'In sterblichen Händen' – Geschichte der Kernenergie, Kritik & Atommüll

In sterblichen Händen – Stephanie Cookes kritische Geschichte der Kernenergie: Entwicklung, Militär, Atommüllkrise und die gescheiterten Versprechen der Atomindustrie.

Autor: Leandro Alegsa

In sterblichen Händen: A Cautionary History of the Nuclear Age ist ein Buch von Stephanie Cooke aus dem Jahr 2009. In dem Buch heißt es, dass die Kernenergie sich nicht so entwickelt hat, wie von ihren Planern erhofft, und es untersucht die militärische und die zivile Seite der Kernenergie. In dem Buch sagt Cooke, dass wir nicht nahe an einer Lösung des Atommüllproblems sind und dass "die Milliarden, die die Regierung in den letzten sechzig Jahren für die Kernenergie ausgegeben hat, andere Energieoptionen verdrängt haben". Das Buch legt nahe, dass es praktische Gründe dafür gibt, warum Atomreaktoren wahrscheinlich keine Lösung für das globale Klimaproblem bieten werden.

Inhalt und Hauptthesen

Cookes Buch bietet eine historische und investigative Übersicht über die Entwicklung der Nuklearindustrie seit ihren Anfängen. Sie zeigt, wie militärische Interessen (insbesondere die Entwicklung von Kernwaffen im Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges) die zivile Nutzung der Kernenergie mitgeprägt haben. Die Autorin beschreibt, dass technische Versprechen, wirtschaftliche Kalkulationen und politische Ziele oft auseinanderliefen und dass Versäumnisse, Fehlkalkulationen und politische Entscheidungen die Entwicklung einer weit verbreiteten, wirtschaftlich tragfähigen zivilen Atomwirtschaft behinderten.

Atommüll: technisches und politisches Problem

Ein zentrales Thema des Buches ist das ungelöste Problem des Atommülls. Cooke betont, dass es bislang keine allgemein akzeptierte, langfristig umsetzbare Lösung für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle gibt. Technische Verfahren wie die Verfestigung (Vitrifikation) oder Wiederaufarbeitung lösen zwar Teile des Problems, schaffen aber neue Risiken (z. B. durch Plutoniumrückstände) und sind teuer. Politische und soziale Hindernisse – Unwille lokaler Bevölkerung, rechtliche Streitigkeiten und das Fehlen nachhaltiger Politikentscheidungen – verhindern vielfach die Errichtung geologischer Endlager. Beispiele wie das lange Ringen um Yucca Mountain in den USA oder die andauernden Auseinandersetzungen in vielen Ländern illustrieren diese Schwierigkeiten; gleichzeitig gibt es einzelne Fortschritte (etwa das Endlagerprojekt Onkalo in Finnland), die aber nicht das grundsätzliche Dilemma auflösen.

Militärische und zivile Verflechtungen

Cooke macht deutlich, dass die Trennung zwischen militärischer und ziviler Nutzung der Kerntechnik oft theoretisch blieb. Forschung, Technologien und Rohstoffkreisläufe (z. B. die Produktion von Plutonium) sind anfällig für Missbrauch oder eine unbeabsichtigte Verbreitung von sensiblen Materialien. Die Autorin warnt vor den Risiken, die mit Wiederaufarbeitungsanlagen, großen Plutoniumbeständen und dual-use-Technologien verbunden sind, und diskutiert die sicherheitspolitischen Implikationen der zivilen Nuklearindustrie.

Kritik an wirtschaftlichen Versprechen und an der Rolle des Staates

Ein weiterer Punkt ist die wirtschaftliche Bilanz der Atomkraft: Cooke argumentiert, dass die hohen Subventionen, staatlichen Garantien und Forschungsinvestitionen in die Kernenergie über Jahrzehnte andere Energieforschung und effizientere Technologien verdrängt haben. Bauverzögerungen, Kostenüberschreitungen und teure Rückbau- sowie Entsorgungsaufgaben haben die wirtschaftliche Attraktivität vieler Projekte geschmälert. Cooke ist skeptisch, dass neuere Konzepte wie kleine modulare Reaktoren (SMR) oder fortschrittliche Reaktordesigns die grundlegenden Probleme schnell und kostengünstig lösen könnten.

