verwaltung und übernahmen viele Elemente der vorher bestehenden persischen Bürokratie (Diwan‑System), wodurch ein effizientes Staatswesen entstand. Die politische Macht lag anfangs stark beim Kalifen, doch sehr schnell entstanden regional autonome Herrschaften und Militärführungen (z. B. Tuluniden, Saffariden, Samaniden), die dem Kalifen Tribut zollten, ohne immer direkt gesteuert zu werden. Innere Unruhen, Aufstände der Kharijiten, Aliden und verschiedene regionale Bewegungen sowie die Intensität von Machtkämpfen innerhalb des Hofes prägten die politische Landschaft.
Blütezeit in Bagdad: Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft
Bagdad wurde zum Mittelpunkt der sogenannten islamischen „Goldenen Zeit“. Der Kalifenhof, besonders unter Herrschern wie Al‑Mansur, Harun ar‑Raschid und al‑Ma'mun, förderte Wissenschaft, Philosophie, Medizin, Astronomie und Mathematik. Bedeutende Institutionen wie das Bayt al‑Hikma (Haus der Weisheit) unterstützten Übersetzungen griechischer, persischer und indischer Werke ins Arabische und schufen damit die Grundlage für starke wissenschaftliche Fortschritte. Händler, Handwerker und Gelehrte profitierten von ausgedehnten Handelsnetzen zwischen dem Mittelmeer, Indien und China, wodurch sich städtische Zentren und ein blühender Binnenhandel entwickelten.
Rivalen und konkurrierende Kalifate
Schon während der Hochphase der Abbasiden traten konkurrierende Kalifatsansprüche auf. So proklamierte 909 der schiitische Führer Shiˤa Ubayd Allah al‑Mahdi Billah die Fatimiden‑Dynastie und beanspruchte für sich den Kalifentitel. Die Fatimiden führten eine eigene ismailitische Linie von Kalifen ein und errichteten zunächst eine Basis in Nordafrika: ihre Herrschaft erstreckte sich über Teile von Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen. Später eroberten die Fatimiden Ägypten und gründeten dort die Stadt Fustat/Kairo, wodurch sie Kontrolle über große Teile des östlichen Mittelmeerraums gewannen. Die Fatimiden blieben als Gegengewicht zu den Abbasiden jahrhundertelang ein bedeutender Akteur, bis ihre Macht 1171 durch die Machtübernahme durch den sunnitischen Militärführer Salah ad‑Din (Saladin) und die Ayyubiden in Ägypten gebrochen wurde.
Die Umayyaden in Spanien konnten nach dem Sturz ihres Hauptzweiges in Syrien bestehen und proklamierten 929 unter Al‑Andalus den Kalifentitel erneut (Abd ar‑Rahman III.). Das Kalifat von Córdoba wurde zu einer eigenständigen kulturellen und wirtschaftlichen Macht und bestand bis zu seiner Zersplitterung und dem offiziellen Ende 1031.
Niedergang und Ende in Bagdad
Ab dem 10. Jahrhundert verlor der Kalif zunehmend die reale Macht. 945 setzten die schiitischen Buyiden die Abbasiden als Marionettenherrscher in Bagdad ein; später spielten die sunnitischen Seltschuken eine ähnliche Rolle, indem sie die militärische Macht stellten, während der Kalif vor allem religiöse Autorität ausübte. Die politische Zersplitterung, anhaltende Militärherrschaften und ökonomische Probleme schwächten das Kalifat über Jahrhunderte.
Der formale Bruch kam 1258, als Hulagu Khan, der mongolische Feldherr, Bagdad plünderte und den letzten großen Abbasiden‑Khalifen in der Stadt tötete. Die Zerstörung von Bagdad markierte das Ende der Abbasiden als wirkliche politische Macht in Mesopotamien. Dennoch wurde 1261 in Ägypten durch die Mamluken ein Abbasidischer Prinz als Kalif in Kairo eingesetzt, um den Mamlukensultanen religiöse Legitimation zu verleihen; diese Linie hatte fortan vorwiegend symbolische und religiöse Bedeutung, bis sie 1517 mit der Eroberung Ägyptens durch die Osmanen endete. Die Abbasiden beanspruchten also nach 1258 noch weiterhin eine religiöse Autorität von ihrer Basis in Ägypten aus, jedoch ohne die frühere politische Unabhängigkeit und territoriale Macht.
Zusammenfassung
Das Abbasidenkalifat prägte die islamische Welt über mehrere Jahrhunderte durch eine Blüte von Wissenschaft, Kultur und städtischer Zivilisation, besonders in Bagdad. Gleichzeitig waren die Jahrhunderte des Kalifats von politischer Zersplitterung, dem Aufstieg regionaler Dynastien und dem Ringen mit rivalisierenden Kalifaten wie den Fatimiden und den Umayyaden in Al‑Andalus gekennzeichnet. Das Ende der Abbasidenherrschaft in Bagdad 1258 durch die Mongolen bedeutete das Ende ihrer realen politischen Macht; die Dynastie blieb jedoch in veränderter, meist symbolischer Form in Ägypten noch Jahrhunderte sichtbar.
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- Islamisches Goldenes Zeitalter
Fragen und Antworten
F: Welches war das dritte der vier größten islamischen Kalifate?
A: Das dritte der vier größten islamischen Kalifate war das Kalifat der Abbasiden.
F: Wer gründete das abbasidische Kalifat?
A: Das abbasidische Kalifat wurde von einem Nachkommen von Mohammeds jüngstem Onkel, Abbas ibn Abd al-Muttalib, gegründet.
F: Wann verlegte es seine Hauptstadt von Harran nach Bagdad?
A: Das abbasidische Kalifat verlegte seine Hauptstadt im Jahr 762 n. Chr. von Harran nach Bagdad.
F: Wie lange hat es überlebt?
A: Das abbasidische Kalifat überlebte zwei Jahrhunderte und überstand den Aufstand der Zanj (869-883).
F: Wer stürzte es im Jahr 1258?
A: 1258 stürzte der mongolische Eroberer Hulagu Khan Bagdad und plünderte es und beendete damit die Herrschaft der Abbasiden.
F: Wer beanspruchte nach dem Sturz der Abbasiden die Autorität in religiösen Angelegenheiten?
A: Nach ihrem Sturz im Jahr 1258 beanspruchten die Abassiden von ihrem Sitz in Ägypten aus weiterhin die Autorität in religiösen Angelegenheiten.
F: Welche Dynastie stellte den Anspruch der Abassiden auf das Kalifat in Frage und wann endete sie?
A: Die Schiˤa Ubayd Allah al-Mahdi Billah der Fatimiden-Dynastie forderte die Ansprüche der Abassiden auf das Kalifat heraus, und diese Dynastie endete schließlich im Jahr 1171.
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