Harran (Carrhae) – Antike Stadt in Şanlıurfa: Geschichte & Archäologie
Harran (Carrhae) in Şanlıurfa: Antike Metropole mit Abraham‑Legende, Mondgott-Tempeln, römischen Ruinen und berühmter Schlacht – spannendes Ziel für Geschichte & Archäologie.
Harran, auch bekannt als Carrhae, ist ein Bezirk der Provinz Şanlıurfa im Südosten der Türkei. Die Siedlung liegt auf einer markanten Erhebung (Höyük) in der fruchtbaren Ebene Obermesopotamiens und war seit der Bronzezeit ein bedeutender Knotenpunkt für Handel, Kultur und Religion.
Historische Bedeutung
Harran gehört zu den ältesten kontinuierlich belegten Orten der Region. Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt an Handelsrouten zwischen Mesopotamien, Syrien und Anatolien entwickelte sich die Stadt zu einem politischen und religiösen Zentrum. Sie wird in antiken Quellen häufig genannt und gilt in jüdisch‑christlicher und islamischer Tradition oft als der Ort, an dem Abraham vor seinem Aufbruch nach Kanaan lebte.
Im religiösen Leben der Stadt spielte der Mondkult eine überragende Rolle: Harran war eines der Hauptheiligtümer des mesopotamischen Mondgottes Sin, ein Status, den die Stadt bereits unter den Babyloniern besaß und der bis in die römische Kaiserzeit fortbestand. Im Mittelalter war Harran außerdem bekannt für seine ungewöhnliche Fortexistenz vorislamischer Glaubensformen, etwa bei den sogenannten Sabäern (auch „Sabier von Harran“ genannt), die sich insbesondere mit Astronomie und Philosophie beschäftigten.
Carrhae und die Schlacht (53 v. Chr.)
Der lateinische Name Carrhae steht synonym für eine der bedeutendsten militärischen Auseinandersetzungen der späten Römischen Republik: die Schlacht von Carrhae (53 v. Chr.). In dieser Schlacht unterlag das Heer des römischen Feldherrn Marcus Licinius Crassus den Truppen des Partherreichs unter dem Feldherrn Surena; die Niederlage und der Tod Crassus’ hatten erhebliche politische Folgen für Rom und markierten einen Wendepunkt in den römisch‑parthischen Beziehungen.
Mittelalter und Wissenschaft
Unter islamischer Herrschaft blieb Harran ein Zentrum des Lernens. Aus der Stadt stammen bedeutende Gelehrte wie Thābit ibn Qurra, die als Übersetzer und Mathematiker einen Beitrag zur Überlieferung griechischer Wissenschaft ins Arabische leisteten. Die Stadt war für ihre Schulen und astrologischen/astronomischen Kenntnisse bekannt und galt lange als ein Ort, an dem antikes philosophisches Erbe weiterlebt.
Archäologie, Gebäude und Siedlungsbild
Die heute sichtbaren Ruinen von Harran stammen aus unterschiedlichen Epochen: assyrische und babylonische Schichten, hellenistisch‑römische Bebauung, sabäische Spuren und ausgeprägte islamische Siedlungsschichten. Typische Funde und Strukturen sind Stadtmauern, Hausgrundrisse, Tempelreste und Reste öffentlicher Gebäude.
Bekannt ist auch das traditionelle einheimische Wohnbauten‑Bild mit den charakteristischen konischen Lehmziegeldächern (oft als „Bienenstockhäuser“ bezeichnet), das sich bis in die Gegenwart in der modernen Ortschaft Harran erhalten hat. Diese Bauweise eignet sich gut für das trockene Klima und ist ein markantes Merkmal der lokalen Architektur.
Ausgrabungen und Forschung
- Der britische Offizier und Archäologiefreund T. E. Lawrence (Lawrence von Arabien) befasste sich mit den Ruinen und beschrieb das Gelände in seinen Schriften.
