Nazi-Deutschland bezeichnet die deutsche Herrschaftszeit unter der Nazi-Partei unter Führung von Adolf Hitler (1933–1945). Diese Epoche wird oft als Drittes Reich bezeichnet – eine propagandistische Bezeichnung, die die Nazis für ihren Staat verwendeten und die „Fortsetzung“ früherer deutscher Reiche suggerieren sollte. Historisch wurden zuvor das Heilige Römische Reich (als „erstes Reich“) und das Zweite Deutsche Kaiserreich (1871–1918, „zweites Reich“) genannt. In Deutschland selbst sprach man meist einfach von „Das Reich“ (ausgesprochen „Rike“) oder dem Großdeutschen Reich (deutsch: Großdeutsches Reich).
Aufstieg und Machtergreifung
Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei gewannen ab 1929/30 an Einfluss, vor allem durch wirtschaftliche und politische Krisen wie die Weltwirtschaftskrise. 1933 wurde Hitler Reichskanzler; in kurzer Zeit errichtete das Regime mittels Gewalt, Gleichschaltung (das Ausschalten politischer Gegner), Verboten und gezielter Propaganda eine Einparteienherrschaft. Institutionen der Demokratie – Reichstag, Länderparlamente, unabhängige Gerichte und Pressefreiheit – wurden systematisch abgeschafft oder unter staatliche Kontrolle gestellt. Organisationen wie SA, SS und die Geheimpolizei (Gestapo) spielten zentrale Rollen bei Unterdrückung und Terror.
Ideologie und Herrschaftsprinzip
Die Nazi-Ideologie basierte auf rassistischen, antisemitischen und nationalistischen Vorstellungen: die angebliche Überlegenheit der sogenannten "arischen Rasse" (idealisiert als reine Deutsche), der Antisemitismus und der Wunsch nach Lebensraum im Osten. Weitere Kernpunkte waren das Führerprinzip (unbedingter Gehorsam gegenüber dem Führer), Militarisierung, Antikommunismus und die Ablehnung liberaler und pluralistischer Werte. Propaganda, besonders gesteuert durch Joseph Goebbels, formte Massenmeinungen und rechtfertigte Gewalt als Staatsinstrument.
Repression, Gesetze und Verfolgung
Bereits kurz nach der Machtübernahme wurden politische Gegner (Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter) verfolgt, Inhaftierungen und Konzentrationslager eingerichtet. Mit den Nürnberger Rassengesetzen und weiteren Maßnahmen entfesselten die Nazis staatlich organisierte Diskriminierung und Entrechtung von Jüdinnen und Juden sowie anderen Gruppen. Die Pogrome der „Reichskristallnacht“ (1938) markieren eine dramatische Eskalation. In der Folgezeit wurden Verfolgung, Deportation und Ermordung systematisch organisiert.
Der Holocaust und weitere Verbrechen
Unter dem Regime der Nazis kam es zu einem industriell organisierten Völkermord an etwa 6 Millionen Jüdinnen und Juden (Holocaust). Daneben wurden in großer Zahl Roma und Sinti, Menschen mit Behinderungen (z. B. im Rahmen der „T4“-Euthanasieprogramme), Homosexuelle, politische Gegner, Zehntausende Sinti und Roma sowie Millionen sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilisten Opfer von Massenmord, Zwangsarbeit, medizinischen Experimenten und Vernichtungslagern. Einsatzgruppen, die SS und Angehörige der Verwaltung sowie kollaborierende Kräfte in den besetzten Gebieten waren an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt.
Außenpolitik, Expansion und Krieg
Die Außen- und Expansionspolitik der Nazis zielte auf Revision des Versailler Vertrags, territoriale Expansion und Dominanz in Europa. Beispiele sind der Anschluss Österreichs (Anschluss), die Annexion des Sudetenlandes, der Überfall auf Polen (1939) und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Das Regime baute die Wehrmacht auf und bereitete die Wirtschaft auf Kriegsführung vor; Propaganda und nationaler Expansionsdrang spielten dabei eine große Rolle.
Wirtschaft, Gesellschaft und Alltag
Die Nazis verfolgten eine Politik der staatlich gesteuerten Aufrüstung, Arbeitsbeschaffungsprogramme (z. B. Autobahnbau) und wirtschaftlicher Kontrolle. Zwar sank die Arbeitslosigkeit deutlich, doch geschah dies durch Aufrüstung, Zwangsarbeit und Einschränkung gewerkschaftlicher Rechte. Gesellschaftlich prägten Ideologie und Repression Alltag und Kultur: Schulen, Jugendorganisationen (Hitlerjugend) und Medien wurden gleichgeschaltet, Wissenschaft und Kunst ideologisch kontrolliert.
Kriegsende, Besatzung und Nachkriegszeit
Adolf Hitler führte Nazideutschland, bis es im Verlauf des Zweiten Weltkriegs militärisch zusammenbrach. In der Schlacht von Berlin 1945 endete die Herrschaft des Regimes; Hitler sich 1945 selbst tötete. Die Nazi-Partei zerfiel, viele ihrer führenden Persönlichkeiten wurden gefangen genommen, flohen oder begingen Selbstmord. Zahlreiche Täter wurden nach dem Krieg in den Nürnberger Prozessen und weiteren Gerichtsverfahren wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt; einige wurden von West- und Sowjetmächten hingerichtet.
Deutschland wurde nach dem Zusammenbruch in vier Besatzungszonen aufgeteilt: die Sowjetunion kontrollierte Ostdeutschland, während Vereinigtes Königreich, Frankreich und die Vereinigten Staaten Teile Westdeutschlands übernahmen. Die Besatzungsmächte leiteten Programme zur Entnazifizierung, Demokratisierung und Wiederaufbau ein; 1949 führten politische Spannungen schließlich zur Gründung zweier deutscher Staaten (Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik).
Aufarbeitung und Erinnerung
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus prägte die deutsche und internationale Erinnerungskultur: historische Forschung, Gedenkstätten, Bildungsarbeit und juristische Aufarbeitung sind bis heute zentrale Mittel, um zu erinnern, zu mahnen und Lehren zu ziehen. Die Nazi-Ideologie und ihre Rassenpolitik kehrten in Deutschland nicht zurück; demokratische Institutionen, Rechtstaatlichkeit und eine offene Zivilgesellschaft stehen seitdem im Mittelpunkt des staatlichen Selbstverständnisses.
Wichtige Institutionen und Begriffe (Kurz)
- NSDAP – Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (regierende Partei)
- Führerprinzip – autoritäre Führungshierarchie mit Hitler an der Spitze
- SS, Gestapo, SA – Organisationen zur Durchführung von Terror, Ordnung und Repression
- Holocaust – systematische Ermordung der europäischen Juden
- Gleichschaltung – Kontrolle und Vereinheitlichung aller gesellschaftlichen Bereiche
Die Zeit des Nationalsozialismus ist eine der am besten untersuchten und zugleich mahnendsten Epochen der modernen Geschichte. Ihre Erforschung hilft, Mechanismen von Radikalisierung, Totalitarismus und staatlichem Terror zu verstehen und solche Entwicklungen künftig zu verhindern.