Das Auenland ist ein fiktiver Schauplatz und Teil der Legende des britischen Autors J. R. R. Tolkien. Es erscheint vor allem in den Romanen Der Hobbit und Der Herr der Ringe und bildet den Heimatraum vieler zentraler Figuren dieser Werke.
Das Auenland liegt im Nordwesten von Mittelerde, einem der Kontinente der fiktiven Welt Arda, in deren Geschichte Tolkiens Legende entfaltet wird. Es befindet sich innerhalb der großen Region Eriador, auf dem Gebiet, wo früher das Königreich Arnor bestand. Das Auenland wird fast ausschließlich von Hobbits bewohnt, einer menschenähnlichen, aber kleiner gewachsenen Volksgruppe. Die Geschichte des Auenlandes beginnt offiziell in der Mitte des Dritten Zeitalters, ist jedoch weitgehend ruhig und unaufgeregt – die Bewohner führen ein ländliches, friedliches Leben und mischen sich kaum in die großen politischen Ereignisse Mittelerdes, mit Ausnahme der Geschehnisse um den Ringkrieg.
Obwohl das Auenland im Roman Der Hobbit nicht ausdrücklich als zusammenhängende Region beschrieben wird, entwickelte Tolkien schon während dieser Zeit eine Vorstellung davon. Die heutige, ausführliche Form des Auenlandes entstand „offiziell“ bei der Abfassung des ersten Kapitels von Der Herr der Ringe. Als literarische Vorlage diente dem Autor unter anderem seine Kindheitserinnerung an die Gegend um Sarehole in Birmingham, wo er aufwuchs.
Geographie und Gliederung
Das Auenland ist eine fruchtbare, hügelige Landschaft mit Feldern, Wiesen, Hecken und bäuerlichen Dörfern. Es wird von Flüssen durchzogen, der wichtigste ist der Brandywein (Baranduin), der die östliche Grenze zu Buckland markiert. Das Gebiet ist traditionell in vier „Farthings“ unterteilt: West-, East-, North- und Southfarthing. Daneben werden Gebiete wie Buckland (östlich des Brandywein) und die sogenannte Westmark bzw. die äußeren Gebiete manchmal gesondert genannt.
Geschichte und Herkunft der Hobbits
Die Hobbits selbst haben einen langen Wanderungsweg hinter sich: Von ihren Ursprüngen östlich der Anduin-Wälder wanderten verschiedene Hobbitstämme (die Harfoots, Fallohides und Stoors) nach Westen. Im Jahr 1601 des Dritten Zeitalters führten die Siedler Marcho und Blanco die letzte große Gruppe von Hobbits in das Gebiet des späteren Auenlandes, womit dessen dauerhafte Besiedlung begann.
Gesellschaft, Lebensweise und Sprache
Die Gesellschaft des Auenlandes ist bäuerlich und lokal organisiert. Hobbits sind bekannt für ihre Liebe zu Landwirtschaft, Gärten, gutem Essen, Bier und Tabak (Pfeifenkraut). Die meisten Dörfer sind autark und die Menschen pflegen Nachbarschaftsbeziehungen und feste Traditionen. Politisch gibt es einige lokale Ämter: der Thain (ursprünglich die militärische Führung der Hobbits, oft in der Familie Took), der Bürgermeister von Michel Delving (eine Art ziviler Verwaltungschef) und die Schiriffs, die für Ordnung sorgen.
Sprachlich wird im Auenland in Tolkiens Erzählung die Gemeinsprache (Westron) gesprochen; Tolkien „übersetzt“ diese in seine englischen Texte, weshalb die Namen und Begriffe im Buch englisch klingen. Hobbits pflegen auch eigene Familiennamen und Ortsbezeichnungen, viele davon liebevoll und humorvoll gestaltet.
Bedeutende Orte
- Hobbiton – ein wohlgeordnetes Dorf mit dem bekannten Beutel (Bag End), Wohnsitz von Bilbo und später Frodo Beutlin.
- Bywater – nahe Hobbiton gelegen, häufig in Verbindung mit Duellen und Festen genannt.
- Michel Delving – die „Hauptstadt“ des Auenlandes, Sitz des Bürgermeisters und des Hofes der Shire-Gesetze.
- Buckland – das Gebiet östlich des Brandywein, das von den Brandybucken bewohnt wird und eine etwas eigenständige, schelmische Kultur hat.
- Tuckborough und die Took-Lande – historisch mit den Tooks verbunden, einem Zweig der Hobbits, die für ihre Abenteuerlust bekannt sind.
Das Auenland im Ringkrieg
In der erzählten Geschichte bleibt das Auenland lange vom großen Krieg Mittelerdes unberührt. Das ändert sich jedoch während der Ereignisse von Der Herr der Ringe: viele Hobbits nehmen aktiv teil, indem sie nach Bruchtal und darüber hinaus reisen. Nach der Rückkehr aus dem Krieg erleben die Hobbits im »Säuberung des Auenlandes« (The Scouring of the Shire) eine kurze, schmerzhafte Episode der Zerstörung und Entfremdung, die sie jedoch weitgehend durch Wiederaufbau, Bestrafung der Verantwortlichen und Rückbesinnung auf traditionelle Werte überwinden.
Tolkien und seine Inspirationen
Tolkien schöpfte für das Auenland aus seinen Kindheitserinnerungen an die ländliche Umgebung um Sarehole und die Vororte von Birmingham, sowie aus seiner Liebe zur englischen Landschaft, zum bäuerlichen Leben und zum lokalen Brauchtum. Seine detailreichen Karten, Genealogien und Notizen zeigen, dass er dem Auenland eine behutsam ausgearbeitete Topographie, Geschichte und Kultur gegeben hat – gerade weil die Bewohner so sehr das Gegenteil von epischem Heldenmut darstellen.
Zusammenfassung
Das Auenland ist mehr als nur die Heimat einiger Hauptfiguren; es ist ein literarischer Gegenpol zu den großen Schauplätzen und Schlachten Mittelerdes: ein Ort der Einfachheit, des Genusses und der kleinen Freuden, der Tolkien erlaubte, Themen wie Heimat, Tradition, Wandel und die Folgen großer Ereignisse aus der Perspektive gewöhnlicher Menschen zu beleuchten.


