Straight Pool, auch 14.1 Continuous oder einfach 14.1 genannt, ist ein Taschenbillardspiel (Pool). Es war die übliche Sportart des Meisterschaftswettbewerbs, bis schnellere Spiele wie Neunball und in geringerem Maße auch Acht-Ball populärer wurden. Dies ist das klassische Spiel aus der Geschichte des Billards. Das Spiel war besonders in den Vereinigten Staaten beliebt und war Gegenstand des klassischen Films The Hustler aus dem Jahr 1961.
Beim Straight Pool kann die schießende Person versuchen, jede beliebige Kugel auf dem Tisch zu versenken. Ziel des Spiels ist es, eine bestimmte Anzahl von Punkten zu erreichen. Die Anzahl der Punkte, die zum Sieg erforderlich sind, wird vor dem Spiel vereinbart. Für jede Kugel, die legal (d.h. ohne ein Foul) versenkt wird, wird ein Punkt erzielt. Für ein typisches Spiel könnte ein Spieler 100 Punkte erzielen müssen. Das bedeutet, dass mindestens 100 Kugeln versenkt werden müssen, um zu gewinnen. Im professionellen Wettbewerb wird Straight Pool normalerweise bis 150 Punkte gespielt. Straight Pool ist ein Call-Pocket-Spiel. Das bedeutet, dass der Spieler bei jedem Stoß die Tasche aufrufen muss, in die er die Kugel versenken will. Dabei spielt es keine Rolle, wie die Kugeln in die Tasche gelangen. Solange kein Foul vorliegt und die Kugeln in die Tasche gehen, die aufgerufen wird, wird ein Punkt erzielt.
Straight Pool ist in den Vereinigten Staaten, Europa, Japan und den Philippinen gut bekannt, aber anderswo ist das Spiel undurchsichtiger geworden. Der wahrscheinlich größte Spieler aller Zeiten (nach Profi-Statistiken), Willie Mosconi, hielt über Jahrzehnte den berühmten Rekordlauf des Spiels.
Grundprinzip und Spielverlauf
Ein Straight-Pool-Spiel beginnt mit einem Dreieck aus 15 Objektkugeln, wie beim klassischen Pool. Anders als bei Spielen wie 8-Ball oder 9-Ball darf der Spieler jedoch jede beliebige Kugel anspielen und muss diese - wenn er sie versenken will - vor dem Stoß die Tasche nennen (call shot).
Ein Lauf (Run) besteht darin, möglichst viele Kugeln nacheinander zu versenken, ohne die Aufnahme zu verlieren. Jeder versenkte Ball bringt einen Punkt. Wenn ein Spieler die vereinbarte Punktzahl erreicht oder überschreitet, gewinnt er das Spiel.
Racking und die Besonderheit „14.1 Continuous“
Der Name „14.1 Continuous“ erklärt sich folgendermaßen: Im Verlauf eines hohen Laufs werden in der Regel 14 Kugeln versenkt und danach die versenkten 14 Kugeln neu gerackt, während die 15. Kugel sowie die weiße Kugel auf dem Tisch verbleiben. Der Spieler versucht nun, diese verbleibende Kugel („Breakball“) in eine Tasche zu spielen und gleichzeitig das frisch gerackte Dreieck aufzubrechen, um den Lauf fortzusetzen. Gelingt dies, setzt der Spieler seinen Lauf fort und kann erneut bis zu 14 Kugeln versenken, worauf das Racking wiederholt wird.
Beim Neuaufbau der Kugeln wird in der Regel die Spitze des Dreiecks über dem Fußpunkt positioniert, wobei eine Lücke bleibt, an der die verbleibende 15. Kugel liegt. Genaues Vorgehen und erlaubte Hilfsmanöver beim Aufbrechen des Racks sind oft in den Turnierregeln festgelegt.
Regeln und Fouls (Übersicht)
- Call-Pocket: Der Spieler muss vor dem Stoß angeben, welche Kugel in welche Tasche gespielt werden soll. Turnierregeln legen genau fest, welche Arten von Ansagen erforderlich sind.
- Zählweise: Jede legal versenkte Kugel = 1 Punkt. Ziel ist die vorher vereinbarte Punktzahl (z. B. 100 oder 150).
