Marcus Aemilius Lepidus (geboren 88/89 v. Chr., gestorben 12/13 v. Chr.) war ein römischer Politiker aus der alten Patrizierfamilie der Aemilier. Er machte Karriere in der späten Republik und gehörte zu den engsten Vertrauten von Julius Cäsar. In der Zeit, als Caesar im Ausland kämpfte und zuletzt Pompeius in der Schlacht von Pharsalus in Griechenland besiegte, verwaltete Lepidus mehrfach wichtige Aufgaben in Rom als einer von Caesars Stellvertretern. Nach der Ermordung Caesars 44 v. Chr. wurde Lepidus zum Pontifex Maximus gewählt und bekleidete dieses hohe Priesteramt bis zu seinem Tod.
Politisch gehörte Lepidus zur gemäßigten, konservativen Elite; in der Auseinandersetzung um die Nachfolge Caesars spielte er eine vermittelnde Rolle. Zusammen mit dem jungen Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) und dem Feldherrn Mark Anton bildete er 43 v. Chr. das sogenannte Zweite Triumvirat. Dieses Bündnis wurde formal durch gesetzliche Maßnahmen abgesichert und hatte weitreichende Kompetenzen: die Triumvirn konnten Gesetze erlassen, Feinde verfolgen und Ämter vergeben. Zur Durchsetzung ihrer Macht griffen die drei Männer auch zu harten Mitteln, insbesondere zu den Proskriptionen, mit denen politische Gegner ausgeschaltet wurden.
Das Zweite Triumvirat markierte de facto das Ende der römischen Republik, weil die Triumvirn die Autorität der Konsuln und des Senats massiv zurückdrängten. Lepidus war der älteste der drei und erhielt nach der entscheidenden Schlacht von Philippi (42 v. Chr.) die Verantwortung für Hispania und einen Teil Nordafrikas. Seine Stellung innerhalb des Bündnisses blieb jedoch schwächer als die von Octavian und Mark Anton; beide dominierten die militärischen und politischen Entscheidungen.
In den folgenden Jahren geriet Lepidus zunehmend ins Abseits. Ende der 30er Jahre v. Chr. kam es zu einem offenen Bruch mit Octavian: Im Zusammenhang mit Aktionen auf Sizilien erhob Octavian Vorwürfe gegen Lepidus, die zur Aberkennung seiner militärischen und politischen Befugnisse führten. Lepidus wurde daraufhin weitgehend aus der aktiven Politik entfernt, durfte aber das Amt des Pontifex Maximus behalten. Anschließend zog er sich nach Circeii an der italienischen Küste zurück, wo er unter Beobachtung lebte und schließlich friedlich starb (gegen Ende 12 bis Anfang 13 v. Chr.).
Lepidus wird in der Geschichtsschreibung oft als einflussarmer, vielfach übergangener Partner der beiden dominanteren Triumvirn dargestellt: Er war ein nützlicher, aber schwacher Ausgleichspartner, dem letztlich die politische und militärische Durchsetzungskraft fehlte, um gegen Octavian und Mark Anton zu bestehen. Sein langes Priesteramt als Pontifex Maximus blieb das bleibende Element seiner öffentlichen Stellung; privat zog er sich nach seinem Sturz ins relative Stillschweigen zurück. Sein Leben und Wirken zeigen die Spannungen und Übergänge der späten Republik hin zur monarchisch geprägten Herrschaftsordnung der Kaiserzeit.

