Ole von Beust – Biografie: Hamburger Bürgermeister (2001–2010)
Ole von Beust – Biografie: Hamburger Bürgermeister (2001–2010) – Amtszeit, Politik, Bundesratspräsidentschaft und Lebenslauf kompakt und informativ.
Carl-Friedrich Arp Ole Freiherr von Beust, allgemein Ole von Beust genannt, geboren am 13. April 1955 in Hamburg, Deutschland, war Ole von Beust vom 31. Oktober 2001 bis zum 25. August 2010 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg und seit dem 1. November 2007 für ein Jahr Präsident des Bundesrates. Ihm folgte als Bürgermeister Christoph Ahlhaus.
Frühes Leben und Ausbildung
Ole von Beust wurde 1955 in Hamburg geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und begann eine berufliche Laufbahn, die ihn neben der Politik auch in juristische Tätigkeiten führte. Sein familiärer Hintergrund führt auf eine nörddeutsche Adelsfamilie zurück, was sich im Namensteil „Freiherr“ widerspiegelt.
Politischer Werdegang
Von Beust ist Mitglied der CDU und prägte über viele Jahre die Politik seiner Partei auf Landesebene. Er übernahm Führungsaufgaben in der Hamburger CDU und stieg in den 1990er Jahren zum Landesvorsitzenden auf. Nach der Bürgerschaftswahl 2001 wurde er Erster Bürgermeister Hamburgs. In seiner Amtszeit bildete er eine Koalition mit den Grünen – eine besondere politische Konstellation, die zu Beginn der 2000er Jahre Aufmerksamkeit erregte.
Amtszeit als Erster Bürgermeister (2001–2010)
Als Bürgermeister setzte von Beust Schwerpunkte in den Bereichen Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung und Verwaltungsreform. Unter seiner Führung wurden große städtebauliche Projekte weiterentwickelt oder vorangetrieben, die das Gesicht Hamburgs langfristig veränderten, darunter die städtebauliche Entwicklung in Bereichen wie HafenCity sowie die Fortführung großer Kultur- und Infrastrukturvorhaben. Seine Regierung war außerdem mit Fragen der Haushaltskonsolidierung und der Modernisierung der Verwaltung beschäftigt.
Während seiner Amtszeit kam es zu politischen Auseinandersetzungen und öffentlichen Debatten, etwa über Kostensteigerungen bei Großprojekten oder über bildungspolitische Reformen. 2007 übernahm von Beust für ein Jahr das Amt des Präsidenten des Bundesrates und vertrat damit auch Hamburgs Interessen auf Bundesebene.
Rücktritt und spätere Tätigkeit
Ende Juli 2010 erklärte Ole von Beust überraschend seinen Rücktritt vom Amt des Ersten Bürgermeisters; das Amt übergab er am 25. August 2010 an Christoph Ahlhaus. Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik war von Beust in verschiedenen Funktionen außerhalb der Parlamentsarbeit tätig, unter anderem beratend und in Gremien, und blieb als kommentierende Stimme zu Hamburger und bundespolitischen Themen wahrnehmbar.
Persönliches und öffentliches Profil
Ole von Beust ist einer der bekanntesten Politiker Hamburgs der frühen 2000er Jahre. Er gilt als profilierter, manchmal auch kontrovers diskutierter Repräsentant einer pragmatischen, auf Modernisierung bedachten CDU-Politik. Öffentlich ist er außerdem als offen homosexueller Politiker bekannt; seine Präsenz trug zur Sichtbarkeit LGBT*‑Personen in der politischen Sphäre Deutschlands bei.
Erbe und Bedeutung
Von Beusts Amtszeit wird häufig mit der Neuausrichtung Hamburgs als wirtschaftlich attraktiver, modernisierter Stadtstaat verbunden. Die von ihm vorangetriebenen städtebaulichen Projekte und Reforminitiativen haben nachhaltige Spuren hinterlassen, gleichzeitig bleiben Kosten- und Steuerungsfragen großer Bauvorhaben Teil der öffentlichen Erinnerung und Diskussion um seine Regierungszeit.
Weiterführende Hinweise: Für detaillierte Angaben zu einzelnen Politikfeldern, zu Koalitionsverhandlungen und zu konkreten Projekten der Amtszeit von Ole von Beust empfiehlt sich die Konsultation zeitgenössischer Presseberichte, offizieller Senatsdokumente und biografischer Veröffentlichungen.
