Die Australian Labor Party (NSW) war eine australische politische Partei, die allgemein als Lang Labor bekannt ist. Es war der New South Wales-Zweig der Australian Labor Party, der sich von 1931 bis 1936 von der nationalen Partei löste und unabhängig handelte. Die Abspaltung spiegelte tiefgehende Meinungsverschiedenheiten über die richtige ökonomische Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise wider und hatte weitreichende Folgen für die Politik Australiens in den 1930er Jahren.

Hintergrund

Die schwere Wirtschaftskrise nach 1929 führte in Australien zu massiver Arbeitslosigkeit, fallenden Einnahmen und wachsendem sozialen Druck. Innerhalb der Laborbewegung entstand Uneinigkeit darüber, ob Sparmaßnahmen und Rückzahlungen an ausländische Gläubiger strikt einzuhalten seien oder ob unkonventionellere Maßnahmen nötig wären, um die inländische Wirtschaft zu stützen. In New South Wales trat Jack Lang, der Premierminister des Bundesstaates, als führender Kritiker der föderalen Sparpolitik hervor und entwickelte einen eigenen Lösungsansatz.

Der Lang-Plan und die Spaltung

1931 kündigte Jack Lang, der Premierminister von Neusüdwales, den "Lang-Plan" an. Dieser Plan sollte die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise mindern. Das Hauptmerkmal des Plans bestand darin, die Rückzahlung von Krediten an ausländische Banken einzustellen. Konkret forderte Lang unter anderem die Suspendierung oder Umstrukturierung von Zinszahlungen an ausländische Gläubiger sowie verstärkte staatliche Ausgaben zur Ankurbelung der Binnennachfrage. Dies war das Gegenteil der Politik der von James Scullin geführten Federal Labor-Regierung, die eher auf Haushaltskonsolidierung setzte.

Die Auseinandersetzung führte zu offenen Bruchlinien: Langs Anhänger im Bundeskongress standen im Widerspruch zur föderalen Parteiführung. Führende Parlamentarier des Lang-Flügels waren unter anderem Jack Beasley und Eddie Ward. Aufgrund ihrer Unterstützung des Lang-Plans wurden diese Vertreter aus der Bundestagsfraktion der Australian Labor Party gedrängt oder schieden faktisch daraus aus.

Sturz der Scullin-Regierung und Wahlschlachten 1931–1934

Die Spannungen eskalierten politisch: 1931 stimmten Langs Anhänger im Repräsentantenhaus gemeinsam mit der Opposition der United Australia Party für den Sturz der Regierung Scullin. Dieses Votum führte zu einer vorgezogenen Bundestagswahl im Dezember 1931. In New South Wales trat der Landesverband daher mit eigenen Kandidaten unter der Bezeichnung "Australian Labor Party (New South Wales)" bzw. allgemein "Lang Labor" an. Die Vertreter des föderalen Labor (in New South Wales angeführt von führenden Persönlichkeiten wie Ted Theodore und Ben Chifley) traten parallel als "Federal Labor"-Kandidaten an.

Die Wahl von 1931 war eine schwere Niederlage für die gesamte Laborbewegung auf Bundesebene: Die United Australia Party errang einen überwältigenden Sieg. Zugleich jedoch hatten viele Lang-Anhänger in New South Wales sichere Arbeiterbezirkssitze und konnten ihre Mandate halten. Eddie Ward verlor sein Mandat in East Sydney zunächst knapp, wurde jedoch bei einer Nachwahl 1932 wiedergewählt. Theodore und Chifley verloren ihre Sitze 1931; die föderale Laborfraktion in New South Wales schrumpfte auf nur drei Abgeordnete. Bei den darauffolgenden Bundeswahlen 1934 blieb Federal Labor in New South Wales schwach und gewann nur noch einen Sitz (Newcastle).

Auf Ebene von New South Wales selbst hatte die Lang-Politik ebenfalls dramatische Folgen: Die umstrittenen Maßnahmen und die Weigerung, bestimmte Zahlungen zu leisten, führten 1932 zu einer verfassungsrechtlichen Krise. Der Gouverneur von New South Wales, Sir Philip Game, entließ Jack Lang am 13. Mai 1932 aus dem Amt, nachdem Lang versucht hatte, die Zahlung bestimmter Staatsschulden auszusetzen und den etablierten Zahlungsverkehr zu unterbrechen. Bei den anschließenden Staatswahlen gewann eine Koalition aus konservativen Kräften unter Führung von Bertram Stevens die Mehrheit.

Schlüsselpersonen

  • Jack Lang – charismatischer, aber polarisierender Führer des NSW-Branches; Urheber des Lang-Plans.
  • Jack Beasley – prominenter Lang-Verteidiger im Bundesparlament.
  • Eddie Ward – populärer Lang-Anhänger, später wieder ins Parlament zurückgekehrt.
  • Ted Theodore und Ben Chifley – Vertreter des föderalen Labor in New South Wales, später wichtige Figuren im nationalen Parteiengeschehen.
  • John Curtin – wurde 1935 Bundesarbeitsführer und spielte eine zentrale Rolle bei der Wiedervereinigung 1936.

Versöhnung und Nachwirkungen

Die anhaltende Spaltung schadete der gesamten Arbeiterbewegung und erleichterte es der konservativen Opposition, in den 1930er Jahren die Regierungsmacht zu behaupten. 1935 wurde John Curtin zum neuen Bundesarbeitsführer gewählt. Unter seiner Führung und nach langen Verhandlungen kam es im Februar 1936 zu einer Versöhnung zwischen dem Bundesapparat der Australian Labor Party und dem New South Wales Branch. Die Wiedereingliederung des NSW-Zweigs in die föderale Partei ermöglichte es Labor, bei den darauffolgenden Wahlen 1937 wieder als geschlossene Kraft in New South Wales anzutreten.

Die Spaltung von 1931–1936 hatte jedoch nachhaltige Folgen: Sie verzögerte die Wiedererstarkung der Laborbewegung auf Bundesebene und trug dazu bei, dass die United Australia Party und konservative Bündnisse die politische Landschaft Australiens in den frühen 1930er Jahren dominierten. Erst mit dem zunehmenden Einfluss von Führungspersönlichkeiten wie John Curtin und später Ben Chifley gelang es der Labor Party, wieder Geschlossenheit zu erreichen und 1941 – unter Curtin – endgültig an die Regierung zu kommen.

Bedeutung: Lang Labor ist ein Beispiel dafür, wie ökonomische Krisen innerhalb politischer Bewegungen zu tiefen, langanhaltenden Spaltungen führen können. Die Episode zeigt zudem, wie föderale und landespolitische Interessen in einem Bundesstaat auseinanderdriften können und welchen Einfluss regionale Führungsfiguren auf die nationale Politik haben können.