Ein Frikativkonsonant (auch: Reibelaut) ist ein Konsonant, der dadurch gebildet wird, dass Luft durch eine enge Öffnung oder einen Spalt im Mund gepresst wird, sodass Reibegeräusch (Friktion) entsteht, aber kein vollständiger Verschluss wie bei Plosiven. Solche Laute entstehen etwa an engen Zwischenräumen zwischen Zunge und Gaumen oder zwischen Lippen und Zähnen; wenn die Lücken in der Nähe der Zähnen liegen und ein scharfes, zischendes Geräusch produzieren, spricht man von Zischlauten (Sibilanten). Beispiele für solche Zischlaute im Englischen sind [s], [z], [ʃ] und [ʒ].
Lautbildung
Frikative entstehen durch eine enge, aber nicht vollständige Verengung im Vokaltrakt. Die Luftströmung wird turbulent, und die resultierende Rauschkomponente ist das charakteristische Geräusch des Frikativs. Entscheidend sind dabei:
- Ort der Artikulation (z. B. labiodental, dental/interdental, alveolar, postalveolar, velar, glottal),
- Art (sibilant vs. nicht‑sibilant) und
- Stimmhaftigkeit (stimmhaft vs. stimmlos).
Arten und Beispiele
Man unterscheidet u. a. folgende Frikative nach ihrem Artikulationsort (mit typischen IPA-Symbolen und Beispielen):
- Labiodental: [f] (engl. "fat", dt. "fünf"), [v] (engl. "van", dt. "Vater").
- Dental / Interdental: [θ] (engl. "thin"), [ð] (engl. "this").
- Alveolar (sibilant): [s] (engl. "sip", dt. "so"), [z] (engl. "zip", dt. "Sonne" als Beispiel für stimmhaftes [z]).
- Postalveolar (sibilant): [ʃ] (engl. "ship", dt. "schön"), [ʒ] (engl. "measure", im Deutschen selten, in Lehnwörtern wie "Garage" stimmhaftes [ʒ]).
- Palatal: [ç] (dt. "ich"),
- Velar: [x] (dt. "ach"), [ɣ] (in einigen Dialekten und Sprachen stimmhaftes Pendant).
- Glottal: [h] (dt. "Haus").
In vielen Sprachen (darunter Englisch und Deutsch) gibt es sowohl stimmlose als auch stimmhafte Frikative. Beispiele im Englischen sind stimmlos: [s], [ʃ], [f], [θ]; und stimmhaft: [z], [ʒ], [v], [ð].
Akustik, Phonologie und Besonderheiten
Sibilanten weisen typischerweise eine hohe spektrale Energie bei hohen Frequenzen (das „Zischen“), während nicht‑sibilante Frikative breitbandiger und weicher klingen. Frikative können in der Phonologie einer Sprache phonemisch relevant sein (z. B. der Gegensatz /s/ vs. /ʃ/), und sie können durch Lautwandel oder sandhi‑Prozesse beeinflusst werden. In der Sprachheilpädagogik sind Frikativfehlbildungen (z. B. Lispeln bei [s]) häufig Gegenstand therapeutischer Arbeit.
Orthografisch werden Frikative in verschiedenen Sprachen unterschiedlich geschrieben (z. B. engl. th für [θ],[ð], dt. ch für [ç],[x], dt. sch für [ʃ], usw.).