Jacques Chirac – Präsident von Frankreich (1995–2007) und Pariser Bürgermeister

Jacques Chirac – Präsident Frankreichs (1995–2007) und langjähriger Pariser Bürgermeister: Charismatischer Staatsmann, prägende Figur der französischen Politik und internationale Diplomatie.

Autor: Leandro Alegsa

Jacques René Chirac (29. November 1932 - 26. September 2019) war ein französischer Politiker, der von 1995 bis 2007 Präsident der Französischen Republik und ex officio Co-Prinz von Andorra war. Er wurde 2002 wiedergewählt. Davor war er zweimal Premierminister von Frankreich und von 1977 bis 1995 Bürgermeister von Paris.

Frühes Leben und beruflicher Werdegang

Jacques Chirac wurde in Sainte-Féréole (Département Corrèze) geboren. Nach dem Besuch renommierter Ausbildungsstätten wie dem Institut d'études politiques (Sciences Po) und der École nationale d'administration (ENA) trat er in den Staatsdienst ein und arbeitete unter anderem in der Inspection générale des finances. Er begann früh eine politische Laufbahn, die von Posten in verschiedenen Ministerien (u. a. Landwirtschaft) bis hin zu hohen Kabinettsämtern reichte.

Aufstieg in der Politik und Bürgermeister von Paris

In den 1970er-Jahren etablierte sich Chirac als führende Persönlichkeit der gaullistischen Rechten. 1977 wurde er Bürgermeister von Paris, ein Amt, das er bis 1995 innehatte. Während seiner langen Amtszeit prägte er die Stadtentwicklung, förderte große Bau- und Infrastrukturprojekte und modernisierte Verwaltungsstrukturen. Zugleich sammelten sich später Vorwürfe über Vetternwirtschaft und Unregelmäßigkeiten in der Pariser Stadtverwaltung, die ihn auch nach seiner Präsidentschaft einholten.

Premierminister und Parteiaktivitäten

Chirac war zweimal Premierminister: zuerst Mitte der 1970er-Jahre und erneut von 1986 bis 1988 während der ersten „Cohabitation“ mit Präsident François Mitterrand. 1976 gründete er die konservative Partei Rassemblement pour la République (RPR) und formte damit das politische Gewicht der Rechten in Frankreich. Nach der Präsidentschaftswahl 2002 unterstützte er die Gründung der Union pour un Mouvement Populaire (UMP), um die konservativen Kräfte zu bündeln.

Präsidentschaft (1995–2007)

Als Präsident setzte Chirac Schwerpunkte auf soziale Kohäsion, den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und die Bekämpfung sozialer Ausgrenzung („la fracture sociale“). Seine Amtszeit war geprägt von mehrfachen innenpolitischen Herausforderungen, darunter heftige Sozialproteste gegen Reformen (beispielsweise 1995) und die schwierige Suche nach langfristig wirksamen Lösungen für Wirtschaft und Sozialsysteme.

  • Innenpolitik: Chirac unterstützte Reformprojekte, musste aber oft Kompromisse eingehen – insbesondere während Phasen der politischen Oppositionsmehrheit im Parlament. Reformen im Bereich der Renten- und Sozialpolitik führten zu großen Demonstrationen und teils massiven Streiks.
  • Außenpolitik: International profilierte sich Chirac als Verfechter einer eigenständigen französischen Außenpolitik. Besonders bekannt wurde seine klare Ablehnung des Irak-Kriegs 2003; Frankreich lehnte eine militärische Intervention ohne UN-Mandat ab und kooperierte diplomatisch eng mit anderen europäischen Staaten, die gegen den Krieg waren.
  • Europa: Chirac unterstützte europäische Integration, zeigte sich jedoch sensibel gegenüber nationalen Interessen Frankreichs. Beim Referendum über den Vertrag über eine Verfassung für Europa 2005 stimmte die französische Bevölkerung mit „Non“, was innen- und außenpolitische Debatten über die Zukunft der EU auslöste.

