433 Eros ist der erste erdnahe Asteroid (NEA), der entdeckt wurde. Er wurde nach dem griechischen Gott der Liebe, Eros, benannt (griechisch Ἔρως). Eros ist ein etwa 13 × 13 × 33 km großer Asteroid vom S-Typ und damit einer der größeren erdnahen Asteroiden; er gilt als der zweitgrößte erdnahe Asteroid nach 1036 Ganymed. Er gehört zur Gruppe der Amoren und war der erste bekannte Asteroid, dessen Bahn die Marsbahn schneidet. Mit einem Durchmesser von mehr als 10 km zählt Eros zu den wenigen NEAs dieser Größenordnung; man nimmt an, dass er größer ist als der Asteroid, der den Chicxulub-Krater in Yucatán verursachte und vermutlich zum Aussterben der Dinosaurier beitrug.
Bahn, Rotation und physikalische Eigenschaften
Eros bewegt sich auf einer stark elliptischen Bahn um die Sonne. Die halbgroße Hauptachse beträgt etwa 1,458 AU, die Umlaufzeit liegt bei rund 1,76 Jahren (etwa 643 Tage). Die Exzentrizität seiner Bahn führt zu einem Perihel von etwa 1,13 AU und einem Aphel von etwa 1,78 AU; die Bahn ist zudem um rund 10,8° gegenüber der Ekliptik geneigt. Der Asteroid rotiert relativ schnell mit einer Rotationsperiode von etwa 5,3 Stunden.
Als S‑Typ-Asteroid besteht Eros überwiegend aus silikatreichem Gestein; Fernergebnisse der Raumsonde deuten darauf hin, dass seine Oberflächenspektren mit denen gewöhnlicher Chondriten verwandt sind. Die Dichte und Beobachtungen der Oberfläche sprechen dafür, dass Eros kein lockerer „Trümmerhaufen“ (rubble pile), sondern ein überwiegend zusammenhängender Gesteinskörper ist, jedoch mit einer porösen Struktur und einer mit Regolith bedeckten Oberfläche, die Krater, große Blöcke und Rillen aufweist.
Näherungsereignisse und Helligkeit
Bei nahen Vorbeiflügen kann Eros von der Erde aus relativ hell erscheinen. Am 31. Januar 2012 passierte Eros die Erde in einem Abstand von 0,1787 Astronomischen Einheiten (etwa 26,7 Millionen Kilometer bzw. 16,6 Millionen Meilen) und erreichte eine Helligkeit von rund +8,1 mag. Dieser Abstand entspricht ungefähr dem 70‑fachen Abstand Erde–Mond (nicht 700‑fach, wie gelegentlich falsch angegeben).
Bei besonders günstigen Oppositionen — einem länger wiederkehrenden Rhythmus, der sich etwa alle 81 Jahre einstellt (Beispiele: 1975, 2056) — steht Eros in Opposition nahezu in Sonnennähe und kann dann Helligkeiten um +7,1 mag erreichen. Damit ist er heller als Neptun und heller als die meisten Hauptgürtel-Asteroiden außer 4 Vesta (und gelegentlich 2 Pallas oder 7 Iris). Wegen der speziellen Bahngeometrie kann Eros bei solchen Oppositionen am Himmel sehr langsam erscheinen und über kurze Zeiträume annähernd stationär wirken; er zeigt aber — wie andere Asteroiden auch — komplexe scheinbare Bewegungen und ist nicht generell frei von Rückläufigkeit.
NEAR‑Shoemaker: Erforschung durch eine Raumsonde
Eros war das Ziel der NASA‑Mission NEAR Shoemaker. Die Sonde wurde 1996 gestartet und führte mehrere Flüge und Vorbeiflüge durch, bevor sie Eros erreichte, ihn umkreiste und die Oberfläche detailliert untersuchte. NEAR lieferte hochaufgelöste Fotos, topographische Daten und spektrale Messungen, die wichtige Hinweise auf Form, Dichte und Zusammensetzung gaben. Am 12. Februar 2001 setzte die Sonde — ursprünglich nur für eine Umlaufmission geplant — mit ihren Manövrierdüsen auf der Oberfläche von Eros auf und lieferte damit zusätzliche Messdaten vom Boden des Asteroiden. NEAR Shoemaker war damit die erste Sonde, die einen Asteroiden umkreiste und später absichtlich auf ihm landete.
Dynamik, Lebenszeit und Gefährdungspotenzial
Objekte auf Bahnen wie der von Eros sind dynamisch nicht ewig stabil. Wechselwirkungen mit den Planeten, vor allem mit Mars und durch langfristige Resonanzeffekte, verändern die Bahnen über Zeiträume von Millionen bis Hunderten Millionen Jahren. Numerische Simulationen legen nahe, dass Eros durch gravitative Störungen innerhalb von geologischen Zeiträumen seine Bahn so verändern könnte, dass er ein Erdkreuzer wird; manche Modelle (z. B. Michel et al., 1996) zeigen mögliche Entwicklungen innerhalb von wenigen Millionen Jahren.
Historische Bedeutung
Eros hatte auch historische Bedeutung für die Astronomie: Seine relativ nahe Vorbeiflüge in den letzten Jahrzehnten des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zur Verfeinerung der Bestimmung der Astronomischen Einheit (Abstand Erde–Sonne) verwendet, da genaue Messungen der Bahn und Stellung des Asteroiden es ermöglichten, den Maßstab des Sonnensystems zu kalibrieren.
Sprachlich sei angemerkt: Ein gebräuchliches Adjektiv direkt aus dem Namen ist für den Asteroiden selten; die Verbindung zu erotisch ist sprachlich ein anderes Wortfeld und wird nicht zur Beschreibung des Himmelskörpers verwendet. Für wissenschaftliche Texte wird meist einfach der Eigenname „Eros“ in attributiver Verwendung benutzt (z. B. „Eros‑Oberfläche“).
Quellenhinweis: Numerische Simulationen zur langfristigen Bahnentwicklung wurden u. a. von Michel et al. (1996) untersucht; die Ergebnisse und die Missionsdaten von NEAR Shoemaker liefern die heutigen Grundlagen für Erkenntnisse zu Form, Zusammensetzung und Dynamik von 433 Eros.