Die Blauverschiebung ist eine Form des Dopplereffekts für elektromagnetische Strahlung und das Gegenteil der Rotverschiebung. Bei einer Blauverschiebung werden die beobachteten Wellenlängen einer Quelle gegenüber ihren Ruhewerten kürzer (in Richtung des blauen Endes des sichtbaren Spektrums); der Begriff gilt aber ebenso für nicht sichtbare Bereiche (z. B. Infrarot, Ultraviolett, Radiowellen, Röntgen).

Ursache

Die gebräuchlichste Ursache ist die Relativbewegung entlang der Sichtlinie: bewegt sich eine Lichtquelle relativ zum Beobachter auf diesen zu, so erscheint das Licht blauverschoben. Für niedrige Geschwindigkeiten (v ≪ c) gilt näherungsweise

Δλ / λ ≈ −v / c,

wobei Δλ = λ_obs − λ_emit die Verschiebung der Wellenlänge, λ die Ruhewellenlänge, v die Radialgeschwindigkeit (positiv bei Wegbewegung) und c die Lichtgeschwindigkeit ist. Ein negatives Δλ (bzw. z < 0, siehe weiter unten) entspricht einer Blauverschiebung.

Für sehr hohe, relativistische Geschwindigkeiten muss die spezielle Relativitätstheorie berücksichtigt werden. Für Bewegung genau entlang der Sichtlinie kann man die exakte Relation schreiben (für eine Quelle, die auf den Beobachter zu bewegt):

λ_obs = λ_emit · sqrt((1 − v/c) / (1 + v/c)).

Zusätzlich zur einfachen Bewegungsdoppler-Verschiebung gibt es weitere Effekte, die Wellenlängen verändern können, z. B. gravitative Verschiebungen (allgemeine Relativität) oder lokale Mediumseffekte. Diese sind physikalisch aber von der kinematischen Doppler-Blauverschiebung zu unterscheiden.

Messung und Bedeutung in der Astronomie

Die Doppler-Blauverschiebung ist in der Astronomie ein zentrales Werkzeug, um Radialgeschwindigkeiten zu bestimmen: Aus der Verschiebung bekannter Spektrallinien kann man ablesen, ob sich ein Objekt auf uns zu oder von uns weg bewegt und mit welcher Geschwindigkeit. Die Messung beruht darauf, dass bestimmte chemische Elemente eindeutige „Fingerabdrücke“ im Spektrum liefern. So erkennt man etwa Linien von Kalzium oder Sauerstoff und vergleicht deren gemessene Position mit der bekannten Ruheposition.

Formal definiert man den Zusammenhang über die Rotations- bzw. Verschiebungsgröße z:

z = (λ_obs − λ_emit) / λ_emit.

Bei einer Blauverschiebung ist z < 0 (λ_obs < λ_emit). Für kleine Geschwindigkeiten gilt näherungsweise z ≈ −v/c.

Typische Beispiele

  • Die Andromeda-Galaxie bewegt sich innerhalb der Lokalen Gruppe auf unsere eigene Milchstraßen-Galaxie zu. Bei der Beobachtung von der Erde aus zeigt ihr Licht eine messbare Blauverschiebung (ordnungsgrößenmäßig v im Bereich mehrerer 100 km/s, entsprechend z ≈ −10^−3).
  • Komponenten eines Doppelsternsystems zeigen periodische Blau– und Rotverschiebungen, je nachdem, ob sich die jeweilige Komponente auf uns zu oder von uns weg bewegt. Diese Variation wird u. a. zur Bestimmung von Bahnelementen und Massen genutzt.
  • Bei rotierenden Spiralgalaxien ist diejenige Seite, die sich zu uns hin dreht, leicht blauverschoben relativ zur Seite, die sich wegdreht. Aus dem Dopplermuster lässt sich die Rotationskurve der Galaxie ableiten.
  • Blazare können relativistische Jets mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in unsere Richtung aussenden; wegen Doppler-Boosting erscheinen die Strahlen stark blauverschoben und intensiviert.
  • Nahegelegene Sterne (z. B. Barnard’s Star) bewegen sich mit Radialgeschwindigkeiten von einigen bis einigen hundert km/s relativ zur Sonne; viele von ihnen zeigen eine sehr geringe, aber messbare Blauverschiebung.
  • Bei sehr entfernten Objekten dominiert hingegen meist die kosmologische Rotverschiebung, sodass die lokale Doppler-Blauverschiebung dort im Vergleich klein bzw. überschattet ist. Für nahe Objekte innerhalb der lokalen Gruppe ist die Doppler-Verschiebung jedoch oft entscheidend für die Interpretation der Bewegung.

Weitere Anwendungen und Hinweise

Die Dopplerblauverschiebung wird nicht nur in der klassischen Astronomie, sondern auch in der Exoplanetenforschung (Radialgeschwindigkeitsmethode), in der Velocimetrie der Sonnenphysik und in der Analyse relativistischer Jets eingesetzt. Sie gilt für beliebige Teilchenwellen; im Text oben wurde explizit von Photons gesprochen, weil in der Astronomie Licht die zentrale Messgröße ist.

Wichtig ist die Unterscheidung zu anderen Ursachen für eine Verschiebung: kosmologische Rotverschiebung (Expansion des Universums) und gravitative Verschiebung (Änderung der Photonenenergie in einem Gravitationsfeld) haben andere physikalische Erklärungen und müssen getrennt betrachtet werden.

Wie Astronomen Spektrallinien nutzen

Weil bestimmte Elemente charakteristische Linien besitzen, können Astronominnen und Astronomen aus dem Positionsunterschied dieser Linien im gemessenen Spektrum erkennen, wie groß die Verschiebung ist. Aus dem Betrag der Verschiebung lässt sich dann die Radialgeschwindigkeit ableiten: je größer die Verschiebung, desto schneller die Relativbewegung entlang der Sichtlinie. Diese Methodik erlaubt Aussagen über Entfernung, Richtung der Bewegung (zufällig oder systematisch) und Geschwindigkeit von Sternen, Galaxien und anderen Objekten.