Wiederwahl 2002 und Parteienbündnis

Bei der Präsidentschaftswahl 2002 erreichte Chirac die Stichwahl gegen Jean-Marie Le Pen, den Kandidaten des Front National, nachdem Le Pen überraschend in die Stichwahl eingezogen war. Im zweiten Wahlgang wurde Chirac mit großer Mehrheit wiedergewählt. Zur Parlamentswahl im selben Jahr trug die neu formierte UMP dazu bei, die parlamentarische Mehrheit der Rechten zu sichern.

Kontroversen und Rechtsverfahren

Chiracs politische Karriere war nicht frei von Kontroversen. Insbesondere die Zeit als Bürgermeister von Paris brachte Korruptionsvorwürfe und Ermittlungen wegen „emplois fictifs“ (fiktive Stellen). Nach dem Ende seiner Präsidentschaft wurde er in mehreren Verfahren angeklagt; 2011 wurde er in einem Verfahren wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder im Zusammenhang mit der Pariser Stadtverwaltung verurteilt und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das Urteil war politisch und juristisch bedeutend, da es den seltenen Fall einer Verurteilung eines ehemaligen Staatschefs in Frankreich darstellte.

Späteres Leben und Tod

Nach seinem Ausscheiden aus dem Élysée-Palast zog sich Chirac weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. In seinen letzten Lebensjahren litt er an gesundheitlichen Problemen, darunter wiederholte Schlaganfälle. Jacques Chirac verstarb am 26. September 2019. Sein Tod löste in Frankreich und international zahlreiche Reaktionen und Ehrungen aus.

Vermächtnis

Jacques Chirac bleibt eine prägende Gestalt der französischen Politik des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts: als langjähriger Lokalpolitiker in Paris, als Parteichef der konservativen Rechten und als Präsident, der Frankreichs Rolle in Europa und in der Welt mitgestaltet hat. Sein Erbe ist zwiespältig – bewundert für seine Erfahrung, Führungsstärke und seine ablehnende Haltung gegenüber der Irak-Intervention, kritisiert wegen Korruptionsvorwürfen und umstrittener Innenreformen.

Privates: Chirac war mit Bernadette Chodron de Courcel (später Bernadette Chirac) verheiratet; das Paar hatte zwei Töchter. Seine politische Karriere und Persönlichkeit prägten über Jahrzehnte das öffentliche Leben in Frankreich.

Attentatsversuch

Am 14. Juli 2002, während der Feierlichkeiten zum Tag der Bastille, versuchte ein Mann, Chirac zu erschießen. Als einsamer Schütze mit einem Gewehr, das in einem Gitarrenkoffer versteckt war, feuerte der Möchtegern-Attentäter einen Schuss in Richtung der Wagenkolonne des Präsidenten ab. Er wurde dann von Schaulustigen überwältigt. Der Schütze, Maxime Brunerie, wurde psychiatrisch untersucht.

Nach der Präsidentschaft

Am 15. Dezember 2011 wurde Chirac der Korruption für schuldig befunden. Er durfte seine 2-jährige Haftstrafe ohne Gefängnisstrafe verbüßen.

Als ehemaliger Präsident hatte Chirac eine lebenslange Rente. Er war ein Mitglied auf Lebenszeit des französischen Verfassungsrates.

Persönliches Leben

Im Jahr 1956 heiratete er Bernadette Chodron de Courcel. Sie hatten zwei Töchter: Laurence (1958-2016) und Claude (geboren 1962). Claude ist Assistent für Öffentlichkeitsarbeit und persönlicher Berater. Laurence, die in ihrer Jugend an Anorexia nervosa litt, beteiligte sich nicht an den politischen Aktivitäten ihres Vaters.

Gesundheit

Im Jahr 2005 erlitt Chirac einen Schlaganfall. Er hatte unter Gedächtnisverlust gelitten und war krank. Am 10. Dezember 2015 wurde Chirac aus unbekannten Gründen in Paris ins Krankenhaus eingeliefert, und obwohl sein Gesundheitszustand "keinen Anlass zur Besorgnis" gebe, werde er auf der Intensivstation bleiben.

Tod

Chirac starb am 26. September 2019 im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Paris.



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