Damensitz (Damensattel): Definition, Technik und Wettbewerbe
Damensitz (Damensattel): Definition, Technik & Wettbewerbe – Alles zu Geschichte, Sitztechnik, Ausrüstung und Wertungsklassen für Damen und Junioren im klassischen Reitsport.
Das Reiten im Damensattel (auch Damensitz oder Seitsattel genannt) ist eine traditionelle und spezielle Form des Reitens, bei der die Reiterin seitlich auf dem Pferd sitzt. Statt rittlings mit einem Bein auf jeder Seite des Pferdes zu sitzen, befinden sich beim Damensitz beide Beine auf derselben Seite des Pferdes. Dafür wird ein besonderer Sattel verwendet, der die seitliche Sitzposition sicher und bequem ermöglicht. Historisch diente der Damensattel besonders dazu, eine bescheidene und elegante Körperhaltung zu wahren; heute verbindet man damit sowohl Tradition als auch spezialisierte Turnierdisziplinen.
Aufbau des Damensattels
Der Damensattel unterscheidet sich deutlich vom üblichen rittlings verwendeten Sattel. Er hat eine größere, meist asymmetrische Sitzfläche und eine spezielle vordere Konstruktion, die das seitliche Sitzen stabilisiert. Die Form ist so gestaltet, dass die Reiterin beide Beine geschlossen neben- bzw. hintereinander positionieren kann und trotzdem sicheren Halt hat. Moderne Damensättel sind oft ergonomisch gepolstert und mit Befestigungsmöglichkeiten für Gurte und Steigbügel ausgestattet, damit Sicherheit und Komfort gewährleistet sind.
Technik und Sitz
Wesentliche Elemente des Damensitzes:
- Sitzhaltung: Aufrechter Oberkörper, leicht zurück geneigt, um die Balance zu halten. Hüfte und Rumpf stabilisieren die Position.
- Beinlage: Beide Beine liegen geschlossen auf derselben Seite; Fuß oder Schuh kann in einem Steigbügel oder auf einer speziellen Auflage ruhen.
- Gewichtsverteilung: Das Körpergewicht wird zentriert auf der Sitzfläche verteilt; feine Gewichts- und Schenkelhilfen lenken das Pferd.
- Hilfen: Die Zügel- und Schenkelhilfen entsprechen denen im rittlings Reiten, werden jedoch hinsichtlich Wirkung und Winkel an die seitliche Sitzposition angepasst.
Auf- und Absteigen
Auf- sowie Absteigen erfolgen üblicherweise von einer erhöhten Stelle (Mounting Block) oder – bei trainierten Pferd und erfahrenen Reiterinnen – auch vom Boden. Typischer Ablauf:
- Positionieren des Pferdes dicht am Aufstiegspunkt.
- Fester Stand mit beiden Zügeln in einer Hand zur Sicherung.
- Einsteigen mit dem äußeren Bein zuerst in den Sattel und vorsichtiges Hinschwingen der Hüfte, bis die seitliche Sitzposition erreicht ist.
- Beim Absteigen umgekehrt: langsam und kontrolliert Gewicht verlagern, von der Seite abrollen und sicheren Stand einnehmen.
Ausrüstung und Kleidung
Traditionell gehört zum Damensattel spezielle Kleidung wie ein Reitrock oder eine Reithose, die das seitliche Sitzen ergänzt. Heute variieren die Kleidungsstücke je nach Anlass:
- Historische/klassische Turniere: Reitkostüm, lange Röcke oder Reithabit.
- Praktisches Training: moderne, enganliegende Reithosen, die Bewegungsfreiheit und Sicherheit bieten.
- Schutz: Reithelm (Pflicht bei vielen Veranstaltungen), Handschuhe, ggf. Schutzwesten.
Wettbewerbe und Klassen
Wettbewerbe im Damensattel sind in vielen Ländern Teil klassischer Reitturniere und Sonderklassen. Üblich sind unter anderem:
- Show-Klassen: Präsentation von Sitz, Haltung und Eleganz.
- Dressur im Damensattel: Gezielte Lektionen, bei denen die Hilfen und die Wirkung des seitlichen Sitzes bewertet werden.
- Praktische Prüfungen: Parade, Gangarten-Übergänge, Sicherheit beim Auf-/Absteigen.
Oft werden Wettbewerbe in Altersklassen unterteilt, z. B. Junior- und Senior-Klassen, damit Einsteigerinnen, Jugendliche und erfahrene Reiterinnen fair bewertet werden. Bewertet wird typischerweise Sitz und Einwirkung auf das Pferd, Schönheitsbild, Pferdevorstellung und korrekte Ausführung der Aufgaben.
Beurteilungskriterien
Richter achten besonders auf:
- Stabilität und Ausgewogenheit der Reiterin.
- Wirkung der Hilfen bei gleichzeitiger Schonung des Pferdes.
- Ästhetik und klassische Linienführung (vor allem in Show- und Kostümprüfungen).
- Anmutige und sichere Handhabung beim Auf- und Absteigen.
Sicherheit und Ausbildung
Da der Damensitz andere Hebelwirkungen und Balanceanforderungen hat als das rittlings Reiten, ist eine gezielte Ausbildung wichtig:
- Schrittweiser Aufbau: zunächst am Boden Sitzübungen und Balance trainieren, dann an der Longe, schließlich in alle Gangarten.
- Einführung durch erfahrene Ausbilderinnen oder in spezialisierten Kursen.
- Verwendung eines passenden Sattels und geprüfter Ausstattung.
Moderne Bedeutung und Tradition
Der Damensattel hat eine lange kulturelle Tradition, erlebt aber auch heute noch eine Renaissance in historischen Reitvorführungen, traditionellen Jagd- oder Paradeveranstaltungen sowie speziell ausgerichteten Turnieren. Viele Reiterinnen schätzen die Verbindung aus Eleganz, Technik und historischer Kontinuität. Gleichzeitig entwickeln Hersteller moderne Varianten, die Komfort und Sicherheit verbessern, sodass der Damensattel sowohl für Reenactment als auch für den Freizeit- und Turniersport genutzt wird.
Tipps für Einsteigerinnen
- Beginnen Sie in einer Reitschule mit erfahrenen Trainerinnen, die Damensattelunterricht anbieten.
- Nutzen Sie einen Mounting Block und trainieren Sie Auf-/Absteigen separat.
- Arbeiten Sie an Rumpfstabilität und Balance (z. B. Gymnastik, Pilates).
- Wählen Sie einen gut sitzenden, geprüften Damensattel und tragen Sie angemessene Schutzkleidung.
Der Damensitz verbindet Technik, Tradition und Stil. Mit angemessener Ausbildung, passender Ausrüstung und Rücksicht auf das Pferd lässt sich diese besondere Reitweise sicher und elegant ausüben.

Frau reitet in einer modernen englischen Damensattelklasse.
In der Geschichte
Frauen, die neben einem Pferd sitzen und reiten, gibt es schon seit der Antike. Später wurde es im Mittelalter in den europäischen Ländern populär. Dies gab Frauen, die Röcke trugen, die Möglichkeit, auf bescheidene Weise auf einem Pferd zu reiten und gleichzeitig ihre schicke Kleidung zu tragen. Bei einigen modernen Reitern ist es immer noch beliebt.

Katharina die Große im Damensattel von Georg Christoph Grooth (1716-49)
Suche in der Enzyklopädie