Der Wilson-Gorman-Tarif von 1894 (auch Einkommenssteuergesetz von 1894 genannt) war ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz, das die Zölle auf bestimmte Importe in die Vereinigten Staaten senkte. In der endgültigen Fassung wurden die Zölle leicht gesenkt, aber eine Reihe anderer Bestimmungen hinzugefügt. Eine davon war eine 2%ige Bundeseinkommenssteuer. Andere Posten wie Kohle, Holz und Wolle wurden der Liste der zollfreien Einfuhren hinzugefügt, während Zucker von der Liste der zollfreien Einfuhren gestrichen wurde (wo er infolge des McKinley-Tarifs von 1890 aufgenommen worden war). Debatten über Zölle waren seit der Gründung Amerikas im Gange. Mit der zunehmenden Industrialisierung der USA wurden die Debatten immer hitziger. Das Gesetz war ein Versuch der Demokraten, dem Land zu helfen, sich von der Panik von 1893, einer schweren wirtschaftlichen Depression, zu erholen. Sie versuchten, dies zu erreichen, indem sie die Zölle senkten und die Einnahmeausfälle durch eine bundesstaatliche Einkommenssteuer auszugleichen. Sie glaubten, wenn die USA die Zölle senkten, würden andere Länder dies auch tun. Sie glaubten auch, sie könnten eine direkte Steuer auf das persönliche Einkommen durchsetzen. Das Gesetz hat keines seiner Ziele erreicht. Ein Jahr später wurde es durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Pollock gegen Farmers' Loan & Trust Co. als verfassungswidrig aufgehoben. Indirekt war der Zoll eine mitursächliche Ursache für den Spanisch-Amerikanischen Krieg.

Hintergrund

Vor 1894 war das Thema Zollpolitik eines der bestimmenden Themen der US-Politik. Der zuvor verabschiedete McKinley-Tarif von 1890 hatte hohe Schutzzölle eingeführt, von denen viele Industriezweige profitierten. Mit der Wirtschaftskrise nach der Panic of 1893 wuchs der Druck, die Importzölle zu senken, um Verbraucherpreise zu senken und den Handel anzukurbeln. Die Demokraten unter Präsident Grover Cleveland verfolgten deshalb eine moderate Reform, die zugleich den Haushalt stabilisieren sollte.

Wesentliche Inhalte des Gesetzes

  • Beschränkte Zollsenkung: Insgesamt wurden viele Schutzzölle nur geringfügig gesenkt; zahlreiche Schutztarife blieben bestehen. Die verabschiedete Fassung war deutlich abgeschwächt gegenüber früheren Vorschlägen.
  • Bundeseinkommenssteuer: Neu eingeführt wurde eine pauschale Bundeseinkommenssteuer von 2 %; sie betraf höhere Einkommen und war als Ausgleich für geringere Zolleinnahmen gedacht.
  • Änderung der zollfreien Liste: Einzelne Rohstoffe wie Kohle, Holz und Wolle wurden zollfrei gestellt, während Zucker von der zollfreien Liste gestrichen wurde – eine politisch heikle Maßnahme mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen, besonders für Produzenten und Märkte in der Karibik und Lateinamerika.

Politische und wirtschaftliche Folgen

Obwohl das Gesetz als Kompromiss gedacht war, löste es starke Kritik auf beiden Seiten des politischen Spektrums aus. Die Abschwächung der ursprünglich geplanten Zollsenkungen enttäuschte viele Reformbefürworter; konservative Schutzinteressen blieben zum großen Teil erhalten. Ökonomisch blieb die Wirkung auf die Erholung von der Depression begrenzt.

Politisch brachte der Wilson-Gorman-Tarif den Demokraten wenig: Bei den Zwischenwahlen 1894 erlitt die Partei eine schwere Niederlage, was als Teil einer allgemeinen Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage gedeutet wurde. Die Auseinandersetzungen um Zucker und andere Produkte trugen außerdem zu internationalen Spannungen bei, die – zusammen mit anderen Faktoren – in den nächsten Jahren indirekt in den Spanisch-Amerikanischen Krieg einflossen.

Rechtliche Folgen und langfristige Bedeutung

Die Einkommenssteuer des Wilson-Gorman-Tarifs wurde 1895 vom Obersten Gerichtshof in Pollock v. Farmers' Loan & Trust Co. als verfassungswidrige direkte Steuer beurteilt. Das Urteil machte klar, dass bestimmte Formen der bundesstaatlichen Einkommensbesteuerung ohne verfassungsändernde Grundlage nicht durchsetzbar waren. Erst mit dem 16. Zusatzartikel zur Verfassung von 1913 wurde die Grundlage für eine dauerhafte und nicht nach Kopfzahl zu verteilende Bundes-Einkommensteuer geschaffen, wie sie heute bekannt ist.

Bewertung

Der Wilson-Gorman-Tarif von 1894 ist ein Beispiel für die Schwierigkeiten, wirtschaftliche Reformen in einer polarisierten politischen Landschaft durchzusetzen. Er zeigt, wie wirtschaftliche Nöte, Interessenkonflikte zwischen unterschiedlichen Wirtschaftsgruppen und verfassungsrechtliche Grenzen zusammenwirken können. Kurzfristig brachte das Gesetz kaum Erleichterung für die Krisenzeit, langfristig aber markierte es einen Schritt auf dem Weg zur modernen US-Einkommensteuer und zur fortlaufenden Debatte über die richtige Balance zwischen Protektionismus und freiem Handel.