Jean Frédéric Oberlin (31. August 1740 – 1. Juni 1826) war ein elsässischer Pädagoge und reformorientierter Pfarrer, der sich vor allem um die Bildung und das soziale Leben in armen Berggemeinden in den Vogesen kümmerte. Geboren in Straßburg, wirkte er den größten Teil seines Lebens in Waldersbach (im historischen Gebiet „Ban de la Roche“), wo er durch praktische Reformen das Leben der Bevölkerung nachhaltig verbesserte.
Ab 1767 als Pfarrer tätig, setzte Oberlin nicht nur auf religiöse Seelsorge, sondern auf ganzheitliche Gemeindearbeit: Er gründete Schulen für Kinder aus armen Familien, förderte die Alphabetisierung und organisierte Aus- und Weiterbildungen, besonders für Frauen, damit diese als Lehrkräfte und Heimarbeiterinnen tätig werden konnten. Seine pädagogische Arbeit war geprägt von Praxisnähe, niedrigschwelligen Lernangeboten und der Verbindung von Bildung mit handwerklicher Tätigkeit.
Oberlin führte zahlreiche weitere Initiativen durch, die das Gemeinwesen stärkten. Dazu gehörten unter anderem:
- Förderung von Landwirtschaft und handwerklicher Produktion (z. B. Flachsanbau, Spinnen und Weben), um Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen,
- Verbesserung der Infrastruktur durch Wege- und Brückenbau sowie Anlage von Brunnen und verbesserten Wohnverhältnissen,
- Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge und Hygiene sowie karitative Unterstützung für Bedürftige,
- Organisation lokaler Spar- und Hilfseinrichtungen und Vermittlung handwerklicher Techniken, um die wirtschaftliche Selbständigkeit zu stärken.
Sein Einsatz war ökumenisch und praxisorientiert: Er half unabhängig von Konfession oder sozialer Herkunft und dokumentierte seine Erfahrungen in zahlreichen Briefen und Berichten. Diese Schriften trugen dazu bei, dass sein Modell internationale Beachtung fand und später von Bildungsexperten und Sozialreformern als Vorbild angesehen wurde.
Sein Wirken wurde international gewürdigt: Im frühen 19. Jahrhundert ehrte man ihn durch die Namensgebung des Oberlin College, einer amerikanischen liberalen Kunstschule in Ohio,. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Oberlin-Universität in Machida, Tokio, nach ihm benannt. In seiner Heimat erinnern zudem Denkmäler, Gedenktafeln und lokale Museen an das nachhaltige soziale und pädagogische Wirken Jean Frédéric Oberlins.

