Serket (auch geschrieben Selket, Selkis oder Serqet) war eine altägyptische Göttin, die vor allem als Skorpion verehrt wurde. Sie verkörperte eine doppelte Natur: einerseits konnte sie Menschen stechen und so Bestrafung oder Gefahr darstellen, andererseits galt sie als mächtige Heilerin gegen Skorpionstiche, Schlangenbisse und andere Gifte. Deshalb wurde sie im Volksglauben häufig angerufen, wenn jemand von einem giftigen Tier gebissen worden war.
Darstellung und Symbole
In der Kunst erscheint Serket entweder in der Gestalt eines Skorpions oder als Frau mit einem Skorpion auf dem Kopf. Ihr Erscheinungsbild wurde auf Amuletten, Särgen und Grabwänden wiedergegeben, um den Schutz der Verstorbenen und Lebenden zu sichern. Skorpionamulette dienten im Alltag und in der Bestattungskultur als Schutz gegen Gift und böse Mächte.
Funktionen als Heilerin und Beschützerin
Serket wurde als Beschützerin gegen Vergiftungen verehrt und in Schriften und Ritualen angerufen, um Wunden zu heilen oder Tote vor schädlichen Kräften zu bewahren. Da sie Schlangenbisse heilen konnte, wurde sie oft angerufen, um Schutz vor Schlangen wie dem bösen Schlangengott Apep zu bieten. In diesem Zusammenhang erscheint sie sowohl als Heilgöttin als auch als Wächterin gegen dämonische Gefahren.
Beziehung zur Einbalsamierung und zu den Toten
Viele Opfer giftiger Tierstiche starben im alten Ägypten; daraus resultierte Serkets Rolle als Beschützerin der Toten. Sie wurde mit den Flüssigkeiten und Stoffen in Verbindung gebracht, die beim Einbalsamieren verwendet wurden und eine konservierende Wirkung hatten. Weil ihr Schutz eng mit der Totenpflege verknüpft war, überwachte sie die Zelte der Einbalsamierer und die Aufbewahrung der inneren Organe der Verstorbenen.
Insbesondere war Serket mit dem Kanopengefäss für den Darm verbunden (Kanopengefäss für den Darm, Qebehsenuf). Die vier Kanopengefässe und die zugehörigen Schutzgottheiten spielten eine wichtige Rolle im ägyptischen Totenkult; Serket galt als eine der göttlichen Beschützerinnen dieser Gefässe.
Kult, Priesterschaft und Synkretismus
Für Serket sind keine grossen, eigenen Tempelbauten überliefert; ihr Kult fand vor allem lokal und im Rahmen bestattungsbezogener Rituale statt. Dennoch gab es Priester und Priesterinnen, die ihren Dienst verrichteten und Schutzinschriften sowie Amulette herstellten. In der religiösen Entwicklung des Alten Ägyptens verschmolz Serket in bestimmten Regionen mit anderen Göttinnen wie Aset (Isis), Nebet Het (Nephthys) und Neith. Später wurde sie oft im Synkretismus mit Isis verehrt und trat in manchen Quellen weniger als eigenständige Gottheit, sondern als Aspekt größerer Göttinnenfiguren auf.
Bedeutung
Serket bleibt ein anschauliches Beispiel für die ambivalente Vorstellung von Schutzgottheiten im alten Ägypten: Eine Gestalt, die selbst gefährlich sein konnte, zugleich aber Schutz und Heilung gegen genau diese Gefahr brachte. Ihr Bild als Skorpion und als Beschützerin der Einbalsamierer und Kanopengefässe macht sie zu einer wichtigen Figur sowohl im Alltagsglauben als auch in der Bestattungskultur des alten Ägypten.

