Vietnams Geschichte: Historischer Überblick von der Antike bis heute

Vietnams Geschichte: kompakter Überblick von der Antike bis heute — Dynastien, Unabhängigkeit, Kolonialzeit, Krieg und Wiederaufbau. Jetzt lesen.

Autor: Leandro Alegsa

Die Geschichte Vietnams reicht von prähistorischen Kulturen über jahrhundertelange Fremdherrschaft bis hin zu Kolonialzeit, Unabhängigkeitskämpfen, Krieg und schließlich wirtschaftlicher Öffnung und Modernisierung. Trotz wiederholter Einflüsse von außen entwickelte Vietnam eine eigenständige Kultur, Sprache und Staatlichkeit, die sich in wechselnden Dynastien, religiösen Strömungen und sozialen Strukturen widerspiegeln.

Frühe Besiedlung und chinesische Herrschaft

Archäologische Funde wie die bronzezeitliche Đông-Sơn-Kultur (etwa 1000 v. Chr. bis 100 n. Chr.) zeigen frühe politische und handwerkliche Entwicklung in der Region. Im 1. Jahrhundert n. Chr. leisteten die Trưng-Schwestern einen frühen bewaffneten Widerstand gegen die chinesische Herrschaft (40–43 n. Chr.), blieben aber zunächst ein Symbol des nationalen Widerstands.

Von etwa 207 v. Chr. bis 938 n. Chr. stand Vietnam lange Zeit unter direktem oder indirektem Einfluss bzw. direkter Verwaltung aus China. In dieser Zeit war das Gebiet häufig ein Nebenflussstaat des größeren Nachbarn China, doch die Bevölkerung bewahrte eigene Traditionen und gelegentlich auch relative Autonomie.

Mittelalterliche Eigenstaatlichkeit und Dynastien

Mit dem Sieg von Ngô Quyền über die chinesischen Streitkräfte in der Schlacht am Bach Đằng (938) begann eine lange Periode unabhängiger vietnamesischer Herrschaft. In den folgenden Jahrhunderten bildeten sich mehrere bedeutende Dynastien heraus, darunter die Lý-, Trần- und Lê-Dynastie, die das Land politisch stabilisierten, Verwaltung und Bildung nach konfuzianischem Modell förderten und den Reisanbau ausweiteten.

Während der Trần-Zeit (1225–1400) wehrte Vietnam erfolgreich drei Invasionen der Mongolen (1255–1285) ab; berühmte Feldherren wie Trần Hưng Đạo spielten dabei eine zentrale Rolle. Später suchten Herrscher wie Kaiser Trần Nhân Tông diplomatische Wege, um weitere Konflikte mit mächtigen Nachbarn zu vermeiden.

Im Süden kam es zu langen Konflikten mit dem Königreich Champa und zu nord-südlicher Expansion (Nam tiến), die das heutige Territorium Vietnams formten.

Französische Kolonialzeit und Widerstand

Ab dem 17. Jahrhundert intensivierte sich der Kontakt mit europäischen Mächten; im 19. Jahrhundert setzte Frankreich seine kolonialen Ambitionen durch und gliederte das Gebiet in das Kolonialreich Französisch-Indochina ein. Die Kolonialherrschaft brachte infrastrukturelle Veränderungen, aber auch Ausbeutung, wirtschaftliche Umstrukturierung und lokalen Widerstand.

Im 20. Jahrhundert wuchs der Nationalismus. Während des Zweiten Weltkriegs verdrängte das kaiserliche Japan zeitweise die Franzosen, ließ aber Verwaltungsposten weitgehend bestehen. Nach dem Krieg kehrte Frankreich zurück, doch der Widerstand unter Führung der kommunistischen und nationalistischen Kräfte (Viet Minh) führte zum ersten Indochina-Krieg und zur Niederlage Frankreichs 1954 in Điện Biên Phủ. Die Genfer Abkommen teilten das Land vorübergehend in Nord und Süd mit dem Versprechen demokratischer Wahlen, die jedoch nie zur Wiedervereinigung führten.

Teilung und Vietnamkrieg

Die Teilung mündete in den Vietnamkrieg, in dem die Demokratische Republik Vietnam im Norden von der Sowjetunion und der Volksrepublik China unterstützt wurde, während die Republik Vietnam im Süden umfangreiche Unterstützung der Vereinigten Staaten erhielt. Der Konflikt weitete sich zu einem internationalen Stellvertreterkrieg aus und forderte Millionen von Opfern.

Wichtige Ereignisse dieser Phase sind u. a. die US-Intervention, die Tet-Offensive 1968 und schließlich der Fall Saigons im April 1975, als nordvietnamesische Truppen die Kontrolle über die südvietnamesische Hauptstadt erlangten. 1976 wurde das Land offiziell als Sozialistische Republik Vietnam wiedervereinigt.

Nachkriegszeit, Isolation und Reformen

Die Nachkriegszeit war von politischer Repression, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und internationaler Isolation geprägt, besonders nach dem Einmarsch Vietnams in Kambodscha 1978 und der anschließenden Konfrontation mit China 1979. Die andauernde Spannungen im Kalten Krieg führten zu Sanktionen und diplomatischer Isolation.

1986 leitete die Kommunistische Partei Vietnams mit der Politik des Đổi Mới weitreichende wirtschaftliche Reformen ein: eine schrittweise Öffnung für marktwirtschaftliche Elemente, Förderung von Privatwirtschaft und ausländischen Investitionen. Diese Reformen führten zu hohem Wirtschaftswachstum, Armutsreduktion und verstärkter Integration in die Weltwirtschaft. Vietnam trat 1995 der ASEAN bei, normalisierte 1995 die Beziehungen zu den USA und wurde 2007 Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO).

