Generalgouverneur von Kanada: Rolle, Aufgaben und Ernennungsverfahren

Generalgouverneur von Kanada: Rolle, Aufgaben & Ernennungsverfahren erklärt — Funktionen, Befugnisse, Ernennung und politischer Einfluss kompakt und verständlich dargestellt.

Autor: Leandro Alegsa

Generalgouverneur von Kanada ist die Person, die das kanadische Staatsoberhaupt — die Königin (oder den König) — in Kanada vertritt. Das Staatsoberhaupt verbringt aus praktischen Gründen wenig Zeit in Kanada, weil es zugleich das Staatsoberhaupt mehrerer sogenannter Commonwealth-Reiche ist; deshalb übernimmt der Generalgouverneur die meisten repräsentativen und verfassungsmäßigen Aufgaben vor Ort.

Ernennung und Amtsdauer

Der Generalgouverneur wird formal vom Monarchen ernannt, praktisch jedoch auf Vorschlag (Rat) des kanadischen Premierministers. Üblicherweise nominieren Premierministerinnen und Premierminister Kandidatinnen oder Kandidaten, die dann vom Monarchen bestätigt werden. Die Amtszeit beträgt in der Regel etwa fünf Jahre, kann aber verkürzt oder verlängert werden.

So wurden in jüngerer Zeit unterschiedliche Verfahren genutzt: manche Premierminister wählten direkt, andere richteten Beratungsgremien ein, um mögliche Kandidaten zu prüfen. In Ausnahmefällen — etwa bei besonderen verfassungsrechtlichen Maßnahmen — muss der Premierminister die Krone direkt ansprechen (beispielsweise bei der möglichen Ernennung von zusätzlichen Senatoren für das Parlament).

Aufgaben und Befugnisse

Der Generalgouverneur übt viele der rechtlichen Befugnisse des Monarchen in Kanada aus. In der Praxis handelt er meist auf Empfehlung (dem Rat) des Premierministers und des Kabinetts, übernimmt aber auch eigene verfassungsmäßige und repräsentative Aufgaben:

  • Gesetzgebungsverfahren: Verleihung der Royal Assent (königliche Zustimmung) zu Gesetzen, damit diese in Kraft treten können.
  • Parlament: Einberufung, Vertagung (Prorogation) und Auflösung des Parlaments (z. B. zur Ansetzung von Neuwahlen), meist auf Vorschlag des Premierministers.
  • Regierungsbildung: Ernennung des Premierministers und der Minister; normalerweise wird die oder der gewählt, die oder der die Unterstützung des Unterhauses hat.
  • Orders-in-Council und Ernennungen: Unterzeichnung von Verordnungen und Ernennungserklärungen (Richter, hohe Beamte, Senatoren usw.), wobei viele Ernennungen auf Vorschlag der Regierung beruhen.
  • Repräsentative Aufgaben: Empfänge ausländischer Botschafter, Staatsbesuche, Auszeichnungen und die Leitung offizieller Zeremonien.
  • Kommandeurin/Kommandeur in Waffen: Repräsentation des Monarchen als Oberbefehlshaber der Streitkräfte; die militärischen Ehren und Zeremonien werden vom Generalgouverneur wahrgenommen.

Konstitutionelle Besonderheiten und Reservebefugnisse

Obwohl der Generalgouverneur überwiegend nach dem Rat der gewählten Regierung handelt, besitzt das Amt auch sogenannte Reservebefugnisse, die in Ausnahmefällen ohne oder gegen den Rat der Regierung ausgeübt werden können. Dazu gehören etwa das Zurückweisen eines Auflösungsersuchens des Premierministers oder die Entlassung einer Regierung, wenn diese verfassungswidrig handelt. Solche Eingriffe sind selten und historisch umstritten (ein bekanntes Beispiel ist die King-Byng-Krise von 1926), weshalb sie nur in ernsthaften verfassungspolitischen Krisen in Betracht gezogen werden.

