Die Schlacht um England war ein anhaltender Angriff der deutschen Luftwaffe auf Großbritannien im Sommer und Herbst 1940.
Das erste Ziel der Kampagne war es, die Kontrolle über den Luftraum über Großbritannien von der Royal Air Force (RAF), insbesondere vom Fighter Command, zu erlangen.
Der Name stammt aus einer berühmten Rede von Premierminister Winston Churchill im Unterhaus: "Die Schlacht um Frankreich ist vorbei. Ich gehe davon aus, dass die Schlacht um England bald beginnt..."
Die Schlacht um Großbritannien war die erste große Kampagne, die nur von Luftstreitkräften geführt wurde, und zugleich die größte und längste Bombenangriffskampagne aus der Luft, die bis dahin stattgefunden hat.
Zeitraum und Ziele
Die Hauptphase der Schlacht wird häufig vom 10. Juli bis zum 31. Oktober 1940 datiert. Das strategische Ziel der deutschen Seite war Luftüberlegenheit über England zu erlangen, um eine geplante Invasion Großbritanniens (Operation "Seelöwe") möglich zu machen. Die RAF sollte zerstört oder so stark geschwächt werden, dass sie der Invasionsflotte keine nennenswerten Verluste zufügen konnte.
Verlauf und wichtige Wendepunkte
Die Kämpfe verliefen in mehreren Phasen:
- Zu Beginn richteten sich Angriffe gegen Schifffahrt, Seehäfen und Küstenziele sowie gegen Radar- und Fliegerhorststellungen.
- Im August 1940 intensivierte die Luftwaffe die Angriffe auf RAF-Flugplätze und deren Versorgungseinrichtungen, um die Jagdstaffeln zu schwächen. Ein bedeutender Angriffstag war der sogenannte Adlertag (Eagle Day) am 13. August.
- Ende August führten RAF-Angriffe auf Berlin und andere deutsche Städte zu einer politischen Eskalation. Als Reaktion verlegte die Luftwaffe zunehmend ihre Angriffe auf London und andere Großstädte. Der Beginn der anhaltenden nächtlichen Bombardements Londons am 7. September 1940 markiert den Beginn des sogenannten Blitz.
- Die anhaltenden Verluste an Bombern und Besatzungen sowie das Ausbleiben der angestrebten Luftüberlegenheit führten letztlich dazu, dass die deutsche Führung die Invasionspläne aufgab und die unmittelbare Phase der Schlacht beendet wurde.
Taktik, Technik und Schlüsselfaktoren
Mehrere technische und organisatorische Faktoren entschieden die Schlacht:
- Radar und das Chain-Home-System: Frühwarnradar ermöglichte es der RAF, anfliegende Formation früh zu erkennen und Jagdflugzeuge gezielt zu den Gegnern zu leiten.
- Dowding-System: Das integrierte Luftabwehrsystem unter Leitung von Air Chief Marshal Sir Hugh Dowding verband Radar, Bodenbeobachtung, Funkverbindung und Einsatzleitung und erlaubte eine effiziente Nutzung der begrenzten Reihen der RAF.
- Flotten und Flugzeugtypen: Die RAF setzte vor allem die Jagdflugzeuge Supermarine Spitfire und Hawker Hurricane ein; die Luftwaffe flog mit Jagdflugzeugen wie der Messerschmitt Bf 109 und Bombern wie Heinkel He 111, Junkers Ju 88 und Dornier Do 17. Die begrenzte Reichweite der Bf 109 schränkte die Wirksamkeit der Begleitjagdschutzes über England ein.
- Taktik: Die RAF-Truppen arbeiteten mit flexiblen Staffelrotationen und lokalem Einsatz nach Prioritäten; die Luftwaffe setzte große Bomberformationen und Staffelverbände ein, hatte aber Schwierigkeiten bei der präzisen Führung über feindlichem Gebiet.
Beteiligte und persönliche Leistungen
An der Schlacht waren tausende Soldaten, Besatzungen und Bodenpersonal beteiligt. Neben britischen Piloten flogen auch viele Freiwillige aus Polen, der Tschechoslowakei, Kanada, Neuseeland, Australien und anderen Ländern in der RAF. Die Tapferkeit und Leistung dieser Jagdflieger wurde durch Winston Churchills berühmten Satz gewürdigt: „Nie wurden von so vielen so große Dienste an so wenigen geleistet“ (auf Englisch: „Never in the field of human conflict was so much owed by so many to so few“).
Verluste und zivile Folgen
Beide Seiten erlitten erhebliche Verluste an Flugzeugen und Besatzungen. Für die britische Bevölkerung hatte die Schlacht und die anschließende Bombardierung (der Blitz) verheerende Folgen: viele Städte, Fabriken und Wohngebiete wurden beschädigt oder zerstört, und es gab zahlreiche zivile Opfer. Gleichzeitig blieb die industrielle und militärische Widerstandskraft Großbritanniens bestehen.
Ergebnis und Bedeutung
Die Schlacht um England gilt als strategischer Misserfolg für Deutschland: Die Luftwaffe scheiterte daran, die Luftherrschaft zu erlangen, und die geplante Invasion wurde verschoben und schließlich aufgegeben. Für Großbritannien war der erfolgreiche Luftkampf ein entscheidender Moment im Zweiten Weltkrieg, weil er die Insel vor einer Invasion bewahrte und der Alliierten Moral und Zeit verschaffte.
Langfristig bewies die Schlacht die Bedeutung moderner Luftabwehr, Frühwarnsysteme und einer integrierten militärischen Führung. Sie bleibt ein Schlüsselereignis in der Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Erinnerung
Die Schlacht wird in Großbritannien und in den Heimatländern der beteiligten Piloten bis heute erinnert: Denkmäler, Museen und Gedenkveranstaltungen würdigen die Opfer und die Leistungen der Teilnehmer. Ihre Bedeutung wird sowohl militärhistorisch als auch als Symbol des Widerstands gegen Aggression gewürdigt.

