Vizepräsident des Exekutivrates (Irischer Freistaat): Rolle & Tánaiste
Vizepräsident des Exekutivrates: Funktionen und historische Bedeutung im Irischen Freistaat, Ministerrolle und der Übergang zum Tánaiste – kompakte Übersicht zu Rolle und Macht.
Der Exekutivrat war das Kabinett des irischen Freistaates und wurde vom Präsidenten des Exekutivrates geleitet. Innerhalb dieser Regierungsstruktur gab es das Amt des Vizepräsidenten des Exekutivrates, das die Funktion eines stellvertretenden Regierungschefs erfüllte.
Die Verfassung des irischen Freistaates regelte ausdrücklich, dass der Vizepräsident den Präsidenten des Exekutivrates während dessen Abwesenheit oder bis zur Wahl eines neuen Präsidenten vertreten musste. Das bedeutete konkret, dass der Vizepräsident die Leitung der Regierung vorübergehend übernehmen und deren laufende Geschäfte fortführen konnte, jedoch nicht automatisch als dauerhafter Nachfolger eingesetzt wurde – die Wahl eines neuen Präsidenten blieb Aufgabe des Parlaments.
Da der Exekutivrat mit nur fünf, sechs oder sieben Mitgliedern sehr klein war, übte der Vizepräsident zugleich ein Ministeramt aus und leitete eine der Regierungsabteilungen. In der Praxis war der Vizepräsident also sowohl stellvertretender Regierungschef als auch Fachminister mit eigenen politischen und administrativen Verantwortlichkeiten.
Weder das Ministerium der Irischen Republik noch die Provisorische Regierung hatten zuvor einen stellvertretenden Regierungschef; das Amt des Vizepräsidenten des Exekutivrates war daher eine Neuerung des Freistaats, um Kontinuität und Stellvertretung in der Exekutivleitung sicherzustellen. Prominente Persönlichkeiten des Freistaats übten dieses Amt aus und prägten so dessen praktischen Gebrauch.
Die Ernennung erfolgte innerhalb des Verfahrens zur Bildung der Regierung: der Präsident des Exekutivrates wählte den Vizepräsidenten aus den Mitgliedern des Exekutivrates; die offizielle Bestätigung der Regierung erfolgte dann nach den verfassungsmäßigen Abläufen. Zu den Aufgaben des Vizepräsidenten gehörten neben der Vertretung des Präsidenten auch die Übernahme delegierter Aufgaben und die repräsentative Vertretung der Regierung nach innen und außen, soweit ihm diese Aufgaben übertragen wurden.
Im Jahr 1937 wurde die Verfassung des irischen Freistaates durch Bunreacht na hÉireann ersetzt. Mit dieser neuen Verfassung entfiel das Amt des Vizepräsidenten des Exekutivrates; seine Rolle als stellvertretender Regierungschef und organisatorischer Nachfolger wurde durch den Tánaiste ersetzt. Der Begriff Tánaiste stammt aus dem Irischen und bezeichnet seitdem den/de die stellvertretende/n Chef/in der Regierung in der Republik Irland.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Vizepräsident des Exekutivrates ein pragmatisches Amt zur Sicherung der Regierungsführung im jungen Freistaat war: klein gehalten, mit Doppelrolle als Minister und Stellvertreter, und später in die in der Republik weitergeführte Institution des Tánaiste überführt worden.
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