Zeremonielles, gesellschaftliches und kulturelles Mandat

Der Generalgouverneur hat eine starke repräsentative Rolle im öffentlichen Leben: Er oder sie ist Schirmherr vieler wohltätiger und kultureller Organisationen, verleiht Auszeichnungen (z. B. Orden und staatliche Ehrungen) und tritt als nicht-parteiischer Fürsprecherinnen und Fürsprecher nationaler Anliegen auf. Das Amt soll politische Neutralität wahren und das Vertrauen in die Verfassungsordnung stärken.

Amtssitz und Anrede

Der offizielle Amtssitz des Generalgouverneurs ist Rideau Hall in Ottawa; zusätzlich gibt es oft eine Residenz in Québec (La Citadelle) für dienstliche Termine in anderen Teilen des Landes. Die Amtsperson trägt üblicherweise die Anrede „Ihre/Ihre Exzellenz“ (engl. „His/Her Excellency“) und wird in Protokollangelegenheiten als Vertreterin bzw. Vertreter des Monarchen behandelt.

Aktuelle und ehemalige Amtsträger

JuliePayette war Generalgouverneurin von Kanada von 2. Oktober 2017 bis zu ihrem Rücktritt am 21. Januar 2021. Seit dem 26. Juli 2021 ist Mary Simon Generalgouverneurin von Kanada. Der Übergang und die Auswahl neuer Amtsinhaberinnen oder -inhaber erfolgen weiterhin durch das bewährte Zusammenspiel von Premierminister und Krone.

Offizieller Titel

Da Kanada zwei offizielle Bundessprachen hat, ist der Titel des Generalgouverneurs sowohl auf Englisch als auch auf Französisch.

Der Stil und Titel des Generalgouverneurs ist vollständig auf Englisch: Ihre Exzellenz Die Rechte Ehrenwerte Julie Payette, Kanzlerin und Erste Begleiterin des Ordens von Kanada, Kanzlerin und Kommandeurin des Ordens für militärische Verdienste, Kanzlerin und Kommandeurin des Verdienstordens der Polizeikräfte, Generalgouverneurin und Oberbefehlshaberin in und über Kanada, und auf Französisch: Son Excellence la très honorable Julie Payette, chancelière et compagne principale de l'ordre du Canada, chancelière et commandeuse de l'ordre de l'ordre du mérite militaire, chancelière et commandeuse de l'ordre du mérite des forces de police, gouverneure générale et commandant en chef du Canada

Fragen und Antworten

F: Wer ist der Generalgouverneur von Kanada?


A: Der Generalgouverneur von Kanada ist die Person, die Kanadas Königin (oder König) vertritt.

F: Verbringt die Königin von Kanada viel Zeit in Kanada?


A: Nein, die Königin von Kanada verbringt nicht viel Zeit in Kanada, da sie auch die Königin mehrerer anderer Länder ist.

F: Wie wird der Generalgouverneur gewählt?


A: Der Generalgouverneur wird technisch gesehen von der Königin gewählt und darf fast alle Befugnisse der Königin ausüben. Die meiste Zeit machen jedoch weder die Königin noch der Generalgouverneur von ihren Befugnissen Gebrauch, ohne den Rat des kanadischen Premierministers einzuholen. Normalerweise wählt die Königin immer denjenigen zum Generalgouverneur, den der Premierminister ihr vorschlägt.

F: Was rät der Premierminister dem Generalgouverneur normalerweise zu tun?


A: Ein Premierminister rät einem Generalgouverneur normalerweise, seine Befugnisse für das zu nutzen, was er ihm empfohlen hat.

F: Wann muss sich ein Premierminister direkt an die Königin wenden?


A: Ein Premierminister muss sich direkt an die Königin wenden, wenn er etwas tun will, was ein Generalgouverneur nicht allein tun darf, wie z.B. 4 oder 8 zusätzliche Senatoren ins Parlament zu ernennen.


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