Bedeutung für die Klimadebatte

Cookes These, dass Atomkraft keine kurzfristige "Wunderlösung" für den Klimaschutz darstellt, stützt sich auf mehrere Argumente: lange Planungs- und Bauzeiten, hohe initiale Investitionskosten, begrenzte Flexibilität im Netzbetrieb sowie die zeit- und kostenintensive Lösung des Atommüllproblems. Daraus folgt die Forderung, auch Alternativen wie Energieeffizienz, Ausbau erneuerbarer Energien und dezentrale Versorgung stärker in den Blick zu nehmen und die Opportunitätskosten staatlicher Kernenergieförderung zu berücksichtigen.

Rezeption und Kritik

Stephanie Cooke, die seit den 1980er Jahren über die Atomindustrie berichtet und als Mitarbeiterin des Bulletin of the Atomic Scientists bekannt ist, erhielt für ihr Buch viel Aufmerksamkeit. Es gab zahlreiche Medieninterviews und Rezensionen. Viele Leser und Fachleute lobten die gründliche Recherche und die klare Darstellung der historischen Zusammenhänge; Kritiker warfen Cooke gelegentlich vor, technologische Entwicklungen zu pessimistisch zu bewerten oder künftige Innovationen zu unterschätzen. Insgesamt gilt das Werk als wichtiger, kritischer Beitrag zur Debatte über Nutzen, Risiken und Kosten der Kernenergie.

Zur Autorin

Cooke arbeitet seit Jahrzehnten als Journalistin mit Schwerpunkt Nuklearpolitik und -wirtschaft. Ihre Berichterstattung verbindet historische Analyse mit aktueller Politikbetrachtung, wodurch sie sowohl Fachpublikum als auch interessierte Laien anspricht. Das Buch wird oft zitiert in Diskussionen über Energiepolitik, Rüstungskontrolle und Entsorgungspolitik.

Fazit

In sterblichen Händen ist keine reine Technik-Kritik, sondern eine historische Analyse, die technische Fragen, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Folgen verknüpft. Das Buch regt dazu an, die Kosten, Risiken und Alternativen zur Kernenergie ernsthaft abzuwägen – insbesondere vor dem Hintergrund von Klimaschutz, Energieversorgungssicherheit und nuklearer Nichtverbreitung.

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Fragen und Antworten

F: Worum geht es in dem Buch "In Mortal Hands"?


A: In Mortal Hands ist eine warnende Geschichte des Atomzeitalters, die sowohl die militärische als auch die zivile Seite der Atomenergie beleuchtet.

F: Wer ist der Autor von "In sterblichen Händen"?


A: Die Autorin von In sterblichen Händen ist Stephanie Cooke.

F: Was sagt Cooke über die Entwicklung der Kernenergie?


A: Cooke sagt, dass sich die Kernenergie nicht so entwickelt hat, wie ihre Planer gehofft hatten.

F: Was ist Cookes Meinung zum Problem des Atommülls?


A: Cooke sagt, dass wir nicht annähernd in der Lage sind, das Problem des Atommülls zu lösen.

F: Wie haben sich die staatlichen Ausgaben für die Kernenergie auf andere Energieoptionen ausgewirkt?


A: Cooke meint, dass die Milliarden, die die Regierung in den letzten sechzig Jahren für die Kernenergie ausgegeben hat, andere Energieoptionen verdrängt haben.

F: Können dem Buch zufolge Kernreaktoren eine Lösung für das Problem des globalen Klimawandels sein?


A: Das Buch legt nahe, dass es praktische Gründe gibt, warum Kernreaktoren wahrscheinlich keine Lösung für das Problem des globalen Klimawandels darstellen.

F: Hat die Autorin, Stephanie Cooke, schon früher über die Atomindustrie geschrieben?


A: Ja, Stephanie Cooke hat seit den 1980er Jahren über die Atomindustrie geschrieben und ist Mitarbeiterin des Bulletin of Atomic Scientists.


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