Whittier ist eine kleine Hafenstadt in Alaska an der Küste des Kenai‑Halbinsels. Permanenter Wohnsitz haben hier nur rund 182 Menschen; viele weitere Personen sind saisonal als Fischer, Touristen oder Angestellte im Hafen- und Tourismusgewerbe in der Stadt. Der in der Nähe gelegene Whittier Glacier wurde 1915 nach dem amerikanischen Dichter John Greenleaf Whittier benannt (amerikanisch, Dichter, Jahr: 1915).
Während des Zweiten Weltkriegs errichtete die Armee der Vereinigten Staaten am Ort einen strategischen Hafen und eine Eisenbahnstrecke in der Nähe des Gletschers und gab dem Hafen den Namen Whittier. Aus dieser Zeit stammen auch die markanten, großen Gebäude der Stadt: Das Hodge Building (heute Begich Towers) wurde ursprünglich zur Unterbringung von Soldaten gebaut; das 1953 fertiggestellte Buckner Building wurde lange Zeit als „Stadt unter einem Dach“ bezeichnet und war einst das größte Gebäude in Alaska. Das Begich-Gebäude ist heute ein Wohnhaus mit Eigentumswohnungen und Mietwohnungen; fast alle ständigen Bewohner Whittiers wohnen in diesem Gebäude, sodass das Haus tatsächlich das soziale und wirtschaftliche Zentrum der Ortschaft bildet.
Geschichte und Naturereignisse
Whittier wurde 1964 durch das schwere Karfreitagsbeben (Good Friday Earthquake) und die daraus folgenden Tsunamis stark getroffen. Die Wellen erreichten in einigen Bereichen bis zu 13 Meter Höhe; in Whittier kamen dabei dreizehn Menschen ums Leben. Dieses Ereignis hat die Entwicklung und die Schutzmaßnahmen der Gemeinde nachhaltig beeinflusst.
Zugang, Hafen und Verkehr
Whittier ist ein wichtiger Hafen für den Zugang zum Prince William Sound und ein Ausgangspunkt für Kreuzfahrten, Tagesausflüge zu Gletschern sowie für Fisch- und Sportbootfahrten. Die Stadt ist mit Anchorage und dem restlichen Innenland Alaskas sowohl per Straße als auch per Bahn erreichbar. Die Verbindung erfolgt über einen kombinierten Straßen‑ und Eisenbahntunnel (Anton Anderson Memorial Tunnel, früher Whittier Tunnel), der die Stadt mit der Seward‑Highway‑Route verbindet und als eine der längsten kombinierten Straßen‑ und Eisenbahntunnel Nordamerikas gilt. Der Tunnel verfügt über ein zeitlich gesteuertes Verkehrssystem, bei dem sich Auto‑ und Zugverkehr abwechselnd die Röhre teilen.
Wirtschaft, Tourismus und Alltag
- Wirtschaftlich spielt der Hafenbetrieb eine große Rolle: Fischerei, Fischverarbeitung und maritime Dienstleistungen sind wichtige Einkommensquellen.
- Der Tourismus zieht Besucher wegen der Gletscher, der Tierwelt (Seelöwen, Seevögel, gelegentlich Wale) und der Landschaft an. Viele Anbieter bieten Bootstouren, Angelausflüge, Kajaktouren und Gletscherbeobachtungen an.
- Das Leben in Whittier ist durch die Isolation und die besondere Wohnsituation im Begich-Gebäude geprägt: Einkaufsmöglichkeiten und Community‑Angebote konzentrieren sich auf wenige zentrale Orte, was den Ort zu einer eng verbundenen Gemeinschaft macht.
Klima
Whittier hat ein ausgeprägtes maritimes Klima mit sehr viel Niederschlag. Die Stadt gehört zu den regenreichsten Orten in Alaska und in den Vereinigten Staaten; im Jahresmittel werden mindestens 198 Zentimeter Niederschlag gemessen. Dadurch sind die Sommer eher kühl und feucht, die Winter vergleichsweise mild, aber ebenfalls niederschlagsreich (viel Regen und häufig Schneefall in den kälteren Monaten).
Praktische Hinweise für Besucher
- Regenfeste Kleidung und festes Schuhwerk sind fast immer sinnvoll.
- Bei der Planung ist zu beachten, dass der Tunnelverkehr zeitlich geregelt ist — Fahrpläne für den Autoverkehr sind einzuhalten.
- Kreuzfahrtschiffe und Tagesausflüge sind beliebte Optionen, um Whittier und den Prince William Sound zu erkunden; im Sommer sind viele Dienste saisonal verstärkt.
Zusammengefasst ist Whittier eine ungewöhnliche, historisch geprägte Kleinstadt mit großem maritimen Charakter: ein wichtiger Hafenstandort, stark vom Wetter und von der engen Gemeinschaft im Begich-Gebäude geprägt, und zugleich Tor zu spektakulären Naturerlebnissen im Prince William Sound.