Medina (/məˈdiːnə/; Arabisch: المدينة المنورة, al-Madīnah al-Munawwarah , "die strahlende Stadt"; oder المدينة, al-Madīnah (hejazistische Aussprache: [almaˈdiːna]), "die Stadt"), auch als Madīnah übersetzt, ist eine Stadt im Hejaz und die Hauptstadt der Region Al Madinah in Saudi-Arabien. In der Stadt befindet sich al-Masjid al-Nabawi ("die Moschee des Propheten"), die die Grabstätte des islamischen Propheten Mohammed ist und nach Mekka die zweitheiligste Stadt des Islam ist.
Medina war Mohammeds Ziel nach seiner Hidschra von Mekka aus und wurde zur Hauptstadt eines rasch wachsenden muslimischen Reiches, zunächst unter Mohammeds Führung, dann unter den ersten vier Rashidun-Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali. Es diente als Machtbasis des Islam in seinem ersten Jahrhundert, in dem sich die frühe muslimische Gemeinschaft entwickelte. In Medina befinden sich die drei ältesten Moscheen, nämlich die Quba-Moschee, die al-Masdschid an-Nabawi und die Masdschid al-Qiblatayn ("die Moschee der zwei Qiblas"). Muslime glauben, dass die chronologisch letzten Suren des Korans Mohammed in Medina offenbart wurden, und werden im Gegensatz zu den früheren mekkanischen Suren als medinensische Suren bezeichnet.
Ähnlich wie in Mekka ist es Nicht-Muslimen verboten, den heiligen Kern von Medina oder das Zentrum der Stadt zu betreten.
Historische Bedeutung
Medina war der zentrale Schauplatz der frühen islamischen Geschichte. Nach der Hidschra (Auswanderung) des Propheten Mohammed aus Mekka im Jahr 622 n. Chr. wurde die Stadt zur politischen und religiösen Hauptstadt der jungen Gemeinschaft. Hier entstand die sogenannte Verfassung von Medina (Sahifat al-Madinah), ein frühes Dokument, das Regeln für das Zusammenleben der muslimischen Gemeinde (Muhājirūn und Anṣār) und der ansässigen Stämme festlegte.
In und um Medina fanden wichtige Ereignisse und Schlachten der Frühzeit des Islam statt, darunter die Schlachten von Badr, Uhud und die Belagerung im Feldzug des Grabenkriegs (Khandaq). Nach dem Tod des Propheten 632 n. Chr. blieb Medina unter den ersten vier Kalifen das politische Zentrum, bevor die administrative Macht später in anderen Regionen des Reiches (etwa Damaskus und später Bagdad) konzentriert wurde. Trotz dieses Machtverlusts blieb Medina als Pilgerort und religiöses Zentrum von herausragender Bedeutung.
Wichtige religiöse Stätten
- Al-Masjid an-Nabawi: Die Moschee des Propheten ist das Herzstück Medinas. Sie enthält die Grabstätte des Propheten Mohammed, die im Bereich der Moschee liegt, sowie die als Rawḍah bezeichnete heilige Fläche zwischen Minbar und Grab. Die Kuppel über dem Grab wird oft als "Grüne Kuppel" bezeichnet.
- Quba-Moschee: Nach Überlieferung die erste Moschee, die von Muhājirūn und dem Propheten in der Umgebung Medinas gegründet wurde. Viele Gläubige besuchen sie für Gebete und spirituelle Verdienste.
- Masdschid al-Qiblatayn: Bekannt als die "Moschee der zwei Qiblas", weil hier laut Überlieferung die Gebetsrichtung (Qibla) von Jerusalem nach Mekka geändert wurde.
- Jannat al-Baqīʿ: Der historische Friedhof Medinas, in dem viele Gefährten des Propheten und Familienmitglieder begraben sind. Das Gelände hat große religiöse Bedeutung für Muslime.
- Mount Uhud: Nur wenige Kilometer nördlich der Stadt gelegen, ist der Berg Uhud Erinnerungsort der gleichnamigen Schlacht und wird oft von Pilgern besucht.
Religiöse Praxis und Pilgerwesen
Medina ist ein wichtiger Station für Pilger, die nach Mekka zum Hajj oder zur ʿUmra reisen. Ein offizieller Besuch Medinas ist zwar nicht Teil der Hajj-Pflicht, dennoch ist es für viele Pilger eine selbstverständliche spirituelle Reise, die sogenannten Ziārāt zu den heiligen Stätten zu unternehmen. Der Zutritt zum Innenbereich der heiligen Moschee und zum engsten Haram-Bereich ist ausschließlich Muslimen gestattet; ähnliche Zugangsbeschränkungen gelten für Teile des historischen Zentrums.
Stadtbild, Bevölkerung und Verwaltung
Medina liegt in einer Oase im Hejaz, etwa 340 Kilometer nördlich von Mekka. Die Stadt ist Verwaltungssitz der Region Al Madinah und hat heute eine moderne Infrastruktur mit Krankenhäusern, Universitäten und Verwaltungsbehörden. Die Einwohnerzahl der Stadt liegt im Bereich von über einer Million Menschen; während der Pilgerzeiten steigt die Zahl der Besucher saisonal stark an.
Wirtschaftlich ist Medina stark vom religiösen Tourismus geprägt. Hotels, Dienstleistungen, Handel und Bauwirtschaft sind Haupteinnahmequellen. Traditionell spielte auch die Landwirtschaft (insbesondere Dattelanbau) eine Rolle.
Moderne Infrastruktur und Verkehr
Medina ist durch den Prince Mohammad bin Abdulaziz International Airport mit nationalen und internationalen Zielen verbunden. Zwischen Medina und Mekka besteht eine direkte Bahnverbindung durch die Haramain High-Speed Railway, die auch Jeddah und King Abdullah Economic City anbindet. Straßenverbindungen und städtische Verkehrsnetze wurden in den letzten Jahrzehnten stark ausgebaut, um den wachsenden Pilgerströmen gerecht zu werden.
Klima
Medina hat ein heißes, trockenes Wüstenklima mit sehr heißen Sommern und milden Wintern. Niederschläge sind selten und unregelmäßig. In den Wintermonaten können die Temperaturen nachts deutlich sinken.
Kulturelles Erbe und Kontroversen
Medina besitzt ein reiches historisches und religiöses Erbe. Gleichzeitig gab und gibt es Diskussionen und Kritik an der Modernisierung und baulichen Erweiterung der heiligen Orte: Um die Kapazitäten für Pilger zu erhöhen, wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Gebäude erweitert oder neu errichtet, wobei historische Häuser und Denkmäler teilweise abgerissen wurden. Dies führt zu Spannungen zwischen dem Schutz des Kulturerbes und den praktischen Anforderungen an Infrastruktur und Sicherheit.
Zusammenfassung
Medina bleibt eine der wichtigsten Städte des Islams: historisch als Ort der Hidschra und frühen muslimischen Gemeinschaft, religiös wegen der Moschee des Propheten und vieler weiterer heiliger Stätten, sowie heute als moderner Pilger- und Verwaltungsstandort. Der Zugang zum heiligen Kern ist weiterhin ausschließlich gläubigen Muslimen vorbehalten, und die Stadt verbindet religiöse Tradition mit den Herausforderungen moderner Entwicklung.