Sizilien[p] ist die größte Insel im Mittelmeer. Zusammen mit einigen kleineren Inseln ist sie eine autonome Region Italiens. Die Hauptstadt Siziliens ist Palermo. Die Einwohnerzahl lag 2004 bei etwa 5.087.000 (über 5 Millionen). Sizilien ist die größte Region Italiens.
Phönizier und Griechen kolonisierten die Insel im 8. Jahrhundert v. Chr. und führten dort manchmal Kriege. Karthago kontrollierte den größten Teil der Insel, bis das alte Rom sie eroberte. In späteren Jahrhunderten kämpften Sarazenen gegen die byzantinischen Griechen, und Normannen beherrschten die Insel für einige Jahrhunderte. Garibaldi im Risorgimento eroberte sie und brachte sie in das Königreich Italien.
Geographie und Verwaltung
Sizilien hat eine Fläche von etwa 25.711 km² und liegt an der Südspitze des italienischen Stiefels. Die Insel trennt das westliche vom östlichen Mittelmeer; zwischen Sizilien und dem italienischen Festland liegt die Straße von Messina. Zur Region gehören mehrere Inselgruppen wie die Ägadischen Inseln, die Äolischen Inseln, die Pelagischen Inseln und Ustica.
Administrativ ist Sizilien in neun Provinzen bzw. Metropolitanstädte gegliedert, darunter Palermo, Catania und Messina. Seit 1946 hat Sizilien den Status einer Regione a statuto speciale mit umfassenden Autonomierechten.
Wichtige natürliche Merkmale
Die Insel ist landschaftlich sehr vielfältig: im Norden finden sich gebirgige Regionen (z. B. die Nebrodi- und Madonie-Berge), im Inneren das Hochebenenland um Enna und im Osten der aktive Vulkan Ätna, einer der höchsten und aktivsten Vulkane Europas (ca. 3.300 m, schwankend je nach Ausbrüchen).
Kurzüberblick zur Geschichte (erweitert)
Die beiden oben genannten Abschnitte geben die Grundzüge der langen Geschichte Siziliens wieder. Ergänzend lässt sich sagen, dass nach den normannischen Herrschern im 11.–12. Jahrhundert das Königreich Sizilien eine wichtige Mittelmeerprovinz bildete. Es durchlief danach Phasen unter staufischer (Hohenstaufen), angevinischer und aragonesischer Herrschaft und war später Teil der spanischen Besitzungen. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte Sizilien zeitweise zu den Bourbonen-Herrschaften (Königreich der Zwei Sizilien), bevor Garibaldi die Insel 1860 im Rahmen des Risorgimento für die italienische Einigung gewann. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Sizilien seine heutige Autonomie.
Kultur, Sprache und Küche
Sizilien hat eine reiche, vielfach geschichtete Kultur: griechische Tempel, römische Villen, arabisch-normannische Bauwerke und barocke Städte zeugen von den vielen Einflüssen. Die traditionelle Umgangssprache ist Italienisch; daneben wird auf der Insel ein eigenständiger sizilianischer Dialekt (Sizilianisch) gesprochen, der starke arabische, griechische und spanische Elemente enthält.
Die sizilianische Küche ist bekannt für ihre Vielfalt und Frische. Typische Spezialitäten sind unter anderem:
- Arancini (gefüllte Reisbällchen),
- cannoli (gefüllte Teigröllchen),
- pasta alla Norma,
- Granita und frische Meeresfrüchte.
Wirtschaft und Gesellschaft
Die Wirtschaft Siziliens stützt sich vor allem auf Landwirtschaft (Zitrusfrüchte, Oliven, Weinbau, Gemüse), Fischerei, Tourismus und in einigen Regionen Industrie sowie Dienstleistung. Trotz reichhaltiger Ressourcen ist die Region mit strukturellen Problemen konfrontiert: vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung junger Menschen und regionale Entwicklungsunterschiede bleiben Anliegen der Politik.
Historisch und gesellschaftlich ist die Insel auch durch das Problem der organisierten Kriminalität geprägt gewesen; in den letzten Jahrzehnten gab es aber verstärkte Anstrengungen von Staat und Zivilgesellschaft, Korruption und Mafia-Strukturen zu bekämpfen.
Sehenswürdigkeiten und Naturschutz
Sizilien bietet viele kulturhistorische und natürliche Sehenswürdigkeiten. Zu den wichtigsten zählen:
- das Tal der Tempel bei Agrigent,
- die archäologischen Stätten von Syrakus und dem griechischen Theater,
- die Villa Romana del Casale mit ihren Mosaiken,
- das Arabisch‑normannische Ensemble von Palermo und Monreale,
- der Vulkan Ätna und die Äolischen Inseln,
- verschiedene Naturschutzgebiete wie das Riserva dello Zingaro, die Madonie- und Nebrodi-Gebirge.
Verkehr und Anreise
Sizilien ist gut mit Fähren vom italienischen Festland (z. B. Neapel, Salerno, Villa San Giovanni) erreichbar. Die größten Häfen sind Palermo, Catania und Messina. Wichtige Flughäfen sind Palermo-Punta Raisi (Falcone-Borsellino) und Catania-Fontanarossa, die zahlreiche innere und internationale Verbindungen anbieten. Im Inselinneren gibt es ein Schienennetz und ein Autobahnnetz, das die wichtigsten Städte verbindet.
Klima und beste Reisezeit
Sizilien hat überwiegend ein mediterranes Klima: milde, feuchte Winter und heiße, trockene Sommer. Die Küsten sind im Sommer sehr warm; Frühling und Herbst gelten oft als die angenehmsten Reisezeiten, wenn die Temperaturen moderat sind und die Landschaft blüht.
Sizilien verbindet reiche Geschichte, lebendige Kultur, abwechslungsreiche Landschaften und eine ausgeprägte kulinarische Tradition. Für Besucher und Forschende bietet die Insel zahlreiche Möglichkeiten von Archäologie über Naturwanderungen bis zu kulinarischen Entdeckungen.