Wernicke-Areal: Gehirnareal für Sprachverständnis, Lage & Aphasie

Wernicke-Areal: Lage, Funktion im Sprachverständnis und Wernicke-Aphasie erklärt — Symptome, Ursachen, Diagnose & Therapie kompakt.

Autor: Leandro Alegsa

Das Wernicke-Areal ist ein zentraler Bereich des Gehirns, der wesentlich am Sprachverständnis beteiligt ist. Es gehört — zusammen mit dem Broca-Areal — zu den wichtigsten sprachrelevanten Regionen der Großhirnrinde. Während das Broca-Areal traditionell stärker mit der Sprachproduktion in Verbindung gebracht wird, spielt das Wernicke-Areal eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung und Zuordnung von Bedeutung gesprochener und geschriebener Sprache.

Lage und Anatomie

Das Wernicke-Areal liegt in der dominanten Hemisphäre meist im oberen Bereich des Hinteren des Temporallappens und wird häufig dem Brodmann-Gebiet 22 zugeordnet. Meist handelt es sich dabei um die linke Hemisphäre (bei etwa 95 % der Rechtshänder und etwa 60 % der Linkshänder ist die linke Hemisphäre dominant). Anatomisch umfasst die Region Teile des posterioren superioren Temporalgyrus und benachbarte Areale wie das Planum temporale.

Funktion

  • Sprachverständnis: Verarbeitung von Lautmustern, Zuordnung von Wörtern zu Bedeutungen und semantische Integration von Sätzen.
  • Benennung und Wortabruf: Unterstützung beim Finden passender Wörter (Lexikonzugriff).
  • Lesen und Schreiben: Beiträge zur Verarbeitung geschriebener Sprache (zusammen mit weiteren kortikalen Arealen).

Verbindungen zu anderen Spracharealen

Das Wernicke-Areal steht in engem funktionellen Austausch mit dem Broca-Areal. Diese Verbindung erfolgt über mehrere Faserbahnen:

  • die dorsale Bahn, bekannt als der bogenförmige Fasciculus (arcuate fasciculus), die u. a. phonologische Informationen und die Wiederholungsleistung vermittelt,
  • sowie ventrale Verbindungen, die in den letzten Jahrzehnten detaillierter beschrieben wurden (z. B. über die sogenannte extreme capsule bzw. Fasern wie den inferioren fronto-okzipitalen Fasciculus), die stärker an semantischer Verarbeitung beteiligt sind.

Historische Entdeckung

Wie das Gebiet von Broca wurde auch das Gebiet von Wernicke durch Beobachtungen an Patienten mit Sprachstörungen identifiziert. Der deutsche Neurologe Carl Wernicke beschrieb Patienten, die flüssig, aber inhaltlich entkoppelt sprachen und zugleich starke Verständnisschwierigkeiten hatten. Bei einer Autopsie (Autopsien) fand er Läsionen im hinteren oberen Temporallappen, direkt hinter der Hörrinde. Aus diesen Fällen leitete er die Annahme ab, dass dieses Areal wichtig für das Sprachverständnis ist.

Wernicke-Aphasie: Symptome

Eine Schädigung des Wernicke-Areals führt typischerweise zur sogenannten Wernicke-Aphasie (auch rezeptive Aphasie). Charakteristische Merkmale sind:

  • flüssige, oft grammatikalisch korrekte, aber inhaltlich leere oder sinnentstellte Sprache;
  • häufige Paraphasien (Ersetzen von Wörtern durch ähnlich klingende Wörter oder inhaltlich verwandte Begriffe) und Neologismen;
  • stark eingeschränktes Sprachverständnis — Betroffene können gesprochene Äußerungen oft nicht zuverlässig verstehen;
  • gestörte Wiederholungsleistung und Schwierigkeiten beim Benennen (Anomie);
  • häufige Unkenntnis der eigenen Sprachstörung (Anosognosie);
  • Beeinträchtigungen beim Lesen und Schreiben (z. B. Alexie, Agraphie).

"Wenn Sie einer Person mit diesem Problem eine Frage stellen, wird sie mit einem Satz antworten, der mehr oder weniger grammatikalisch ist, aber Wörter enthält, die wenig mit der Frage oder, was das betrifft, miteinander zu tun haben. Es entstehen seltsame, bedeutungslose, aber grammatikalische Sätze, ein Phänomen, das "Wortsalat" genannt wird.
So wie es bei Broca nicht nur um Sprachproduktion geht, geht es bei Wernicke nicht nur um Sprachverständnis. Menschen mit Wernicke-Aphasie haben auch Schwierigkeiten, Dinge zu benennen, und antworten oft mit ähnlich klingenden Wörtern oder den Namen verwandter Dinge, als ob sie sich mit ihren mentalen Wörterbüchern sehr schwer tun würden".

