Polyphemos (Polyphem) – Zyklop der Odyssee | Griechische Mythologie

Polyphemos – der blinde Zyklop der Odyssee: Herkunft, Kampf mit Odysseus, List und Tragödie. Entdecke Mythos, Motive und Bedeutung in der griechischen Mythologie.

Autor: Leandro Alegsa

Polyphemos (oder Polyphem) ist ein Zyklop der griechischen Mythologie. Er gilt als Sohn des Gottes Poseidon und der Meeresnymphe Thoosa. In der Überlieferung erscheint er als riesenhafter, kraftvoller, aber geistig eher einfacher Hirte, der in einer Höhle auf einer Insel lebt und zahlreiche Schafe hält; auf der Insel leben außerdem weitere Kyklopen.

Der Auftritt in Homers Odyssee

Die bekannteste Episode mit Polyphemos findet sich in Homers Odyssee. Auf seiner Heimreise nach Ithaka nach dem Trojanischen Krieg strandet Odysseus mit seinen Männern auf der Insel des Polyphemos. Sie betreten die Höhle des Kyklopen, doch als Polyphemos zurückkehrt, verschließt er den Eingang mit einem gewaltigen Felsbrocken und nimmt die Fremden gefangen. Einige von Odysseus' Gefährten werden von Polyphemos getötet und gefressen.

Odysseus ersinnt einen Plan zur Flucht: Er spendiert dem Kyklopen Wein, sagt ihm als Namen „Niemand“ und betäubt ihn so, dass Polyphemos einschläft. Währenddessen formen Odysseus und seine Männer einen Holzpflock, glühen ihn an und stochern ihn Polyphemos in das einzige Auge, wodurch der Riese erblindet. Als Polyphemos in seinem Schmerz die Nachbar-Kyklopen um Hilfe ruft und diese fragen, wer ihn verletze, ruft er: „Niemand!“. Die anderen glauben, es sei nichts geschehen, und bleiben weg.

Zum Ausbruch aus der Höhle lassen die Männer sich an den Bäuchen der Schafe befestigen; wenn Polyphemos die Tiere hinaustreibt und ihre Rücken abtastet, bemerkt er die Menschen nicht und so gelingt die Flucht. Auf See aber begeht Odysseus den Fehler, den blinden Kyklopen frech zu verhöhnen und ihm seinen wahren Namen zu nennen. Polyphemos fleht daraufhin seinen Vater Poseidon um Rache an. Die Bitte des Kyklopen führt – nach der Erzählung der Odyssee – zu schweren Prüfungen und Verzögerungen bei Odysseus’ Heimkehr: Poseidon macht seine Reise lang und gefährlich.

Bedeutung, Motive und Variationen

Die Episode vom Polyphemos bündelt mehrere zentrale Themen der antiken Dichtung:

  • Xenia (Gastfreundschaft): Polyphemos verletzt die grundlegende Regel des gastfreundlichen Umgangs mit Fremden durch Gewalt und Kannibalismus – ein schweres Unrecht in der griechischen Moralvorstellung.
  • Metis versus rohe Gewalt: Odysseus’ List (metis) steht gegen die schiere Stärke des Kyklopen; die Erzählung feiert Cleverness als Mittel zum Überleben.
  • Hybris und göttliche Vergeltung: Odysseus’ anmaßende Prahlerei nach der Flucht – das öffentliche Herausstellen seines Namens – ruft die Rache der Götter hervor und illustriert die Gefahr übermäßigen Stolzes.
  • Motiv des Geblendetwerdens: Die Verstümmelung des Auges hat symbolische Bedeutung (Verlust der Wahrnehmung, Blindheit gegenüber sozialer Ordnung) und erscheint in verschiedenen mythologischen Figuren.

Wichtig ist auch, dass die kyklopische Gestalt in der antiken Literatur nicht einheitlich ist: Während Hesiod (bei den sogenannten „Ursprungs“-Kyklopen) sie als begabte Schmiede darstellt, erscheinen die homerischen Kyklopen eher als primitive Hirten ohne städtische Kultur.

Rezeption in Dichtung und Kunst

Polyphemos wurde nach Homer vielfach weiterverarbeitet. In hellenistischer und römischer Dichtung (z. B. bei Theokrit und Ovid) tritt er gelegentlich in einer anderen Rolle auf: als eifersüchtiger Liebhaber der Nereide Galatea, der mit der Tötung des jungen Acis verbunden ist – ein Motiv, das in der bildenden Kunst und der Literatur vielfach dargestellt wurde. In der bildenden Kunst findet sich die Figur Polyphemos oft auf antiken Vasen, in Wandmalereien, Reliefs und in zahlreichen Neuzeit-Darstellungen, wo die Begegnung von Wildheit und List, von Naturgewalt und menschlicher Klugheit, thematisiert wird.

Name und Deutung

Der Name Polyphemos (griech.: πολυφημός) lässt sich ungefähr als „vielgerühmt“ oder „lautstark“ deuten; etymologisch verbindet er das Element „poly-“ (viel) mit einer Form von „pheme“ (Sprechen/Laut). Das Bild des Kyklopen bleibt ambivalent: einerseits monströs und gefährlich, andererseits ein einprägsames Symbol für bestimmte kulturelle Spannungen (zivilisiert/archaisch, Verstand/Gewalt, Mensch/Gott).

Insgesamt ist Polyphemos eine der markantesten Figuren der griechischen Mythologie: Seine Episode in der Odyssee ist eine kunstvoll erzählte Begegnung von List und Brutalität, die bis in die neuere Literatur und Kunst nachwirkt.

Odysseus schenkt Polyphemos WeinZoom
Odysseus schenkt Polyphemos Wein

Fragen und Antworten

F: Wer ist Polyphemos?


A: Polyphemos ist ein Zyklop in der griechischen Mythologie, der Sohn des Gottes Poseidon und der Thoosa.

F: Wo lebt Polyphemos?


A: Polyphemos lebt in einer Höhle auf einer Insel mit mehreren anderen Kyklopen.

F: Was geschieht, als Odysseus und seine Männer auf die Insel kommen?


A: Als Odysseus und seine Männer auf die Insel kommen, kommen sie zu der Höhle, in der Polyphemos lebt. Er hält sie in seiner Höhle gefangen, indem er einen Felsbrocken vor den Eingang legt und auch einige von Odysseus' Männern frisst.

F: Wie entkommen Odysseus und seine Männer vor Polyphemos?


A: Um Polyphemos zu entkommen, sagt Odysseus ihm, dass sein Name "Niemand" ist und gibt ihm Wein zu trinken. Als er schläft, nehmen Odysseus und seine Männer ein Holzscheit aus dem Feuer, formen es zu einer Spitze und stoßen es in das einzige Auge des Kyklopen, Polyphemos, damit er sie nicht mehr sehen kann. Dann halten sie sich an der Unterseite der Schafe fest, die von Polyphemos aus der Höhle gelassen werden, damit sie entkommen können.

F: Was macht Odysseus, wenn er entkommt?


A: Als er entkommt, ruft Odysseus wütend Polyphemos zu, dass er für die Zerstörung seines Auges verantwortlich sei. Als er weggeht, verspottet er ihn, was als Hybris angesehen wird.

F: Was tut Poseidon aus Rache für das, was mit Polyphemos geschehen ist?


A: Als Rache für das, was Polyphemos widerfahren ist, bittet Poseidon ihn, dass alle Männer von Odyssesu sterben sollen und dass Odyssesu erst nach zehn Jahren nach Hause kommen soll - was, wie in der Odyssee erzählt wird, wahr wird.


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