Pedalpunkt (Pedalnote) – Definition, Arten & Beispiele in der Musik
Erklärt Pedalpunkt/Pedalnote: Definition, Typen (Tonika, Dominante, Doppel-, umgekehrtes Pedal) mit praxisnahen Musikbeispielen von Bach bis Brahms.
Ein Pedalpunkt (oder Pedalnote) ist eine einzelne Note, die über mehrere Takte hinweg gehalten oder wiederholt wird, meist in der Basslage. Pedalpunkte werden häufig gegen Ende eines Abschnitts oder Stücks eingesetzt, um Spannung aufzubauen, Harmonie zu stabilisieren oder eine feierliche, schwebende Atmosphäre zu erzeugen. Der Name kommt aus der Orgelpraxis: der Organist hält eine solche Note oft mit dem Fuß auf dem Pedal.
Arten von Pedalpunkten
- Tonika-Pedal: Die Pedalnote ist die Tonika (der Grundton der Tonart). Es wirkt stabilisierend und gibt dem Abschnitt ein Gefühl von Ruhe oder Feierlichkeit.
- Dominant-Pedal: Die Pedalnote liegt auf der Dominante (dem fünften Ton der Skala). Dieses Pedal erzeugt oft Erwartung und führt kraftvoll in eine Kadenz. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Präludium in C-Dur aus Buch I des Wohltemperierten Klaviers von Bach.
- Doppelpedal: Zwei gleichzeitig gehaltene Pedaltöne (z. B. eine Quinte im Bass), die zusammen als harmonische Grundlage dienen.
- Umgekehrtes Pedal (inverted pedal): Die gehaltene Note befindet sich nicht im Bass, sondern häufig in einer höheren Stimme (Sopran oder Alt). Dadurch entsteht ein umgekehrter Effekt: während die Basslinie sich bewegt, bleibt eine hohe Linie konstant.
Funktion und Wirkung
Pedalpunkte können verschiedene musikalische Funktionen erfüllen:
- Harmonische Spannung: Wenn sich die Akkorde über der gehaltenen Note ändern, tritt die Pedalnote zeitweise als Dissonanz auf, die erst bei der Auflösung ihre Konsonanz zurückerhält. Das verstärkt die Erwartung und die Wirkung einer anschließenden Auflösung.
- Bindung und Stabilisierung: Ein Tonika-Pedal vermittelt Stabilität und Einheitlichkeit über einen längeren Abschnitt.
- Texturale Schichtung: Ein gehaltenes Pedal schafft eine feste klangliche Basis, über der sich melodische oder harmonische Bewegungen entfalten.
- Formale Markierung: Pedale erscheinen oft vor oder während wichtiger formaler Wendepunkte (z. B. vor der Finalkadenz) und erhöhen deren dramatische Wirkung.
Pedal vs. Bordun, Ground-Bass und Ostinato
Pedalpunkt, Bordun, Ground-Bass und Ostinato sind verwandte Konzepte, jedoch mit Unterschieden:
- Bordun/Drone: Meist lang gehaltene oder wiederholte tiefe Töne (häufig in Volksmusik). Ein Pedal kann als Form des Borduns gelten, wenn es durchgehend klingt.
- Ground-Bass: Ein sich wiederholendes Bassmuster (z. B. in der Barockmusik) — hierbei geht es um eine Sequenz, nicht unbedingt um eine einzelne gehaltene Note.
- Ostinato: Ein wiederkehrendes motivisches Muster in jeder Stimme; ein Pedal ist meist nur ein einzelner, gehaltenener Ton.
Notation und Aufführung
In der Notation wird ein Pedalpunkt oft durch lang gebundene Notenwerte, durch Pedal-Markierungen (bei der Orgel) oder durch Taktstriche mit Haltezeichen gekennzeichnet. Auf der Orgel kann die Note physisch mit dem Pedal gehalten werden; auf dem Klavier muss der ausführende Spieler die Note entweder mit der Hand andauern lassen, durch wiederholtes Anschlagen stützen oder das Haltepedal einsetzen, je nach gewünschtem Klang. Bei Ensembles übernehmen oft Kontrabässe oder Celli das Pedal, um einen homogenen Bassklang zu erzeugen.
Beispiele
- Dominant-Pedal: Das bereits erwähnte Präludium in C-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier I von Bach.
- Tonika-Pedal: Ein Beispiel für ein Tonika-Pedal findet sich im dritten Satz des Deutschen Requiems von Brahms zu, wo die Kontrabässe im letzten Abschnitt durchgehende D's spielen; da dies beständig bleibt, bezeichnen manche dies auch als Bordun.
- Weitere Anwendungen: In der Orgel- und Kirchenmusik des Barock sind Pedalpunkte weit verbreitet; auch in der romantischen und modernen Musik werden sie zur Verstärkung harmonischer oder dramatischer Effekte eingesetzt.
Zusammenfassend ist der Pedalpunkt ein wirkungsvolles Mittel, um durch die Konstanz eines Tones Spannung, Stabilität oder feierliche Ruhe zu schaffen. Sein Einsatz und seine Auswirkung hängen stark von Kontext, Register und Dauer ab.
Verwandte Seiten
- Ostinato
- Drohne (Musik)
- Pedal (Musik)
Fragen und Antworten
F: Was ist ein Pedalpunkt?
A: Ein Pedalpunkt oder eine Pedalnote ist eine Note, die mehrere Takte lang gehalten wird, normalerweise im Bass, um die Musik zu einem Höhepunkt zu treiben.
F: Warum nennt man sie "Pedal"-Noten?
A: Sie heißen "Pedal"-Noten, weil sie oft in der Orgelmusik zu hören sind, wo der Spieler einen seiner Füße auf eine Pedalnote stellt und sie dort hält.
F: Auf welchen Noten werden die Pedalpunkte normalerweise platziert?
A: Pedalpunkte werden in der Regel entweder auf der Tonika (Haupttonart) (Tonika-Pedal) oder auf der Dominante (5. Ton der Tonleiter) (Dominant-Pedal) platziert.
F: Können Sie ein Beispiel für ein Musikstück nennen, in dem ein dominantes Pedal vorkommt?
A: Ein gutes Beispiel für ein Dominantpedal finden Sie im Präludium in C-Dur aus Buch I des Wohltemperierten Klaviers von Bach.
F: Können Sie ein Beispiel für ein Musikstück nennen, das ein Tonika-Pedal enthält?
A: Ein Beispiel für ein Tonika-Pedal findet sich im dritten Satz des Deutschen Requiems von Brahms, wo die Kontrabässe im letzten Abschnitt durchgehende D's spielen.
F: Was ist ein Doppelpedal?
A: Ein Doppelpedal sind zwei Pedaltöne, die gleichzeitig gespielt werden.
F: Was ist ein invertiertes Pedal?
A: Ein invertiertes Pedal ist eine Pedalnote, die nicht im Bass, sondern oft in der höchsten Stimme liegt.
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