Ursachen und Diagnostik

  • Ursachen: Häufigste Ursache sind Gefäßereignisse (ischämischer Schlaganfall im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media), darüber hinaus Tumoren, traumatische Hirnverletzungen oder lokale entzündliche/degenerative Erkrankungen.
  • Diagnostik: Klinische neurologisch-sprachliche Untersuchung, Bildgebung (CT, MRT) zur Lokalisation der Läsion; funktionelle Verfahren (z. B. fMRT, SPECT) können zusätzliche Hinweise liefern. Historisch wurden auch der Wada-Test und neuropsychologische Tests eingesetzt.

Therapie und Prognose

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache (z. B. Thrombolyse/Thrombektomie beim akuten ischämischen Schlaganfall). Wesentlich ist eine möglichst früh begonnene, individuelle sprachtherapeutische Rehabilitation durch Logopädie/Sprachtherapie. Die Prognose hängt ab von Ausmaß und Lage der Läsion, Alter, Komorbiditäten und der Intensität der Therapie. Manche Patienten zeigen deutliche Verbesserungen, andere behalten persistierende Verständigungsprobleme.

Wichtige Unterschiede zu Broca-Aphasie

  • Bei der Broca-Aphasie ist vorwiegend die Sprachproduktion (nicht das Verständnis) gestört; die Sprache ist langsam und abgehackt, Verständnis oft besser erhalten.
  • Bei der Wernicke-Aphasie ist die Sprache flüssig, inhaltlich jedoch gestört, und das Sprachverständnis ist stark beeinträchtigt.

Zusammenfassend ist das Wernicke-Areal ein zentrales Zentrum für das Verstehen von Sprache und steht in enger funktioneller Verbindung mit weiteren Sprachnetzwerken. Schädigungen dieses Areals führen zu charakteristischen Störungen des Sprachverständnisses und der inhaltlichen Qualität der Sprache, die eine gezielte Diagnostik und Rehabilitation erfordern.

Fragen und Antworten

F: Was ist das Wernicke-Gebiet?


A: Das Wernicke-Areal ist ein Areal des Gehirns, das sich im Brodmann-Areal 22 in der dominanten Großhirnhälfte befindet. Es ist einer der beiden Teile der Großhirnrinde, die mit Sprache zu tun haben (der andere ist das Broca-Areal). Es ist an der Produktion und dem Verstehen von geschriebener und gesprochener Sprache beteiligt.

F: Wie wurde das Wernicke-Areal entdeckt?


A: Das Wernicke-Areal wurde bei Autopsien von Patienten entdeckt, die Sprachprobleme hatten. Carl Wernicke, ein deutscher Neurologe, hatte einen Patienten, der recht gut sprechen konnte, aber nicht in der Lage war, die Sprache anderer zu verstehen. Nach dem Tod dieses Patienten wurde festgestellt, dass ein Bereich im oberen Teil des Schläfenlappens direkt hinter dem auditorischen Kortex geschädigt war, was zu seiner Entdeckung führte.

F: Welche Art von Aphasie wird durch diesen Teil des Gehirns verursacht?


A: Eine Schädigung des Wernicke-Areals kann zu einer Aphasie führen, die als "Wernicke-Aphasie" oder "rezeptive Aphasie" bezeichnet wird. Diese Art von Aphasie führt dazu, dass Menschen Schwierigkeiten haben, Sprache zu verstehen und mit Sätzen zu antworten, die zwar grammatikalisch korrekt sind, aber wenig Sinn ergeben - oft als "Wortsalat" bezeichnet.

F: Beeinträchtigt dieser Teil des Gehirns nur das Sprachverständnis?


A: Nein, eine Schädigung des Wernicke-Areals kann auch dazu führen, dass Sie Schwierigkeiten haben, Dinge zu benennen und stattdessen mit ähnlich klingenden Wörtern oder verwandten Namen reagieren.

F: Wo liegen das Broca-Areal und das Wernicke-Areal im Verhältnis zueinander?


A: Obwohl sie sich in verschiedenen Lappen befinden, liegen die Broca- und Wernicke-Areale recht nahe beieinander. Sie sind durch Nerven verbunden, die Arcuate Fascilicus genannt werden, sowie durch einen weiteren kürzlich entdeckten Nervenstrang.

F: Bei wie viel Prozent der Rechtshänder befindet sich die dominante Hemisphäre auf der linken Seite?


A: Bei etwa 95% der Rechtshänder befindet sich die dominante Hemisphäre auf der linken Seite. Bei Linkshändern sind es etwa 60 %.


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