Der Wimbledon Football Club war ein englischer Fußballverein. Der Club wurde 1889 in Wimbledon gegründet und entwickelte sich über viele Jahrzehnte vom Amateur- in den Profibereich. In den 1970er und 1980er Jahren arbeitete sich der Verein aus den unteren Ligen in den englischen Profifußball vor und erlangte mit seiner rauen, kampfbetonten Spielweise und der Spitznamen‑Bezeichnung „Crazy Gang“ große Bekanntheit.
Zu den größten sportlichen Erfolgen zählt der Gewinn des FA Cup 1988, als Wimbledon überraschend den großen Favoriten Liverpool im Finale mit 1:0 besiegte. Namen wie Vinnie Jones oder John Fashanu sind eng mit dieser erfolgreichen Epoche verbunden. Der Klub spielte in der englischen Fussballliga und war zeitweise in der höchsten Spielklasse vertreten.
Umzug nach Milton Keynes und Namensänderung
Die Entscheidung, den Verein umzuziehen, löste großen Widerstand aus: Im Jahr 2002 zog der Klub nach Milton Keynes um. Die Pläne und die Genehmigung durch die zuständigen Verbände führten zu langanhaltenden Protesten vieler Fans in Wimbledon, die den Umzug ablehnten. 2004 änderte der Verein seinen Namen in Milton Keynes DonsF.C. und wurde damit zur festen Adresse des Profifußballs in Milton Keynes. Dieser Schritt war nach sportlicher, rechtlicher und emotionaler Seite sehr umstritten und prägte die Debatten über Identität und Vereinskontinuität im modernen Fußball.
Gründung von AFC Wimbledon
Viele Fußballanhänger aus Wimbledon wollten die Tradition und das Gemeinwesen ihres alten Vereins bewahren. Sie entschieden sich, einen neuen Klub zu gründen: den AFC Wimbledon trägt. AFC Wimbledon startete als Fanprojekt im Unterhaus des englischen Ligensystems und schaffte in den folgenden Jahren mehrere Aufstiege. In bemerkenswerter Weise stieg der Verein von den regionalen Ligen bis in die Football League auf und kehrte damit für die Fangemeinde ein Stück weit sportlich zurück.
Wiederaufbau, Stadion und heutige Situation
AFC Wimbledon baute eine starke lokale Basis auf, engagiert sich im Gemeinwesen und legte Wert auf gesellschaftliche Verantwortlichkeit. Nach dem Wiederaufstieg in die Football League wurde langfristig an einer Rückkehr nach Wimbledon gearbeitet: 2020 eröffnete AFC Wimbledon ein neues Stadion in der Nähe des historischen Standorts Plough Lane, was von vielen Fans als symbolische Rückkehr gefeiert wurde. Milton Keynes Dons entwickelte sich parallel als eigenständiger Profiverein in Milton Keynes und etablierte dort sein eigenes Stadion und seine Fanbasis.
Erbe und Kontroversen
Die Frage, welchem Verein die Traditionen und Erfolge des alten Wimbledon FC „gehören“, blieb umstritten. AFC Wimbledon sieht sich als Fortsetzung der Wimbledon‑Identität in der Heimat, während die in Milton Keynes fortgeführte Mannschaft rechtlich die Nachfolge des eingetragenen Vereins antrat. Diese komplexe Gemengelage hat in der englischen Fußballwelt Diskussionen über Fansouveränität, Standortwechsel und die Grenzen der Kommerzialisierung des Sports ausgelöst.
- 1889: Gründung des Wimbledon FC
- 1970er–1980er: Aufstieg in den Profifußball und Bekanntheit als „Crazy Gang“
- 1988: Gewinn des FA Cup (Finalsieg gegen Liverpool)
- 2002: Umzug nach Milton Keynes
- 2004: Umbenennung in Milton Keynes DonsF.C.
- 2002: Gründung von AFC Wimbledon durch Fans; späterer sportlicher Aufstieg
- 2020: Eröffnung des neuen Stadions von AFC Wimbledon in Wimbledon
Insgesamt bleibt die Geschichte von Wimbledon FC ein wichtiges Beispiel für die emotionale Bindung von Fans an ihren Verein, die Bedeutung von lokalem Engagement im Fußball und die Spannungen, die entstehen können, wenn wirtschaftliche Interessen und Vereinsidentität aufeinandertreffen.