Der Mikado oder Die Stadt Titipu ist eine Operette in zwei Akten. Das Buch und der Text wurden von W. S.Gilbert geschrieben. Die Musik wurde von Arthur Sullivan geschrieben. Die Operette wurde am 14. März 1885 am Savoy Theatre in London mit der D'Oyly Carte Opera Company uraufgeführt.
Der Mikado ist die neunte der vierzehn Operetten von Gilbert und Sullivan. In der Originalaufführung wurden 672 Vorstellungen gegeben. Dies war die längste Originalaufführung einer Gilbert-und-Sullivan-Operette.
Zur Zeit der Entstehung der Operette war London mit allem Japanischen überhäuft: Teeläden, Kimonos, Fächer usw. Gilbert berichtete, dass er auf die Idee zu Der Mikado kam, als ein japanisches Schwert von der Wand seines Arbeitszimmers fiel.
Handlung (Kurzfassung)
Die Operette spielt in der fiktiven Stadt Titipu im Japan des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum steht die Liebesgeschichte zwischen Nanki-Poo, dem Sohn des Mikado (des Kaisers), der als wandernder Minnesänger unterwegs ist, und Yum-Yum, einer jungen Witwe aus Titipu. Die Liebenden sehen sich durch Standesregeln, verkleidete Identitäten und die bürokratischen Absurditäten der Stadt behindert. Ko-Ko, der frühere Schneider und nun Lord High Executioner von Titipu, versucht, seine Stellung zu behalten, während der überhebliche Pooh-Bah zahlreiche Ehrentitel innehat. Die drohende Anwendung der Todesstrafe – eigentlich eine Parodie – und die skurrilen Verwicklungen führen zu komischen Situationen, bis schließlich alle Missverständnisse geklärt werden.
Hauptfiguren
- Der Mikado – der Kaiser von Japan, eine respektable und zugleich komisch überzeichnete Figur.
- Nanki-Poo – der Sohn des Mikado, als wandrer Sänger unterwegs, heimlich in Yum-Yum verliebt.
- Ko-Ko – Lord High Executioner von Titipu, zuvor ein Schneider, schlau, opportunistisch und komisch.
- Yum-Yum – die junge Frau, Objekt der Zuneigung von Nanki-Poo.
- Pooh-Bah – Träger vieler Hofämter, ein Symbol für Bürokratie und Selbstherrlichkeit.
- Katisha – eine ältere, ernsthafte Dame, die eine wichtige Rolle im Finale spielt.
Musik und bekannte Nummern
Sullivans Musik verbindet leichte, eingängige Melodien mit feiner Orchestrierung und brillantem Ensemblegesang. Zu den bekanntesten Nummern gehören:
- "A Wand'ring Minstrel I" – Eröffnungsnummer und Thema um Nanki-Poo.
- "Three Little Maids from School" – eingängige Szene der drei jungen Damen (Yum-Yum, Pitti-Sing, Peep-Bo).
- "I've Got a Little List" – Ko-Kos berühmtes Komik-Solo, eine satirische Aufzählung unerwünschter Zeitgenossen.
- Der Mikados eigene Gesangsnummern, die sein majestätisches und zugleich humoristisches Wesen unterstreichen.
Themen und Satire
Der Mikado bedient sich eines exotischen japanischen Rahmens, um britische Gesellschaft, Bürokratie, Heuchelei und politische Spitzfindigkeiten zu verspotten. Gilbert nutzte die vermeintliche Fremdheit als Schutzfolie, um seine scharfen Gesellschaftsbeobachtungen weniger direkt auf das viktorianische England zu beziehen. Die Operette spielt bewusst mit Überhöhung, Ritualen und absurden Formalismen – ein Markenzeichen der Zusammenarbeit von Gilbert und Sullivan.
Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte
Die erfolgreiche Uraufführung 1885 begründete die weltweite Popularität von Der Mikado. Die D'Oyly Carte Opera Company pflegte das Werk über Jahrzehnte in ihrem Repertoire, und zahlreiche Amateur- und Profi-Ensembles führten die Operette weltweit auf. Es entstanden Aufnahmen, Filmfassungen und modernisierte Inszenierungen, die die Musik und den Witz Sullivans und Gilberts bewahrten.
Kontroversen und heutige Aufführungen
In späteren Jahrzehnten geriet Der Mikado wegen seiner stilisierte Darstellung Japans und einzelner Bühnenklischees in die Kritik. Aspekte wie kostümliche „Orientalisierung“ und vereinfachende Stereotype wurden als problematisch bewertet. Moderne Produktionen reagieren unterschiedlich: einige bewahren das traditionelle Bühnenbild und kommentieren historisch-kritisch im Programm, andere verlegen die Handlung in ein fiktives, nicht-asiatisches Umfeld oder adaptieren Kostüm und Regie bewusst, um rassistische Klischees zu vermeiden. Trotz dieser Debatten bleibt die Operette wegen ihrer musikalischen Qualität und ihres beißenden Humors ein fester Bestandteil des Repertoires und gehört zu den bekanntesten Werken von Gilbert und Sullivan.
Bedeutung
Der Mikado ist ein Musterbeispiel der komischen Operette des 19. Jahrhunderts: brillant geschrieben, musikalisch verblüffend leichtfüßig und inhaltlich tiefgründig in seiner Satire. Es ist eines der populärsten Werke des Duos Gilbert & Sullivan und prägt bis heute Vorstellungen davon, wie Gesellschaftssatire in Musiktheater umgesetzt werden kann.

