Hepatitis B ist eine Erkrankung der Leber, die durch ein Virus (HBV) verursacht wird. Das Virus wird nicht durch Lebensmittel oder beiläufigen Körperkontakt übertragen, sondern durch Kontakt mit Blut oder bestimmten Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Die Infektionsgefahr besteht insbesondere bei Geburt, ungeschütztem sexuellen Kontakt, der Wiederverwendung von Nadeln sowie bei nicht getesteten Bluttransfusionen.

Ursachen und Übertragungswege

Hepatitis B wird durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht. Wichtige Übertragungswege sind:

  • Von der Mutter auf das Kind während der Geburt (vertikale Übertragung).
  • Ungeschützter sexueller Kontakt mit einer infizierten Person.
  • Kontakt mit kontaminiertem Blut, z. B. durch gemeinsame Nutzung von Spritzen oder unsichere medizinische Eingriffe.
  • Selten durch andere Körperflüssigkeiten, wenn Schleimhäute oder offene Wunden betroffen sind.

Das Risiko, nach einer Infektion chronisch zu werden, hängt stark vom Alter bei der Ansteckung ab: Neugeborene und Kleinkinder entwickeln viel häufiger eine chronische Infektion als Erwachsene.

Symptome

Viele Infektionen verlaufen ohne oder mit nur milden Symptomen. Falls Symptome auftreten, können sie folgendes umfassen:

  • Müdigkeit, Fieber, Appetitverlust
  • Bauchschmerzen, besonders im rechten Oberbauch
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Dunkler Urin, heller Stuhl
  • Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Augen)

Bei manchen Menschen entwickelt sich nach Wochen bis Monaten ein schwerer Leberschaden bis hin zum Leberversagen. Langfristig kann eine chronische HBV-Infektion zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen.

Prävention und Impfung

Eine wirksame Vorbeugung ist die Impfung: Impfung mit Hepatitis-B-Impfstoff löst eine Immunantwort aus und schützt vor Infektion. Es wird empfohlen, Säuglinge früh zu impfen — die erste Dosis innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt, gefolgt von weiteren Dosen im Verlauf (üblich sind Impfpläne bei 0, 1–2 und 6 Monate). Für Erwachsene und Personen mit erhöhtem Risiko gelten ebenfalls Impfempfehlungen.

  • Die Vakzine sind sehr effektiv; bei vollständig geimpften gesunden Personen besteht eine sehr hohe Schutzwahrscheinlichkeit. Manche Personen (z. B. immungeschwächte) sprechen weniger gut an.
  • Bei Neugeborenen von HBV-infizierten Müttern wird zusätzlich kurz nach der Geburt Immunglobulin (HBIG) gegeben, um das Infektionsrisiko weiter zu senken.
  • Nach vollständiger Grundimmunisierung ist bei den meisten Menschen kein routinemäßiger Auffrischimpfstoff notwendig; bei bestimmten Risikogruppen wird die Immunantwort kontrolliert.

Diagnose

Blutuntersuchungen zeigen, ob eine akute oder chronische Infektion vorliegt und wie aktiv das Virus ist. Wichtige Tests sind:

  • HBsAg (Hepatitis-B-Oberflächenantigen): weist auf eine aktive Infektion hin.
  • Anti-HBs (Antikörper gegen HBsAg): zeigen Immunität nach Impfung oder ausgestandener Infektion.
  • Anti-HBc (Antikörper gegen das Kernantigen): zeigen zurückliegende oder andauernde Infektion an; IgM weist auf eine akute Infektion hin.
  • HBV-DNA: misst die Virusmenge im Blut und hilft, den Therapiebedarf zu beurteilen.
  • Leberwerte (z. B. ALT, AST) geben Hinweise auf Leberschädigung.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Verlauf:

  • Akute Hepatitis B: meist symptomatische Behandlung (Schonung, Flüssigkeitszufuhr). Bei schwerer akuter Hepatitis kann Krankenhausbehandlung bis hin zu Lebertransplantation nötig sein.
  • Chronische Hepatitis B: antivirale Medikamente wie Tenofovir oder Entecavir werden eingesetzt, um die Virusvermehrung zu unterdrücken und Leberschäden zu verhindern. In manchen Fällen wird auch eine Therapie mit Interferon erwogen.

Bislang ist eine vollständige, sichere Eliminierung des HBV in allen Patienten schwierig; Ziel der Therapie ist die dauerhafte Unterdrückung der Virusvermehrung und die Verhinderung von Komplikationen wie Leberversagen oder Leberkrebs.

Verlauf und Komplikationen

Verläufe reichen von spontaner Ausheilung bis zu chronischer Infektion mit langfristigen Folgen:

  • Chronische Hepatitis B kann über Jahre zu Leberentzündung, Leberversagen, Leberzirrhose und Leberkrebs führen.
  • Das Risiko für chronische Infektion ist besonders hoch bei Neugeborenen und Kleinkindern, deutlich niedriger bei Erwachsenen.

Wann testen und wer sollte geimpft werden

Empfohlen sind Tests für:

  • Schwangere (Routinetest während der Schwangerschaft)
  • Personen mit erhöhtem Risikoverhalten (z. B. Drogengebrauch mit Spritzen, mehrere Sexualpartner)
  • Menschen mit Lebererkrankungen oder erhöhten Leberwerten
  • Gesundheits- und Pflegepersonal

Geimpft werden sollten Neugeborene routinemäßig sowie nicht immunisierte Personen in Risikogruppen oder vor Reisen in Regionen mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz.

Wichtig zu wissen

  • Die Inkubationszeit beträgt meist mehrere Wochen bis Monate; Symptome treten nicht immer auf.
  • Bei Verdacht auf Kontakt mit HBV (z. B. Nadelstichverletzung, ungeschützter Sex mit infizierter Person) sollte umgehend medizinischer Rat eingeholt werden — gegebenenfalls ist eine Postexpositionsprophylaxe (HBIG plus Beginn der Impfung) möglich.
  • Früherkennung und regelmäßige Kontrollen bei chronischer Infektion verringern das Risiko schwerer Folgen.

Wenn Sie Fragen zu Ihrem persönlichen Risiko, zur Impfung oder zu Testergebnissen haben, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, Gynäkologen oder einem Infektionsspezialisten.