Gesellschaft, Kultur und Gegenwart

Vietnam ist heute ein Einparteienstaat mit raschem wirtschaftlichem Wandel, wachsender städtischer Bevölkerung und zunehmender internationaler Verflechtung. Traditionelle Einflüsse wie Konfuzianismus, Buddhismus und lokale Volksreligionen prägen weiterhin Alltag und Feste. Sprache, Literatur, Küche und Kunst sind Ausdruck einer langen, eigenständigen Kultur, die trotz Fremdeinflüssen erhalten blieb.

Gleichzeitig bestehen anhaltende Herausforderungen: Einschränkungen politischer Freiheiten, Berichte über Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Umweltprobleme begleiten die wirtschaftliche Entwicklung. Die Regierung bemüht sich um Stabilität und kontrollierte Öffnung, während vietnamesische Gesellschaft und Diaspora verstärkt global vernetzt sind.

Kurzzeitlicher Überblick (Wichtige Daten)

  • ca. 1000 v. Chr.–100 n. Chr.: Đông-Sơn-Kultur
  • 111 v. Chr.–938 n. Chr.: lange Phasen chinesischer Herrschaft
  • 938: Sieg von Ngô Quyền – Beginn der dauerhaften Unabhängigkeit
  • 13. Jahrhundert: Abwehr der Mongoleninvasionen
  • 19. Jahrhundert: französische Kolonialisierung; Bildung von Französisch-Indochina
  • 1940er–1954: Japanische Besetzung, dann erster Indochina-Krieg (Ergebnis: Genfer Abkommen)
  • 1955–1975: Teilung und Vietnamkrieg (Ende: Fall Saigons 1975)
  • 1976: Wiedervereinigung als Sozialistische Republik Vietnam
  • 1986: Beginn der Đổi Mới-Reformen durch die Kommunistische Partei Vietnams
  • 1995: Normalisierung der Beziehungen zu den USA; Beitritt zur ASEAN
  • 2007: WTO-Beitritt

Die Geschichte Vietnams ist geprägt von der wechselvollen Balance zwischen Widerstand gegen Fremdherrschaft und der Anpassung an äußere Einflüsse. Sie erklärt viele der politischen, sozialen und kulturellen Merkmale des heutigen Landes.

Karte von Văn Lang, erstes vietnamesisches Königreich (2879-258 v. Chr.), 500 v. Chr.Zoom
Karte von Văn Lang, erstes vietnamesisches Königreich (2879-258 v. Chr.), 500 v. Chr.

Frühe Königreiche

Beweise für die früheste etablierte Gesellschaft neben der prähistorischen Eisenzeit Đông Sơn Kultur in Nordvietnam wurde in Cổ Loa gefunden, einer antiken Stadt in der Nähe des heutigen Hà Nội.

Der Mythos besagt, dass das erste vietnamesische Volk vom Drachenlord Lạc Long Quân und der Unsterblichen Fee Âu Cơ abstammt. Lạc Der Lange Quân und die Unsterbliche Fee Âu Cơ hatten 100 Söhne, bevor sie sich entschieden, sich zu trennen. 50 der Kinder gingen mit ihrer Mutter in die Berge, und die anderen 50 gingen mit ihrem Vater ans Meer. Der älteste Sohn wurde der erste in einer Reihe früher vietnamesischer Könige, die kollektiv als Hùng-Könige bekannt sind (Hùng Vương oder die Hồng Bàng-Dynastie). Die Hùng-Könige nannten ihr Land, das am Delta des Roten Flusses im heutigen Nordvietnam liegt, Văn Lang. Die Menschen von Văn Lang waren bekannt als die Lạc Việt.

 

Karte von Văn Lang, 500 v. Chr.Zoom
Karte von Văn Lang, 500 v. Chr.

Fragen und Antworten

F: Wann hat Vietnam seine Unabhängigkeit wiedererlangt?


A: Vietnam hat seine Unabhängigkeit im Jahr 938 wiedererlangt.

F: Wie viele Invasionen der Mongolen wurden von Vietnam zurückgeschlagen?


A: Vietnam schlug zwischen 1255 und 1285 drei Invasionen der Mongolen zurück.

F: Wer besetzte Vietnam während des Zweiten Weltkriegs?


A: Während des Zweiten Weltkriegs vertrieb das kaiserliche Japan die Franzosen und besetzte Vietnam.

F: Was führte zum Vietnamkrieg?


A: Die Teilung des Landes nach den Genfer Abkommen führte zum Vietnamkrieg.

F: Wer unterstützte den Norden und den Süden während des Krieges?


A: Die Volksrepublik China und die Sowjetunion unterstützten den Norden, während die Vereinigten Staaten den Süden während des Krieges unterstützten.

F: Wann hat die Kommunistische Partei Vietnams ihre Wirtschaftspolitik geändert? A: Die Kommunistische Partei Vietnams änderte ihre Wirtschaftspolitik im Jahr 1986.

F: Was hat sich seit Mitte der 1980er Jahre in Bezug auf das Wirtschaftswachstum und die politische Unterdrückung in Vietnam getan? A: Seit Mitte der 1980er Jahre hat es in Vietnam ein erhebliches Wirtschaftswachstum und einen gewissen Rückgang der politischen Repression gegeben, allerdings haben auch die Berichte über Korruption zugenommen.


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