Synonyme in der Taxonomie: Definition, Regeln & Beispiele

Synonyme in der Taxonomie: Definition, Regeln & Beispiele – Klar erklärt: gültige Namen vs. Junior-Synonyme, Regeln in Botanik & Zoologie mit anschaulichen Beispielen.

Autor: Leandro Alegsa

Synonyme in der Taxonomie bezeichnen, ähnlich wie im allgemeinen Sprachgebrauch, verschiedene Namen für dieselbe biologische Einheit innerhalb einer wissenschaftlichen Klassifikation. Häufig entstehen mehrere Namen für dieselbe Art, weil sie unabhängig voneinander beschrieben wurden, spätere Revisionen die Auffassung über Artenzuschnitte änderten oder weil sich die Regeln der Nomenklatur weiterentwickelt haben. Zum Beispiel werden Hauskatzen in der Literatur mit mehreren wissenschaftlichen Namen genannt: Felis silvestris catus, Felis catus und Felis catus domestica.

Was bedeutet „Synonym“ in Botanik und Zoologie?

Die Begriffe sind in Botanik und Zoologie ähnlich, haben aber unterschiedliche formale Ausprägungen:

  • Botanik (ICN): Es gibt einen gültigen oder „rechten“ Namen für eine Pflanze; alle anderen korrekt publizierten Namen für dieselbe taxonomische Einheit gelten als Synonyme. Dabei unterscheidet man u. a. zwischen homotypischen (nomenklatorischen, dieselbe Typusangabe, Basissynonym/Basionym) und heterotypischen (taxonomischen) Synonymen.
  • Zoologie (ICZN): Man spricht vom gültigen Namen (valid name) einer Tierart; alle anderen verfügbaren Namen, die für dieselbe Art gelten, werden meist als Junior-Synonyme bezeichnet. Zusätzlich werden objective (gleiches Typusexemplar) und subjective Synonyme unterschieden.

Wichtige Regeln und Prinzipien

  • Prioritätsprinzip: Im Kern beider Codes (ICN, ICZN) steht das Prinzip der Priorität — der älteste korrekt publizierte Name hat grundsätzlich Vorrang vor späteren Namen, sofern er nicht durch spezielle Maßnahmen außer Kraft gesetzt wurde.
  • Typifizierung: Namen sind an Typusexemplare (Typen) gebunden. Ob zwei Namen synonym sind, hängt oft davon ab, ob ihre Typen dieselbe taxonomische Einheit repräsentieren.
  • Verfügbarkeit und Legitimität: Ein zoologischer Name muss „available“ (verfügbar) sein, ein pflanzlicher Name „validly published“ (gültig veröffentlicht). Namen, die formale Voraussetzungen nicht erfüllen, sind keine echten Synonyme, sondern ungültig bzw. unavailable.
  • Konservierung und Ablehnung: Um Stabilität zu gewährleisten, erlauben die Codes die konservierung (nomen conservandum) oder Ablehnung (nomen rejiciendum) bestimmter Namen, sodass ausnahmsweise ein jüngerer Name bevorzugt werden kann.
  • Homonyme: Wenn zwei Arten denselben Namen tragen (Homonyme), ist der spätere Name ungültig und muss ersetzt werden; dies ist eine andere Ursache für Namensänderungen als Synonymie.

Arten von Synonymen — kurz erklärt

  • Homotypische (nomenklatorische) Synonyme: Dieselbe Typuseinheit, unterschiedliche Namen durch spätere Kombinationen oder Umsetzungen (häufig in der Botanik; Basionym-Konzept).
  • Heterotypische (taxonomische) Synonyme: Verschiedene Typen wurden später als dieselbe Art interpretiert (häufig durch „Lumping“ nach Revision).
  • Seniority (Zoologie): „Senior synonym“ (ältester Name) und „Junior synonyms“ (jüngere Namen) — der Senior hat normalerweise Vorrang.
  • Objective vs. subjective: Objektive Synonyme beruhen auf demselben Typus; subjektive Synonyme resultieren aus taxonomischer Interpretation (Meinungsfrage der Systematiker).

Warum entstehen Synonyme?

  • Unabhängige Erstbeschreibungen derselben Art durch verschiedene Autoren.
  • Neue Erkenntnisse aus Morphologie, Genetik oder Geographie, die zuvor getrennte Arten zusammenführen (Lumping) oder aufspalten (Splitting).
  • Änderungen in der Interpretation des Artenbegriffs oder in taxonomischen Konzepten.
  • Fehlerhafte oder unvollständige Erstbeschreibungen, die später korrigiert werden.

Beispiele

Bereits genanntes Beispiel bei den Katzen: Felis silvestris catus, Felis catus und Felis catus domestica sind verschiedene Belege dafür, wie Namen historisch nebeneinander existieren können.

In der Botanik ist ein weiteres Beispiel die Umbenennung einer Palme: Daemonorops draco wird als korrekter Name einer Palmenart genannt, während Calamus draco als Synonym für dieselbe Art aufgeführt wird — das zeigt, dass dieselbe Art in verschiedenen Gattungen oder Kombinationen geführt wurde.

Praktische Hinweise für Nutzer und Forscher

  • Verwenden Sie in wissenschaftlichen Publikationen stets den aktuell anerkannten/gültigen Namen, geben Sie aber wichtige Synonyme in der Diagnose oder Literaturliste an, damit Nachforschungen möglich sind.
  • Beim Sammeln älterer Literatur prüfen Sie Synonyme, um alle relevanten Informationen zu einer Art zusammenzuführen.
  • Datenbanken wie IPNI, Tropicos, Catalogue of Life, GBIF oder WoRMS listen oft akzeptierte Namen und ihre Synonyme und sind nützliche Nachschlagewerke.

Zusammenfassung

Synonyme in der Taxonomie sind ein natürlicher Teil des wissenschaftlichen Prozesses. Sie entstehen durch neue Erkenntnisse, unabhängige Beschreibungen oder Nomenklaturänderungen. Während Botanik und Zoologie ähnliche Konzepte verwenden, unterscheiden sich Details (z. B. Terminologie und Code-Regelungen). Zentral sind das Prioritätsprinzip, die Typusbindung und die Kodizes (ICN, ICZN), die helfen, langfristig Stabilität und Klarheit in den Namen der Organismen zu gewährleisten.



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