Whist ist ein klassisches englisches Trickkartenspiel, das im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Es ist ein relatives einfaches, aber strategisch anspruchsvolles Spiel für vier Personen in zwei Partnerschaften.
Whist wird von vier Spielern gespielt. Sie sitzen sich paarweise gegenüber, so dass je zwei Spieler Partner bilden. Es gibt kein Bietverfahren wie in der Vertragsbrücke; Trümpf werden üblicherweise direkt beim Austeilen bestimmt. Damit eignet sich Whist besonders für Spielrunden, in denen keine Vorkenntnisse des modernen Bridge-Bietens nötig sind.
Grundausstattung und Ziel
Gespielt wird mit einem Standard-Kartendeck von 52 Karten. Jede Karte hat ihre feste Rangfolge (Ass hoch). Ziel jeder Runde ist es, gemeinsam mit dem Partner mehr Stiche zu gewinnen als die Gegenspieler; üblicherweise zählen nur die Stiche über einer Ausgangsanzahl (dem sogenannten „Buch“) für die Punktewertung. Obwohl die Regeln einfach sind, erlaubt das Spiel viele taktische Feinheiten. Ursprünglich wurde Whist auch als Glücksspiel in Clubs und Kaffeehäusern gespielt, später entwickelte es sich zu einem vornehmlich geselligen und turnierfähigen Kartenspiel.
Ablauf des Spiels (typischer Ablauf)
- Geben: Ein Geber mischt und teilt im Uhrzeigersinn jede*r Spieler*in 13 Karten aus (4 Spieler × 13 = 52 Karten). Bei einigen Regeln wird die letzte ausgeteilte Karte aufgedeckt, um die Trumpffarbe zu bestimmen; in anderen Varianten kann auch der Geber oder ein Zuschnitt den Trumpf anzeigen.
- Trumpf: Die aufgedeckte Karte oder eine vorher vereinbarte Methode legt die Trumpffarbe für die ganze Hand fest. Trümpfe stechen andere Farben.
- Spielverlauf: Der Spieler links vom Geber führt die erste Karte aus; die Farbe muss bedient werden, falls möglich. Kann ein Spieler die angespielte Farbe nicht bedienen, darf er einen Trumpf spielen oder eine andere Karte abwerfen. Der höchste Trumpf gewinnt den Stich; falls kein Trumpf gespielt wurde, gewinnt die höchste Karte der angespielten Farbe.
- Stichfolge: Gewinner eines Stiches führt den nächsten Stich an. Gespielt wird, bis alle 13 Stiche gespielt sind.
Punktewertung
Die genaue Punktewertung variiert regional und historisch. Üblich ist jedoch folgende Grundregel:
- Für jeden Stich oberhalb eines Grundbuchs (häufig sechs Stiche) erhält die Partnerschaft einen Punkt.
- Ein Spiel (game) besteht aus einer bestimmten Anzahl von Punkten, z. B. 5 oder 7 Punkten; mehrere Spiele können zu einem Match oder „Rubber“ zusammengerechnet werden.
- Historisch gab es zudem Bonusregeln (z. B. für „Honours“ – bestimmte hohe Karten in der eigenen Hand), diese Regeln sind aber nicht einheitlich und heute selten.
Wichtige Regeln und Höflichkeit
- Bedienenpflicht: Wer eine Farbe besitzt, muss diese Farbe spielen.
- Kommunikation: Direkte Absprachen über die Hand sind nicht erlaubt; Kommunikation erfolgt allein durch das Spiel der Karten.
- Etikette: Ruhiges und faires Spiel, Karten sichtbar und geordnet halten, nicht versehentlich Karten offenlegen. Fehlwürfe oder Regelverstöße sollten höflich und korrekt geklärt werden.
Strategische Hinweise
- Behalte die Anzahl der gespielten Trümpfe und hohe Karten im Kopf (Karten zählen).
- Versuche, gemeinsam mit dem Partner lange Farben aufzubauen oder dem Partner durch geeignete Führungen Stiche zu ermöglichen.
- Führe lange Farben (mehrere Karten einer Farbe) und sei zurückhaltend beim Ausspielen deiner höchsten Karten, wenn dadurch der Partner mehr Stiche machen kann.
- Ducken (absichtlich einen Stich verlieren), Finessen und das Ausspielen zur rechten Zeit sind fortgeschrittene Techniken, die das Partner-Spiel verbessern.
Geschichte und Entwicklung
Whist entstand im England des 18. Jahrhunderts und wurde schnell beliebt in Salons, Clubs und Kaffeehäusern. Bedeutende Regelwerke und Abhandlungen — allen voran Schriften von Edmond Hoyle — trugen zur Standardisierung der Regeln bei und machten Whist zum Vorläufer moderner Bridge-Formen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wandelte sich Whist weiter: Aus ihm entwickelten sich Varianten wie Whist-Formen mit veränderten Punktregeln, schließlich die sogenannten Bridge‑Varianten (z. B. Bridge Whist, Auction Bridge) und letztlich die heutige Vertragsbrücke.
Varianten
- Short Whist / Long Whist: Unterschiede in der Anzahl der zu erreichenden Punkte oder speziellen Bonusregeln.
- Duplicate Whist: Wie beim Duplicate Bridge werden gleiche Hände an mehreren Tischen gespielt, um Glücksfaktoren zu reduzieren und das Können der Spieler zu vergleichen.
- Lokalregeln: Viele Gruppen spielen mit eigenen Zusatzregeln (z. B. für Honors); deshalb vor Spielbeginn Regeln absprechen.
Fazit
Whist ist ein einfach zu erlernendes, zugleich tiefgründiges Kartenspiel, das historisch großen Einfluss auf die Entwicklung des Bridge hatte. Es eignet sich sowohl als geselliges Familienspiel als auch als anspruchsvolles Turnierspiel, je nach gewählten Regeln und Varianten. Die Kombination aus klaren Grundregeln und vielfältigen strategischen Möglichkeiten macht Whist bis heute interessant für Kartenspieler.
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