Die American Expeditionary Forces (AEF) waren die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die 1917 unter dem Kommando von General John J. Pershing nach Europa entsandt wurden, um im Ersten Weltkrieg mitzukämpfen. Die ersten amerikanischen Einheiten trafen bereits im Sommer 1917 in Frankreich ein; den eigentlichen Kampfwert erreichte die AEF jedoch erst 1918 nach umfangreicher Ausbildung, Ausrüstung und Aufbau logistischer Strukturen. Die AEF kämpfte gegen das Deutsche Kaiserreich und unterstützte zunächst französische und britische Verbände. Im September 1918 begann die AEF unter eigener Führung ihre erste größere Offensive und spielte in den letzten Kriegsmonaten eine entscheidende Rolle bei den alliierten Gegenoffensiven.

Organisation und Führung

Unter dem Oberbefehl von John J. Pershing wurde die AEF als unabhängige amerikanische Streitmacht aufgebaut. Pershing bestand darauf, amerikanische Divisionen nicht in größerem Umfang in fremde Verbände einzugliedern, sondern als eigenständige Kräfte zu führen, um politische und militärische Anerkennung für die USA zu sichern. Die AEF umfasste Infanterie-, Artillerie-, Panzer-, Luftfahrt- und Versorgungseinheiten sowie die amerikanische Marine, die den transatlantischen Schutz der Truppentransporte organisierte.

Einsatz, Ausbildung und Logistik

Die rasche Verlegung großer Truppenverbände erforderte den Ausbau von See-, Bahn- und Straßenlogistik in Frankreich. Die US-Marine führte im Atlantik ein convoy-System ein, das die Verluste durch deutsche U-Boote deutlich verringerte. In Frankreich entstanden Ausbildungslager, Truppentrainings und Versorgungsknotenpunkte; zahlreiche Soldaten erhielten sowohl in den USA als auch vor Ort spezielle Ausbildung für moderne Kriegsführung (Artilleriekoordination, Gasabwehr, Funk, Motortransport).

Wichtigste Schlachten und Operationen

  • Saint-Mihiel (12.–15. September 1918): Erste größere eigenständige Offensive der AEF; erfolgreiche Einkesselung deutscher Kräfte durch amerikanische Truppen unterstützt von französischer Artillerie und Luftwaffe.
  • Meuse-Argonne (26. September – 11. November 1918): Größte und verlustreichste Operation der AEF, Teil der letzten alliierten Offensiven, die schließlich zum Zusammenbruch der deutschen Front und zum Waffenstillstand führte.
  • Weitere Einsätze: Beteiligung an koordinierten Alliierten Gegenoffensiven, lokale Gefechte entlang der Westfront sowie Sicherungs- und Besetzungsaufgaben nach dem Waffenstillstand.

Besondere Aspekte

  • Segregation und afroamerikanische Truppen: Die US-Armee war rassisch segregiert. Viele afroamerikanische Einheiten dienten unter schwierigen Bedingungen; einige, wie das 369. Infanterieregiment (die „Harlem Hellfighters“), wurden den Franzosen überstellt und zeichneten sich dort im Kampf aus.
  • Luft- und Panzerkriegsführung: Die AEF baute rasch Luftstaffeln und erste gepanzerte Verbände auf, lernte jedoch wichtige taktische Lehren, die in der Zwischenkriegszeit weiterentwickelt wurden.
  • Epidemie und Verluste: Die Spanische Grippe 1918 traf Truppenlager hart und erhöhte die nichtkämpferischen Verluste.

Personal, Verluste und Nachwirkung

Insgesamt dienten in den Streitkräften der USA während des Krieges mehrere Millionen Männer; etwa rund 2 Millionen Amerikaner wurden in Europa eingesetzt. Die Verluste der US-Streitkräfte im Ersten Weltkrieg beliefen sich auf schätzungsweise etwa 116.000 Tote (einschließlich Krankheitsopfer) und rund 200.000 Verwundete. Nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918 erfolgte die schrittweise Demobilisierung, daneben beteiligten sich einzelne amerikanische Verbände an der kurzzeitigen Besetzung Deutschlands bzw. an Wachdiensten in den verbliebenen Besatzungszonen.

Vermächtnis

Die AEF beschleunigte den Aufstieg der USA zur Großmacht und markierte einen Wendepunkt in der amerikanischen Militärgeschichte: Modernere Mobilmachung, verbesserte Logistik, Erfahrungen mit kombiniertem Einsatz von Infanterie, Artillerie, Panzern und Luftstreitkräften sowie die Notwendigkeit einer ständigen größeren Streitmacht. Politisch stärkte die Teilnahme der USA am Krieg ihren Einfluss bei den Pariser Friedensverhandlungen, wenngleich innenpolitisch und gesellschaftlich die Folgen des Krieges – darunter Verluste, wirtschaftliche Belastungen und soziale Spannungen – weiterwirkten.

Die AEF bleibt in Erinnerung als die erste groß angelegte Expeditionstruppe der Vereinigten Staaten in die europäische Politik und Kriegsführung und als prägender Faktor für die militärische und diplomatische Stellung der USA im 20. Jahrhundert.