Leben und Arbeiten
Er ist der Sohn von Achim Helge Freiherr von Beust und Hanna, geb. Wolff, der in Nazi-Deutschland als Halbjude galt. Durch seinen Vater ist er ein Nachkomme des sächsischen und österreichischen Staatsmannes Graf Friedrich Ferdinand Graf von Beust.
1971 wurde von Beust Mitglied der konservativen Christlich-Demokratischen Union (CDU). Nach dem Abitur 1973 arbeitete er für die CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft, die er bis zum Beginn seines Jurastudiums 1975 an der Universität Hamburg innehatte. Von 1977 bis 1983 war er Hamburger Vorsitzender der Jugendorganisation seiner Partei. Seit 1978 ist Beust Mitglied der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Im Jahr 1983 schloss er sein Studium erfolgreich ab und wurde selbständiger Rechtsanwalt.
Seit 1992 ist er Mitglied des Regierungsrates der Hamburger Landes-CDU, seit 1998 Mitglied des Landesvorstandes der CDU.
Erster Bürgermeister von Hamburg
Am 31. Oktober 2001 wurde Ole von Beust Erster Bürgermeister von Hamburg.
Am 19. August 2003 entließ Beust seinen Vizebürgermeister Ronald Schill, was einen Skandal auslöste. Beust hatte zuvor Innensenator Walter Wellinghausen, den wichtigsten Beamten Schills, ohne vorherige Rücksprache mit Schill entlassen. Grund war der öffentliche Vorwurf des Fehlverhaltens Wellinghausens. In einem privaten Gespräch verlangte Schill daraufhin von Beust die Rücknahme der Entlassung, angeblich unter Verwendung persönlicher Drohungen. Beust beschloss daraufhin, auch Schill zu entlassen.
In der Pressekonferenz, die Schill wenige Minuten, nachdem er von seiner eigenen Entlassung gehört hatte, abhielt, sprach er vage von "homosexuellen Beziehungen", einer "Wohnung in einem berüchtigten Stricher-Viertel" und "bestimmten Vorkommnissen, die auf Liebesakte schließen lassen" zwischen Beust und Roger Kusch, den Beust zum Justizminister (in deutschen Stadtstaaten "Senator") ernannt hatte. Beust wiederum erklärte, dass Schill gedroht habe, seine angebliche Liaison mit Kusch unter der Prämisse öffentlich zu machen, dass Beust öffentliche und private Angelegenheiten vermischt habe. Er sagte, er habe keine sexuelle Beziehung zu Kusch gehabt, sie kannten sich lediglich seit 25 Jahren und seien gute Freunde, und Beust sei der Vermieter von Kusch. "Das ist alles - absolut alles", so Beust.
Seine unvorbereitete Erklärung vor der Presse brachte Schill schnell einen homophoben Ruf ein. Ein populärer Radiosender strahlte ein Lied aus, in dem er "Mega-Proll" (Mega-Redneck) genannt wurde, und Schwulen- und Lesbenverbände protestierten lautstark. Schill bestätigte jedoch später Beusts Version der Geschichte, abgesehen von den Erpressungsvorwürfen, und sagte, dass er Beust warnte, sich von Vetternwirtschaft fernzuhalten, und dass dies nichts mit Beusts sexueller Orientierung zu tun habe. Er sagte: "Ich habe nichts gegen Homosexuelle".
In einem späteren Interview bestätigte der Vater von Beust, dass sein Sohn tatsächlich homosexuell ist. Beust selbst betrachtet seine sexuelle Orientierung als Privatangelegenheit; bei direkter Befragung verweist er den Befrager meist ironisch auf seinen Vater.
Die Hamburger Wahlen vom 29. Februar 2004 endeten mit einem beispiellosen Erdrutschsieg für Ole von Beust und die CDU, die die absolute Mehrheit in der Bürgerschaft des Stadtstaates erreichte. Die CDU gewann 47,2 Prozent der Stimmen, das sind 21 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Wahl im September 2001. Damit hatte der Stadtstaat erstmals seit 1993 wieder nur eine Regierungspartei. Bei der Hamburger Wahl am 24. Februar 2008 gewann die CDU 42,6 Prozent der Stimmen. Damit war die CDU weiterhin die staerkste Partei in Hamburg. Da die CDU jedoch ihre absolute Mehrheit verlor, bildete sie eine Koalitionsregierung mit den Grünen.
Am 18. Juli 2010 erklärte Ole von Beust seinen Rücktritt mit Wirkung vom 25. August. Er war ein Finalist für den Preis des Weltbürgermeisters 2010.
Suche in der Enzyklopädie