- Ab 1951 begann eine anglo-türkische Ausgrabung, die den Beginn systematischer archäologischer Forschungen an der Stelle markierte. Seitdem haben türkische und internationale Teams weitergehende Untersuchungen, Sondagen und Restaurierungsarbeiten durchgeführt.
- Die Stadt ist in großen Teilen noch nicht vollständig ausgegraben; Stratigraphie und Fundmaterial liefern jedoch wertvolle Einblicke in die lange Besiedlungsgeschichte Obermesopotamiens.
Kultur, Erhalt und heutiger Zustand
Harran ist sowohl archäologische Stätte als auch lebendiges Dorf: Die heutige Siedlung ist ein Anziehungspunkt für Touristen, die die charakteristischen Lehmhäuser und die antiken Ruinen sehen wollen. Die Erhaltung der Stätte stellt eine Herausforderung dar – Faktoren wie Erosion, landwirtschaftliche Nutzung, moderne Bebauung und mangelnde Finanzmittel für Denkmalschutz wirken sich aus.
Die Bedeutung Harrans liegt nicht nur in einzelnen Funden, sondern in der langen kulturellen Kontinuität, in der religiösen Geschichte des Mondkults, in den Zeugnissen antiker Auseinandersetzungen wie der Schlacht von Carrhae sowie in der mittelalterlichen Überlieferung von Wissenschaft und Philosophie.
Wichtige Stichworte
- Lage: Höyük in der Ebene Obermesopotamiens, Bezirk Şanlıurfa
- Religionszentrum: Heiligtum des Mondgottes Sin
- Historisch: Ort der Schlacht von Carrhae (53 v. Chr.) zwischen der Römischen Republik und dem Partherreich
- Archäologie: Schichten aus römischer, sabischer und islamischer Zeit; Ausgrabungen seit 1951 (anglo‑türkisches Team)
- Kulturelles Erbe: traditionelle Lehm‑„Bienenstockhäuser“, mittelalterliche Gelehrtentradition (z. B. Thābit ibn Qurra)
Harran bleibt ein Schlüsselort für das Verständnis der Geschichte Nordmesopotamiens: seine religiösen Traditionen, seine Rolle in geopolitischen Konflikten der Antike und seine lange Kontinuität als urbanes und intellektuelles Zentrum.

Traditionelle Lehmziegel-"Bienenstock"-Häuser im Dorf Harran in der Türkei.
Fragen und Antworten
F: Wo befindet sich Harran?
A: Harran liegt im Südosten der Türkei, im Bezirk der Provinz Şanlıurfa.
F: Was war Harran in der Vergangenheit?
A: Harran war ein wichtiges mesopotamisches Handels-, Kultur- und Religionszentrum und ist eine wertvolle archäologische Stätte.
F: Wer soll in Harran gelebt haben?
A: Abraham soll oft in Harran gelebt haben, bevor er Kanaan erreichte.
F: Wer war der mesopotamische Mondgott Sin und wo war sein Hauptwohnsitz?
A: Der mesopotamische Mondgott Sin war eine Gottheit unter den Babyloniern und sogar bis in die römische Zeit hinein, und Harran war sein Hauptwohnsitz.
F: Was ist Carrhae und warum ist es berühmt?
A: Carrhae ist eine antike Stadt an der Stelle, die heute nicht mehr existiert. Sie ist berühmt, weil sie der Schlacht von Carrhae (53 v. Chr.), die zwischen der Römischen Republik und dem Partherreich ausgetragen wurde, ihren Namen gab.
F: Woher stammen die Ruinen von Harran?
A: Die Ruinen von Harran stammen aus der römischen, sabischen und islamischen Zeit.
F: Wer hat die Stätte von Harran untersucht und wann wurde mit einer anglo-türkischen Ausgrabung begonnen?
A: T. E. Lawrence untersuchte die Stätte von Harran und 1951 wurde mit einer anglo-türkischen Ausgrabung begonnen.
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