Der Po (lateinisch: Padus, italienisch: Po, antikes "Eridanus") ist der längste Fluss Italiens. Er fließt über etwa 652 Kilometer (405 Meilen) überwiegend ostwärts durch Norditalien. Seine Quelle liegt am Fuße des Monte Viso (Monviso) in den Kottischen Alpen (klassisch wird der Quellort als Pian del Re bezeichnet), sein Mündungsgebiet liegt in der Adria in der Nähe von Venedig. Das Einzugsgebiet des Po umfasst rund 71.000 km² und prägt die großräumige Tiefebene Norditaliens.

Verlauf und Einzugsgebiet

Der Po durchquert oder berührt mehrere bedeutende Städte, darunter Turin, und beeinflusst indirekt auch das wirtschaftliche Zentrum Mailand in der Lombardei. Über ein historisch gewachsenes Netz von Kanälen, den sogenannten navigli, war Mailand mit Flüssen wie dem Ticino und damit indirekt mit dem Po verbunden; an der Planung und Verbesserung dieser Wasserwege war unter anderem Leonardo da Vinci beteiligt. Der Fluss sammelt Wasser aus zahlreichen Nebenflüssen und Zuflüssen; zu den wichtigsten Tributaren zählen u. a.:

  • Dora Riparia und Dora Baltea (aus dem Westen/Nordwesten)
  • Tanaro (südwestlich)
  • Ticino (südlich, Zufluss aus dem Luganer-See/Gebiet)
  • Adda und Oglio (Lombardei)
  • Secchia und Panaro (Emilia-Romagna)

Delta, Natur und Schutzgebiete

Am Unterlauf bildet der Po ein weit verzweigtes Delta mit hunderten von Kanälen und einer komplexen Lagunen- und Feuchtlandschaft. Fünf der Hauptarme werden traditionell als Po di Maestra, Po della Pila, Po delle Tolle, Po di Gnocca und Po di Goro bezeichnet. Im südlichen Bereich des Deltagebietes liegt die Stadt Comacchio, die für ihre Lagunenlandschaften und ihre Aalfischerei bekannt ist. Teile des Deltas sind als Schutzgebiete ausgewiesen (z. B. Regionalparks) und bieten wichtigen Lebensraum für Vögel, Fische und andere Arten.

Pianura Padana, Wirtschaft und Landwirtschaft

Das weite Tal um den Po, die Pianura Padana, ist eine der fruchtbarsten Regionen Italiens. Durch die gute Bodenbildung, das dichte Bewässerungssystem und die Nähe zu industriellen Zentren entwickelte sich hier das wichtigste Industrie- und Agrargebiet des Landes. Wichtige landwirtschaftliche Produkte sind Getreide (Weizen, Mais), Reis (besonders in Teilen der Lombardei und des Piemont), Gemüse und andere Feldfrüchte. Daneben spielt die Region eine bedeutende Rolle in der Industrie, im Handel und im Verkehr.

Wasserwirtschaft, Schifffahrt und Behörden

Der Po ist in seinem Unterlauf und in einigen Seitenarmen schiffbar und diente historisch als wichtige Verkehrs- und Transportachse. Zur Regulierung von Hochwasser, Bewässerung und Nutzung wurde über die Zeit eine Reihe von Institutionen geschaffen. Historisch existierte das Magistrato delle Acque; heute arbeiten verschiedene regionale und nationale Behörden zusammen, darunter die Autorità di Bacino und weitere Wasserwirtschaftsorganisationen, um Wasserressourcen, Überschwemmungsschutz und Umweltaspekte zu managen.

Ökologie und Umweltherausforderungen

Der Po und sein Einzugsgebiet sind ökologisch reich, leiden aber unter menschlichen Einflüssen: Intensivlandwirtschaft, Industrie, Abwassereinleitungen und Eingriffe in den Wasserhaushalt haben Auswirkungen auf Wasserqualität, Fischbestände und Feuchtgebiete. Der Fluss ist Lebensraum für zahlreiche Fischarten, viele davon kommen jedoch regional in ihrer Zahl zurück oder sind lokal gefährdet. Die saisonalen Schwankungen der Abflüsse (Frühjahrs-Schmelzwasser, niedrige Sommerabflüsse) werden durch Klimawandel und veränderte Niederschlagsmuster zusätzlich verstärkt; in den letzten Jahrzehnten traten vermehrt Trockenperioden und extreme Wetterereignisse auf.

Eine Studie aus dem Jahr 2005 wies nach, dass im Wasser des Po Benzoylecgonin — ein Abbauprodukt von Kokain — nachgewiesen werden kann. Die Forschenden nutzten diese Konzentrationen, um den Gesamtkonsum in Einzugsgebieten grob abzuschätzen; solche Modellrechnungen enthalten jedoch Unsicherheiten und sollten mit Vorsicht interpretiert werden.[1]

Kulturelle Bedeutung und historische Hinweise

In der Antike und in historischen Quellen wurde der Po zeitweise als Eridanus bezeichnet; römische Dichter und Geographen kannten den Fluss unter diesem Namen. Die Ebene nördlich und südlich des Po entsprach in der römischen Geographie der Cisalpinischen Gallia und wurde in Cispadane-Gallien (südlich des Po) und Transpadane-Gallien (nördlich des Po) unterschieden. Der Fluss hat das wirtschaftliche, kulturelle und historische Gefüge Norditaliens über Jahrtausende geprägt.

Heute bleiben Schutz, nachhaltige Nutzung und Anpassung an den Klimawandel zentrale Herausforderungen für das gesamte Einzugsgebiet des Po.