- Fouls: Übliche Fouls sind Scratch (weiße Kugel fällt in die Tasche), Fehlen einer Objektkugel, kein Bandkontakt nach Berührung (je nach Regelauslegung muss nach dem Kontakt eine Objektkugel oder die weiße Kugel eine Bande berühren) sowie Doppeltreffer oder Schubstöße. Normalerweise wird für ein Foul ein Punkt abgezogen.
- Dreifach-Foul: Viele Regelwerke sehen eine zusätzliche Strafe vor, wenn ein Spieler drei aufeinanderfolgende Fouls begeht (z. B. zusätzliche 15-Punkte-Strafe). Die genaue Höhe und Handhabung hängt von der Turnierordnung ab.
- Eröffnungsstoß: Auch für den ersten Stoß am Spielanfang gelten spezielle Anforderungen (z. B. ein versenkter Ball oder Mindestens zwei Objektkugeln müssen Banden berühren). Wird die Eröffnungsbedingung nicht erfüllt, kann das als Foul gewertet werden.
Taktik und typische Spielweisen
Straight Pool ist stark positionsorientiert: Es geht weniger um spektakuläre Breaks als um beständige Kontrolle und Planung mehrerer Stöße im Voraus. Wichtige Elemente sind:
- Pattern-Spiel: Planung der Reihenfolge, in der Kugeln versenkt werden, um gute Stellung für die nächsten Bälle zu erhalten.
- Breakball-Strategie: Den Lauf so zu managen, dass man eine günstige Lage hat, wenn 14 Kugeln versenkt sind und der Rack-Aufbruch ansteht.
- Safeties: Defensives Spiel ist häufig; ein gut gespielter Safety kann den Gegner zu Fehlern zwingen und die Kontrolle wiederherstellen.
- Konsequente Position: Kleine, präzise Stöße sind oft wirksamer als Kraftschüsse – das Spiel belohnt saubere Cueball-Kontrolle.
Geschichte und Rekorde
Straight Pool entwickelte sich im 19. Jahrhundert und war viele Jahrzehnte lang die dominierende Disziplin im Wettkampfbillard, besonders in den USA. Berühmte Spieler des Genres sind neben Willie Mosconi auch später wirkende Experten, die das Kunststück großer Runs demonstrierten.
Willie Mosconi (1913–1993) ist eine der bekanntesten Figuren des Straight Pool; sein offizieller Rekordlaufruns von 526 Kugeln, erzielt 1954, galt jahrzehntelang als Meilenstein. In den vergangenen Jahren wurden in nicht immer einheitlich sanktionierten Marathon-Versuchen höhere Läufe erzielt; Rekordangaben können je nach Quelle variieren. Wichtig ist: Mosconis Lauf und seine Präzision machten Straight Pool einem breiten Publikum bekannt.
Turniere, Spielorte und Ausstattung
Traditionell wird Straight Pool auf 9-Fußtischen (Turniertisch) gespielt, manchmal auch auf 10-Fuß-Varianten, mit Turnierkugeln und -tüchern. In vielen Profi- und Amateurturnieren gibt es eigene Regelwerke (etwa WPA oder nationale Verbände), die Feinheiten wie Racking, Fouls und Platzierung der weißen Kugel nach einem Foul regeln.
Tipps für Einsteiger
- Lerne präzise Cueball-Kontrolle: kurze, gezielte Stöße verbessern die Position deutlich.
- Arbeite an Pattern-Planung: übe Reihenfolgen, in denen mehrere Bälle nacheinander in günstiger Stellung sind.
- Übe das Aufbrechen eines neu gerackten Dreiecks (Breakball-Situationen).
- Studien von Aufnahmen (Runs) erfahrener Spieler helfen, strategisches Denken zu entwickeln.
Wichtiger Hinweis zu Regelvarianten
Die genauen Regeln können je nach Verband und Turnier unterschiedlich sein. Insbesondere Bestimmungen zu Eröffnungsstoss, Anforderungen für einen legalen Stoss, Strafen bei Dreifach-Foul und das genaue Vorgehen beim Neu-Racken können variieren. Wer regelmäßig wettkampfmäßig spielen möchte, sollte sich die jeweils gültigen Turnierregeln (z. B. WPA/BCA oder nationale Regelwerke) genau ansehen.
Straight Pool bleibt wegen seiner taktischen Tiefe und der Herausforderung, lange Runs aufzubauen, eine geschätzte Disziplin unter erfahrenen Spielern und Puristen des Billardsports.

